Fake-Polizeikontrolle und Überfalle in Rio: Olympia-Teilnehmerin ins Gesicht geschossen

Im Norden von Rio de Janeiro ist eine Frau in eine Fake-Verkehrskontrolle von Gangstern geraten — und wurde angeschossen, als sie versuchte, vor den Kriminellen zu flüchten. Die Psychologin überlebte schwer verletzt. Ob sie wie geplant an den Olympischen Spielen teilnehmen kann, ist unklar — sie hatte sich im Luftgewehrschießen für die Teilnahme qualifiziert.

Der 28-Jährigen gelang es zwar noch wegzufahren, doch Kugeln schlugen in ihr Auto ein und sie wurde im Gesicht getroffen — verletzt fuhr sie noch etwa 50 Meter weiter und krachte dann mit dem Auto gegen die Wand der U-Bahnstation Inhaúma. Die Sicherheitskräfte einer Polizeiwache in der Nähe trafen auf vier Kriminelle, die das Feuer auf die Polizisten eröffneten. Zwei weitere Personen waren vor der Frau von den Fake-Polizisten überfallen worden.

Immer wieder setzen Kriminelle Fake-Kontrollen auf, stoppen Fahrzeuge — und rauben die Insassen dann aus oder flüchten zum Teil auch mit dem Auto. Gelegenheitskriminelle und Überfallkommandos nutzen aber auch Staus: Bei einem Stau in der Nähe der Favelasiedlungen des Complexo da Maré nutzten Kriminelle ihre Chance, raubten ein Auto nach dem anderen aus. Die Fahrer hatten keine Chance zu flüchten.

Gefährlich kann es auch werden, wenn Navi-Apps wie Waze Autofahrer irrtümlich in falsche Richtungen oder durch riskante Gebiete leiten — im vergangenen Jahr lotste die Verkehrs-App ein älteres Ehepaar in eine Favela. Die Frau starb, als die Gangster, die den Eingang der Favela kontrollierten, das Fahrzeug beschossen. 

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Verkehrs-Chaos: Sehnsucht nach den Vans

Wer versuchen möchte, seine klaustrophobischen Ängste mit einer Schock-Therapie zu kurieren, könnte mit einer Fahrt in die Favela Rocinha beginnen: vollgestopft bis auf den letzten Platz, schwitzende, aneinandergepresste Körper im Gang, Stau, dazu fällt oft die Klimaanlage aus – falls der Bus überhaupt eintrifft.

Vor ein paar Monaten haben wir mit einem Video dokumentiert, wie lange es dauert, bis alle Passagiere den Bus verlassen (und wir haben begonnen, zu filmen, als wir schon etwa ein paar Minuten gewartet hatten, bis der Bus sich in der Rocinha langsam leert).

Die Rocinha hat zwar nach der Besetzung durch Militär und UPP hübsche neue Bushaltestellen-Schilder erhalten und eine Handvoll von Bussen durchquert inzwischen die Favela – doch es sind zu wenige, und wie diese Woche geschehen, fällt manchmal auch ohne Ankündigung eine der Linien aus.

Früher haben Hunderte von Vans, Minibusse, den Transport in den Favelas abgedeckt – als eine Art paralleles Beförderungssystem. Sie fuhren durch die ganze Stadt, sammelten an Straßenecken ihre Fahrgäste ein und transportierten sie in die Favelas, bis hoch auf den Hügel.

Im April 2013 nahm die Stadt dann eine Serie von Überfällen als Anlass, die Vans zu verbieten – das Aus für die Kleinbusse hat Julia auch auf ihrem Blog “Made in Brazil” beschrieben:

“… schon lange werfen Politiker und Polizei den Kleinbusbetreibern Kooperationen mit der organisierten Kriminalität vor. Weil die Betreiber schon vor der Besetzung der Favelas durch die Polizei durch die Armenviertel gefahren sind, haben viele Busbetreiber zwangsläufig mit Drogengangs zusammengearbeitet. Die Besitzer der Minibusse konnten ihre Dienstleistungen nur mit Erlaubnis der Drogengangs anbieten, manche mussten als Gegenleistung Dienste für die Banden erledigen. Vans sind immer wieder Ziele gewalttätiger Übergriffe, wie der Überfall auf deutsche Touristen oder die Vergewaltigung der Studentin.”

Selbst Proteste von Favelabewohnern und Van-Betreibern konnten das Verbot nicht mehr abwenden. Der Kompromiss: Einige der Kleinbusse wurden quasi in das offizielle Transportsystem eingespeist, mit Aufklebern der Stadt beklebt, Inhaber der Busfahrkarten (Billete Único) können nun von Metro oder anderen Bussen in die Vans umsteigen, ohne erneut zu zahlen. Continue reading