Heute bei den Netzpiloten

Heute erzählen wir den Netzpiloten im Interview, was wir in Brasilien machen, warum es eine echte Herausforderung ist, aus einer Favela zu berichten und wieso Auslandsjournalismus wichtig ist, der nicht nur zu Großereignissen stattfindet.

“Allein in Rio de Janeiro gibt es mehr als 1000 Favelas – und 1001 Klischees über diese Siedlungen. Viele denken bei Favelas nur an den Film “City of God”, an Drogengangs, brutale Gewalt, ständige Schießereien, korrupte Cops. Es gibt Brasilianer, die bis heute keinen Schritt in Favelas setzen würden und denken, alle Favelabewohner seien kriminell oder dumm und würden den ganzen Tag nur vor dem Fernseher sitzen.

Auf der anderen Seite spazieren manche Leute, oft Ausländer, ein bisschen naiv in Favelas hinein und denken, dass alles problemlos und entspannt ist – was auch nicht stimmt. Wir möchten dazu beitragen, dass das Bild ein bisschen vielfältiger wird – und verfolgen langfristig die Dynamik von Besetzungspolitik und Organisierter Kriminalität.”

Das ganze Interview bei den Netzpiloten.

 

 

Drogenkrieg in Rio: Disput in der Mangueira

Mangueira: Gewalteskalation nach der WM (Foto: BuzzingCities)

Mangueira: Gewalteskalation nach der WM (Foto: BuzzingCities)

Nach dem Ende der WM hat die Gewalt in mehreren besetzten Favelas erneut zugenommen – durch Konflikte zwischen rivalisierenden Gangs und Zusammenstöße mit der Polizei. In der Favela Mangueira im Norden von Rio de Janeiro bekriegen sich drei Banden. Die Bewohner haben Angst, auf der Straße bei Schießereien verletzt zu werden.

Startschuss für den Drogenkrieg war die Ermordung eines Ex-Drogenchefs, Francisco Paulo Testas alias “Tuchinha”. Der 50-Jährige war Anfang September von Killern auf einem Motorrad exekutiert wurden, vermutlich war “Tuchinha” in einen Hinterhalt gelockt worden.

31 Jahre Haft, erst drei Jahre in Freiheit

Er war früher Drogenboss der Mangueira gewesen, einem wichtigen Drogenumschlagsplatz in Rio, in der Nähe des Maracanã. “Tuchinha” wurde verhaftet und verbrachte 21 Jahre im Gefängnis. Seit er vor drei Jahren entlassen wurde, kümmerte er sich um andere Ex-Dealer, die aus dem Drogenhandel aussteigen wollten und vermittelte bei Konflikten.

Er engagierte sich auch in der Anwohnervereinigung der Favela, die die Interessen der Anwohner vertreten soll, aber oftmals von den Drogengangs unterwandert ist. Unklar ist, ob “Tuchinha” selbst wieder im Drogenhandel tätig war. Anlass des Mordes könnten auch Streitigkeiten zwischen ihm und seinem Bruder sowie einem inhaftierten Drogengangster gewesen sein.

Massive Polizeipräsenz

Seit seinem Tod kommt es verstärkt zu Konflikten zwischen den Banden, aber auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Mangueira ist seit 2011 besetzt. Als wir mit den Bewohnern das WM-Finale angesehen haben, war die Polizeipräsenz massiv – unter anderem mit mehreren Straßensperren und -kontrollen innerhalb der Favela.

Polizeisperre in der Favela (Foto: BuzzingCities)

Polizeisperre in der Favela (Foto: BuzzingCities)

In der vergangenen Woche wurde bei einer Schießerei mit Drogengangstern ein Polizist erschossen, ein weiterer angeschossen. Bei einer Polizeioperation am Dienstag wurden in einem Haus in der Mangueira kartonweise Drogen wie Kokapaste oder Ecstasy, ein Sturmgewehr, Munition, Militäruniformen und eine Handgranate sichergestellt.

Debatte vor der WM: Medien International Brasilien

Helena Ferro de Gouveia, Projektmanagerin für Lateinamerika der DW Akademie, die brasilianische Journalistin Luciana Rangel (Veja, O Globo), und Julia haben heute auf Einladung von DW Akademie und ARD-Hauptstadtstudio die Situation in Brasilien, die Arbeitsbedingungen für Journalisten, die politischen Entwicklungen rund um die WM, Proteste und die Entstehung neuer Medienformate diskutiert.

Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: Sonja Peteranderl)

Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: Sonja Peteranderl)

Die Deutsche Welle hat die Debatte hier zusammengefasst – and there`s also an English article covering the debate on “Powerful media companies and alternative media”.

“Als schwierig schätzt auch Julia Jaroschewski die Sicherheitslage für Journalisten in Brasilien ein. “Gefährlich ist es allerdings nur da, wo man sich nicht auskennt.” Die Journalistin berichtete bereits mehrfach aus Brasilien und lebte während ihrer Aufenthalte in einer Favela. “Ich selbst trage – anders als viele brasilianische Kollegen – keine Schutzweste.” Wenn Journalisten derart aufträten, sei dies aus ihrer Sicht eher eine Provokation als ein Schutz. “Mir ist es wichtig, dass ich das Vertrauen der Menschen gewinne. Das gelingt mir nicht, wenn ich mich von ihnen abgrenze.”

ARD HSB

Sorry, Neymar: Der inoffizielle WM-Song

Katerstimmung vor der Fußball-WM in Brasilien: Der Frust vieler Brasilianer ist groß, Datafolha zufolge lehnen 80 Prozent der Befragten die Fußball-WM in Brasilien gerade ab – vor allem, weil Milliarden in Stadien und andere WM-Vorbereitungen fließen, während das Geld im Bildungs- und Gesundheitssektor, bei der Sanierung der Favelas oder im öffentlichen Transport fehlt.

Der Musiker Edu Krieger hat dieses Gefühl nun in seinem Song “Desculpe Neymar” (Tut mir leid, Neymar) beschrieben, der jetzt schon ein inoffizieller WM-Titelsong ist und sich über soziale Netzwerke rasant verbreitet. Am Anfang des Tracks wird eine Begrüßung des brasilianischen Superkickers Neymar eingespielt, der die Welt in Brasilien zur WM willkommen heißt  – Edu Krieger besingt danach die Gründe, warum er diesmal nicht für Neymar (und die WM) applaudieren wird.

That would also be the conclusion drawn from a song released by respected Rio musician Edu Krieger, which has become an internet success. In Desculpe Neymar (sorry Neymar), Krieger expresses that on this occasion he will not be cheering on Brazil’s poster boy and his team-mates. “We can’t be real champions,” he sings, “spending more than 10 billion…we have beautiful and monumental stadiums while schools and hospitals are on the verge of collapse.”

Accompanied just by his guitar, the song is rooted in sorrow rather than anger. “I’ve always been a fan of the national team,” he explained in an interview, “but I don’t feel comfortable supporting the side this time.

“I think the way we’ve organised the World Cup could not have been worse, especially bearing in mind what was promised and what has in fact been done. This song is a lament that I don’t feel the enthusiasm I’d like to have in relation to the event.”
Read more at http://www.worldsoccer.com/world-cup-3/brazil-world-cup-discontent#lsDgPqRs0pt0MwcT.99

That would also be the conclusion drawn from a song released by respected Rio musician Edu Krieger, which has become an internet success. In Desculpe Neymar (sorry Neymar), Krieger expresses that on this occasion he will not be cheering on Brazil’s poster boy and his team-mates. “We can’t be real champions,” he sings, “spending more than 10 billion…we have beautiful and monumental stadiums while schools and hospitals are on the verge of collapse.”

Accompanied just by his guitar, the song is rooted in sorrow rather than anger. “I’ve always been a fan of the national team,” he explained in an interview, “but I don’t feel comfortable supporting the side this time.

“I think the way we’ve organised the World Cup could not have been worse, especially bearing in mind what was promised and what has in fact been done. This song is a lament that I don’t feel the enthusiasm I’d like to have in relation to the event.”
Read more at http://www.worldsoccer.com/world-cup-3/brazil-world-cup-discontent#lsDgPqRs0pt0MwcT.99

Kein Wifi während der WM

Selfies im Fußballstadion machen und mal schnell über Twitter und Facebook in die Welt streuen – das wird während der WM in Brasilien nicht bei allen Spielen möglich sein, zumindest nicht mit dem offiziellen WM-Wifi. An einigen brasilianischen WM-Schauplätzen gibt es Probleme mit dem Wifi-Zugang, wie der Kommunikationsminister Paulo Bernardo am Mittwoch zugeben musste.

Nur in der Hälfte der Städte funktioniert das Netz: “In sechs Stadien wird der Service verfügbar sein, in den anderen nicht. Auch wenn nun Verträge zur Einrichtung von drahtlosen Internetzugang unterzeichnet werden, reicht die Zeit nicht aus, um eine gute Servicequalität zu gewährleisten”, so der Minister.

Fußballfans müssen etwa im Itaquerão in São Paulo, in dem das Eröffnungsspiel stattfinden wird, aber auch in den Städten Curitiba und Belo Horizonte (eine Stadt, die sich als das neue Silicon Valley Brasiliens präsentieren möchte) auf Wifi im Stadion verzichten.

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