Was Jair Bolsonaro mit dem Internet vorhat

Brasiliens neuer Präsident ist auch dank seiner Digitalstrategie an die Macht gekommen. Weil er auch Desinformationskampagnen, Hetze und Diffamierung unterstützt hat, sind Netzexperten besorgt.

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Brasiliens neuer, ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro beherrscht die Spielregeln des Internets: Er wendet sich per Livestream an die Bürger, seine Hetze gegen Frauen, Schwarze, Homosexuelle und Linke geht in sozialen Netzwerken viral – und kritische Journalisten blockiert er auf Twitter. Auch dank seiner Digitalkampagne hat es der einstige Außenseiter ins Präsidentenamt geschafft.

Seit seinem Amtsantritt Anfang Januar verändert Jair Bolsonaro Südamerikas größtes Land radikal. Doch was bedeutet das für die Digitalpolitik?

Konkrete Strategien hat die Regierung nicht vorgelegt, dennoch gibt es erste Indizien. Wir haben die digitale Zukunft für SPIEGEL ONLINE analysiert.

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eWaste und BlingBling: Mit Trafopop auf der MakerFaire Berlin

Trafopop-Show bei der MakerFaire 2015 (Foto: Trafopop)

Trafopop-Show bei der MakerFaire 2015 (Foto: Trafopop)

Virtual Reality, Wearables, Tech-Spielzeug wie die Tinkerbots, die sich fernsteuern und programmieren lassen: Auf dem Kreativfestival Maker Faire Berlin 2015 bastelten die Besucher an Hardware-Projekten, konnten Mini-Copter oder Virtual Reality-Software ausprobieren — auch das Innovationspotential von Tech für gesellschaftlichen Wandel wurde diskutiert.

Mit dem LED-Fahrradclub Trafopop aus Berlin waren wir Teil der Wearables-Show. Ein indisches Projektteam hat dabei Kleidung präsentiert, die die Gewalt gegen Frauen in Indien eindämmen soll, andere Teams stellten High-Tech-Westen für den Katastropheneinsatz vor. Auch mehrere Vorträge wie „DIY Repair: A global movement of tinkerers, hackers, and self-taught engineers“ von Kyle Wiens beschäftigten sich mit DIY-Innovationsprozessen und internationaler Zusammenarbeit im Tech-Bereich.

An ihrem Stand zeigten afrikanische Bastler vom Makerspace Woelab ihre Hardware-Hacks wie 3 D-Drucker, die aus Müll wie Screens, alten Computern und Scannern recycelt worden sind. Der Ansatz des Labs aus Togo: eMüll soll in smarte Erfindungen verwandelt werden, kollaborative Hacks werden zur Alternative zu industriellen Fertigungsprozessen – mit weniger Ressourcenverbrauch, kleinen Mitteln und positiven sozialen Impulsen. Unsere Kolleginnen von Tea After Twelve haben Josué Tchirktema, einen der Erfinder, zum Upcycling von eMüll zum 3 D Drucker “W.Afate” interviewt:

“Even though W.Afate looks a bit different from the 3D printers you’ll find in the shops, it works just as well. It is pretty similar to the RepRap 3D printers from Britain, a simple low-cost solution using plastic filament or metal wire for production. The only constraints are due to the size of the machine, course you can’t print anything that’s bigger than the printer itself.”

Die Geeks der Favela

Improvisierte Stromnetze werden zu surrealen Labyrinthen quer durch die Favela zusammengebunden, Plastikmüll zu Betten recycelt, Tech-Gadgets in den kleinen Werkstätten der Favelas immer wieder fit gemacht: Favelas sind ein natürlicher Maker-Space.

 Mit dem Event „Gambiarra Favela Tech“ sollte der Erfindungsreichtum kanalisiert werden: Jugendliche aus der Favela konnten sich mit einem Video ihrer aktuellen Erfindung für den zehntägigen Workshop Ende Juli im Complexo da Maré im Norden von Rio de Janeiro bewerben.

„Eine Mischung aus wissenschaftlichem Labor, Werkstatt und Künstleratelier“, nennt der Projektleiter und Multimedia-Künstler Ricardo Palmieri das Projekt. Die Idee: Denn Favela-Alltag mit guten Ideen und einfachen Mitteln, die sich überall finden, ein bisschen besser – oder schöner – machen.

Ein Dutzend junge Erfinder aus der Favela diskutierten, wie sich Müll in Produkte umwandeln lässt, lernten, zu programmieren, die Grundlagen von Elektronik und Medienkenntnisse für sich zu nutzen. „Viele waren als Idioten bezeichnet worden, weil sie sich für ihre Werke aus dem Müll bedient hatten“, so Palmieri. Einen künstlerischen Wert hätten sie ihren Erfindungen bisher nicht beigemessen. Der Workshop habe viele bestärkt – auch, weil sie sich mit anderen Bastlern austauschen konnten.