Underwater World: Favela-Kids im Aquario

Haie, Fischschwärme, Rochen: Das neue Aquarium, Aquario, in Rio de Janeiros renoviertem Hafenviertel ist ein teures Vergnügen. Eine Kindertruppe aus Rio de Janeiros Favelas konnte die Unterwasserwelt nun trotzdem besuchen – als Belohnung für Leistung und gute Noten.

Viele Kinder aus den Favelas von Rio de Janeiro waren zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Aquarium. Knapp 100 Kinder waren ausgewählt worden, Aquario in Begleitung der UPP-Befriedungspolizei zu besuchen – sie hatten in der Schule und in den Projekten wie Orchestern und Ballettschulen der UPP gute Leistungen gezeigt.

Rios Befriedungspolizei ist stark umstritten: sie hat die Lage nicht im Griff, die Drogengangs haben das Territorium wieder übernommen, immer wieder finden Menschenrechtsverletzungen statt, Bewohner sterben im Kreuzfeuer. Der soziale Teil des UPP-Programms ist stark reduziert worden, dabei sind es gerade die Sozialprojekte, die den Kindern und Teenagern aus Rio de Janeiros neue Wege aufzeigen können. Ein Ausflug in die Unterwasserwelt von Rio ist auch ein Ausflug in eine andere Welt, die vielen Kindern aus den Favelas normalerweise verschlossen bleibt.

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Polizei und Kriminelle als Komplizen: Mordkomplott gegen Polizeichefin

In Rios größter Favela Rocinha planten Drogengangster die Ermordung der Polizeichefin der Befriedungspolizei UPP. Polizisten halfen ihnen dabei. Der korrupte Polizeiapparat in Brasilien verhindert eine effektive Bekämpfung der Kriminalität.

Eine kleine Frau, dunkle Locken, sympathisches Lachen: Pricilla Azevedo sollte der Polizei wieder ein nettes Gesicht verleihen, das Versprechen der Befriedungspolizei UPP einlösen, eine Polizei der Nähe zu sein. Sie hatte Major Edson als Chef der Einheit ersetzt, einen ehemaligen Soldat der BOPE-Spezialeinheit. Er war mit weiteren Polizisten verhaftet worden: Sie hatten den Favelabewohner Amarildo festgenommen, zu Tode gefoltert, die Leiche verschwinden lassen – und das letzte Vertrauen in die UPP zerstört, auch weit über die Favela Rocinha hinaus.

Azevedo stand für einen sozialen Policing-Ansatz, der die Bevölkerung wieder mit der Polizei versöhnen sollte. Doch Drogengang und auch Kollegen von Azevedo sahen in der neuen Chefin vor allem einen Störfaktor für ihre Geschäfte.

Mehrere korrupte Polizisten, die mit dem Drogenboss Rogerio kooperierten, verrieten ihm ihre Arbeitsroutine – und legten ihm nahe, die Polizeichefin schnell zu töten – damit erneut ein Ex-Elitesoldat an ihre Stelle rücken könnte. „Er ist ein Freund von uns, und er liebt Geld“, schrieb ein Polizist an den Drogenboss – also ein guter Deal für alle Seiten. Im Februar 2014 wurde der Plan entdeckt, erst jetzt hat die Justiz den geplanten Mordanschlag öffentlich gemacht.

Azevedo wurde versetzt, sie ist heute Polizeisprecherin der Befriedungspolizei – zu dem geplanten Mordanschlag auf sie hat sich die Polizistin bisher nicht geäußert.

Complexo do Alemão: “Nach Olympia ist alles noch schlimmer”

Mega-Operationen, bei denen die Militärs auch in Häuser eindringen und sie zerstören, Schießereien zwischen Drogengangs und Polizei, fast tägliche Gewalt: Im Complexo do Alemão hat die Befriedungspolizei UPP keinen Frieden gebracht, im Gegenteil. Der Polizei ist es nicht gelungen, die Macht der Drogengangs zu brechen, stattdessen führt die Polizeipräsenz zu neuen Konflikten, mit den Bewohnern im Kreuzfeuer. Wir haben wieder einmal im Alemão gedreht und Update-Interviews zur Situation nach Olympia geführt.

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Complexo do Alemao: All Photo Credits BuzzingCities Lab

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Blutiger Drogenkrieg in Rios ältester Favela

Morro da Providência, die älteste Favela Rios, die direkt neben dem Hauptbahnhof liegt und eigentlich von der Polizei befriedet werden sollte, ist zum blutigen Schauplatz des Drogenkrieges geworden: Mitglieder der lokalen Drogengang hatten am Donnerstagnachmittag das Feuer auf ein Undercover-Aufklärungsfahrzeug der Bope-Spezialtruppe eröffnet und es mit 15 Schüssen durchlöchert. Ein Soldat starb, zwei Soldaten wurden angeschossen. Bei darauffolgenden Schusswechseln wurden auch fünf Favelabewohner getötet, der Polizei zufolge Kriminelle.

„Wenn wir eine Operation mit Toten haben ist das nichts Gutes. Die Menschen, die auf die Polizisten geschossen haben, werden dann auch Schüsse abbekommen“, rechtfertigte Rios Sicherheitsminister José Mariano Beltrame bei der Beerdigung des erschossenen Soldaten den Vergeltungsschlag.

Es ist ein Krieg, bei dem alle Seiten nur verlieren können.

Die Atmosphäre in der Providência ist angespannt, die beiden Schulen der Favela und die zwei Kindergärten wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. Der Soldat, der in der Providência erschossen wurde, hatte sich mit seiner Tätigkeit als Bope sein Studium finanziert — und hatte seiner Familie zufolge geplant, nach Studiumsabschluss als Soldat aufzuhören, weil er ihm zu gefährlich war.

Als die Favela besetzt wurde, hatten Polizei und Bewohner die Hoffnung, das ein neues Verhältnis möglich wird (siehe Video). Doch die Gewaltspirale scheint sich doch jetzt wieder zurückzudrehen.

Polizei vor Gericht: Hohe Strafen im Folterfall Amarildo

Der Folter-Fall Amarildo ist ein Präzedenzfall für Polizeigewalt in Rios Favelas: Polizisten der Befriedungspolizei UPP hatten am 14. Juli 2013 einen Bewohner der Favela Rocinha im UPP-Hauptquartier zu Tode gefoltert, die Leiche verschwinden lassen. Sie hatten den Maurergehilfen verdächtigt, Handlanger der Drogengang der Rocinha zu sein.

Doch diesmal wurde das Verbrechen öffentlich — und es folgen rechtliche Konsequenzen für die beteiligten Polizisten. Acht Polizisten wurden in dieser Woche aufgrund von Folter mit Todesfolge verurteilt, sowie für das Verschwindenlassen des Körpers sowie die Fälschung von Beweismaterial. Sie hatten etwa Überwachungskameras manipuliert, um das Verbrechen zu verschleiern.

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UPP-Hauptquartier in der Rocinha: Hier wurde Amarildo zu Tode gefoltert (Foto: BuzzingCities)

Die höchste Strafe erhielt Edson dos Santos, der damalige Kommandant der Befriedungspolizei-Einheit in der Rocinha: Dreizehn Jahre und sieben Monate Gefängnisstrafe. “Amarildo wurde zu Tode gefoltert. Nach seinem Tod ordnete Major Edson an, dass alle Polizisten, die sich in den UPP-Containern aufhielten, sie schnell verlassen sollten”, so das Gericht – um möglichst wenige Zeugen des Geschehens zu haben. Die Leiche wurde in einem Auto der Spezialtruppe BOPE heimlich abtransportiert.

Amarildo ist seit mehr als zwei Wochen verschwunden

Bis heute verschwunden: Amarildo

Sein Stellvertreter, der Subkommandant Luiz Felipe de Medeiros, wurde zu elf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Es sind ungewöhnlich hohe Strafen für Polizisten, die in Rios Favelas wegen Gewalt verurteilt werden — in den meisten Fällen bleiben Vergehen folgenlos.

Das Gericht wollte ein deutliches Zeichen gegen den Missbrauch staatlicher Gewalt setzen.

Polizei exekutiert fünf Jugendliche

Rios Polizei sollte zur Vorzeigetruppe werden, doch anstatt mehr Sicherheit zu schaffen, tötet sie Menschen aus den Favelas – viele von ihnen sind Jugendliche, meist junge, schwarze Männer.

Es ist eine Nachricht, die große Wellen schlägt in Rio: Vier Polizisten erschießen fünf Jugendliche in einem Auto – mit mehr als 100 Patronen. 81 Schüsse vom Gewehr, weitere 30 gehen von einer Pistole aus. Die Polizisten sagen später, sie hielten die jungen Männer für Drogengangster. Die Familien sagen, die Polizisten agierten willkürlich und ermordeten die Jugendlichen, weil sie aus der Favela kamen.

Die fünf getöteten Jugendlichen (Screenshot Facebook)

Die fünf getöteten Jugendlichen (Screenshot Facebook)

Es war ein lauer Abend in Costa Barros, einer Favela in der Nordzone Rios. Fünf Freunde zwischen 16 und 25 Jahren fuhren mit dem Kleinwagen in ein Shoppingcenter, trafen sich im Anschluss mit weiteren Kumpels in einem Park, um das erste Gehalt des 16-jährigen Roberto S. zu feiern. Er arbeitete seit kurzem in einem Supermarkt und wollte seine Freude mit den Freunden teilen. Auf dem Rückweg gegen 1 Uhr morgens wurden die Jugendlichen von Polizisten angehalten, die das Auto nach eigenen Angaben mit dem von Gangstern verwechselten. Anschließend kam es zur heftigen Schießerei, die mit dem Tod der fünf jungen Männer endete.

Als Grund gaben die Polizisten Selbtverteidigung an – sie behaupten, sie seien von den Jugendlichen angegriffen worden. Neben dem Auto hatte man Pistolen gefunden. Beobachter der Szene berichten jedoch, dass die Polizisten diese Pistolen neben dem Auto platziert haben, um ihre Tat zu vertuschen, denn die fünf jungen Männer trugen gar keine Waffen mit sich. Continue reading