Favelas, Social Divide, Drugwar: BuzzingCitiesLab soon in Jung & Naiv

Tilo Jung interviewed us yesterday in Favela Rocinha on Favelas, the Social Divide in Brazil, Drug War and Security. Our Talk soon in his Olympics series of “Jung & Naiv”.

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Olympia jenseits vom Hochglanz: BuzzingCities Lab im Interview beim rbb Inforadio

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Olympia in Rio, jenseits vom Hochglanz: Am morgigen Sonntag ist das Interview mit uns über die Olympischen Spiele, die Sicherheitslage, Drogenkrieg und Polizeigewalt sowie Digitalisierung in Rios Favelas im Inforadio zu hören.

Vor den Großereignissen sollten Rios Favelas mit Polizeipräsenz befriedet werden — doch in größeren Favelas wie Rocinha oder Complexo do Alemao eskaliert im Olympiajahr die Gewalt. Für Favelabewohner verwandeln sich Smartphones und soziale Netzwerke in wichtige Waffen: Sie machen sichtbar, was in der Favela passiert, prangern Polizeigewalt an und warnen sich gegenseitig vor Schießereien.

Fackel mit Blutspuren: Polizeigewalt in Rio de Janeiros Favelas

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In Brasilien stirbt alle 23 Minuten ein schwarzer Jugendlicher zwischen 15 und 29 Jahren, 23.100 jedes Jahr, so das Ergebnis einer Arbeitsgruppe des Senats in der Hauptstadt Brasília. Doch während in den USA Tausende Menschen der „Black lives matters“-Bewegung auf die Straße gehen, um gegen Gewalt und Ermordungen der schwarzen Bevölkerung zu demons­trieren, kommt der Aufschrei hier von nur wenigen.

Julia hat für die Wochenendausgabe der Taz einen Artikel über die Situation im Complexo do Alemao in Rio de Janeiro geschrieben, wie die Militarisierung für die Großereignisse die Gewaltspirale anheizt – und wie neue Stimmen und digitale Tools die Gewalt in die Öffentlichkeit tragen, die lange unsichtbar war.

Olympia-Auftakt: BuzzingCities Lab bei Tagesschau24 über die Lage in Favelas

Während heute in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele eröffnet werden, werfen Korruption und massive Militarisierung einen Schatten auf das Megaevent – und Rios Favelas kämpfen mit Gewalt. Die Unzufriedenheit bei vielen Brasilianern ist groß, zahlreiche Proteste sind für heute angekündigt.

Julia kommentiert im Live-Interview mit Tagesschau24 die Situation in Rios Favelas und die Sicherheitslage nach den Terrordrohungen.

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Zertrümmerte Einrichtung: Megaoperation im Complexo do Alemão

Mit einer Megarazzia sind die brasilianischen Sicherheitskräfte am Mittwoch gegen die Drogengang im Complexo do Alemão vorgegangen. 300 Polizisten und 150 Militärs sollten im Rahmen der „Operacão Germania” per Haftbefehl gesuchte Kriminelle aus den Favelas des Complexo do Alemão festnehmen.

Seit August vergangenen Jahres hatten Polizisten die Favelas infiltriert, und per Videoüberwachung Aktivitäten der Mitglieder der Drogengang gefilmt. Auch mehrere Führungsmitglieder des Comando Vermelho, der im Alemão dominierenden Drogengang, waren so identifiziert worden. Zehn Kriminelle wurden bei der Razzia festgenommen.

Nach den andauernden Schießereien in den vergangenen Tagen brachte die Mega-Operation aber auch erneut Aufruhr in die Favelas. Bei der Aktion haben die Sicherheitskräfte Whatsapp-Beschwerden zufolge auch mindestens ein Haus verwüstet: Ein Favelabewohner postete ein Foto von seiner Wohnung nach der Razzia, in der die Möbel zertrümmert waren und die Gegenstände chaotisch herumliegen. “Ich bin Arbeiterin und zahle meine Rechnungen jeden Tag – ich habe das nicht verdient”, beschwerte sich die Bewohnerin. “In der Südzone wäre die Polizei niemals so vorgegangen”, kommentierte ein anderer Favelabewohner.

Prä-Olympia-Chaos: Ein Känguru für die Australier

Skandal um die Unterkunft des australischen Sportlerteams: Die Unterkunft ist heruntergekommen, die Toiletten und die Duschen funktionieren nicht zuverlässig, die Stromleitungen sind marode. So könnten sich die Sportler nicht voll auf den Sport konzentrieren, kritisierte die Leiterin der australischen Olympischen Delegation. Die Sportler warten jetzt im Hotel darauf, dass die Unterkunft noch bis Mittwoch bezugsfertig wird. Prinzip Hoffnung.

Für Rio ist die Beschwerde ein Angriff auf den Carioca-Stolz: Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio, konterte statt mit Professionalität mit Ironie und machte sich arrogant über die Australier lustig: “Unseres Olympiadorf ist viel schöner als eures (in Sydney) war”, so Paes. Er würde den Australiern aber auch “ein Känguru besorgen”, um sie glücklich zu machen. Die Haltung symbolisiert die grundsätzliche Einstellung der Stadt: Es wird schon schiefgehen – wer sich beschwert, ist selbst schuld.

Die kubanischen Athleten sind bisher noch abgelegener untergebracht, bis sie Anfang August in das Olympische Dorf umziehen: In einem Hostel in Rios Nordzone, in dem sich auch Rio2016-Freiwillige günstig einquartiert haben. Bisher ohne Beschwerden.

Express-Entführung eines Australiers

Am Samstag wurde außerdem ein Jiu-Jitsu-Kämpfer aus Neuseeland auf dem Weg vom Training nach Rio de Janeiro von Männern in Polizeiuniform gestoppt und dazu gezwungen, am Geldautomaten ein “Bußgeld” abzuheben – eine klassische Expressentführung, wie sie auch in Ländern wie Bolivien oder Mexiko vorkommt. In Brasilien sind solche Expressentführungen von Touristen aktuell noch kein Massenphänomen. Ob es sich tatsächlich um kriminelle Polizisten oder Kriminelle in Polizeiuniform handelte, ist noch nicht bestätigt – Fake-Polizisten setzen in Rio immer wieder falsche Verkehrsstopps auf, um Autofahrer auszurauben.

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Wassereimer statt Feuerwehr: Brand in Favela in Rios Nordzone

Gefährlicher Brand: In einer Favela in der Nähe der Station Estação Vicente de Carvalho in der Nordzone von Rio hat sich ein Feuer heute gefährlich und rasant schnell ausgebreitet – durch das trockenene Gras auf der Berghöhe und die enge Bebauung des Hügels erreichte das Feuer schnell auch Strommasten und mehrere Häuser.

Fotos: BuzzingCities

Fotos: BuzzingCities

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Eine Feuerwehr war nicht in Sicht – stattdessen versuchten Anwohner, neben deren Häusern das Feuer brannte, eigenständig mit Wassereimern zu löschen.

Brände in Favelas sind lebensgefährlich: Immer wieder kommen Favelabewohner ums Leben. In São Paulo haben mehrere Großbrände Hunderte Familien obdachlos gemacht, weil Feuer auf ganze Favelasiedlungen übergriffen. Die dichte Bebauung führt dazu, dass sich Feuer schnell ausbreiten. Feuerpräventionsmaßnahmen wie Brandschutzwände? Meistens Fehlanzeige. Und in vielen Favelas, in denen oft nur eine oder wenige Hauptverkehrsstrassen mit dem Auto zugänglich sind, hat die Feuerwehr gar keinen Zugang oder muss Brände zu Fuß löschen – wenn sie überhaupt (rechtzeitig) kommt.

Die marode Infrastruktur fördert die Ausbreitung der Brände – und ist mit den heruntergekommenen Leitungen selbst ein potentieller Brandherd. In vielen Favelas hängen die Stromleitungen in dicken Kabelbündeln über der Straße. In der Favela Rocinha in Rio de Janeiro standen mehrfach Stromleitungen in Brand. Die brennenden Stromkabel und -masten stürzen zum Teil ein, direkt in Gassen und Straßen.

Ein anderes Problem: In vielen Favelas verbrennen Anwohner zum Teil ihren Müll einfach vor dem Haus, manchmal nur wenige Meter neben den Häusern – selbst in der Favela Rocinha, wo es inzwischen mehrere Müllsammelplätze entlang der Hauptstraße gibt und die Müllabfuhr inzwischen auch in der Favela gut funktioniert.