Razzia in Vorzeigefavela Santa Marta

Bei einer Razzia in der Favela Santa Marta hat die Polizei Drogen und Munition sichergestellt. Einen Tag zuvor war bei einem Schusswechsel mit der Polizei ein Krimineller erschossen worden – für die kleine Favela Santa Marta, die als Vorzeigefavela gilt und 2008 als erste Armensiedlung von der Polizei eingenommen wurde, ein besonderer Fall.

Favela Santa Marta in Rio de Janeiro (Foto: BuzzingCities.net)

Favela Santa Marta (Foto: BuzzingCities)

Zwei weitere Verdächtige wurden bei der darauf folgenden Operation in der Favela festgenommen, außerdem zwei Revolver, zwei Pistolen, zwei Magazine, fast 1000 Kugeln, Verpackungsmaterial für Drogen, 112 Kokainkapseln, sechs Kilos Marihuana, 298 Marihuanapäckchen, 328 Cracksteine und 291 Crack-Paketchen.

Im Vergleich zu sonstigen Beschlagnahmungen eher Mini-Mengen — für eine kleine Favela wie die Santa Marta, die nur per Fuß zugänglich ist, dennoch ein Zeichen dafür, dass der Drogenhandel auch in der Santa Marta trotz Polizei-Präsenz weiterläuft.

Die lokalen Sicherheitskräfte wurden nun von anderen UPP-Einheiten und den Schocktruppen verstärkt. Seit dem vergangenen Donnerstag war es in der Favela immer wieder zu Schießereien gekommen.

Favelas online: Beschwerden über Stromausfälle

Es donnert, blitzt und stürmt, der Regen wütet. Straßen und Wege überfluten, das Wasser läuft auch in Häuser hinein. In vielen Favelas in Rio de Janeiro ist der Strom ausgefallen – in den sozialen Netzwerken hallen der Ärger und die Beschwerden der Favelabewohner wieder.

“Es ist, als würde die Welt untergehen. Kein Fernsehen, kein Internet, jetzt gibt es auch kein Licht mehr”, schreibt Alexandre Correa aus dem Complexo do Alemão. Thiago Firmino twittert, dass in der ganzen Favela Santa Marta (Dona Marta) im Stadtteil Botafogo die Lichter ausgegangen sind, alles dunkel sei. Außerdem seien zwei Kinder und eine Erwachsene in der Mini-Seilbahn in der Favela gefangen – ganz schön gruselig die Vorstellung, dort jetzt am steilen Berg zu hängen.

An den Bürgermeister twittern

Thiago Firmino hat sofort an den Energiekonzern Light, den Bürgermeister Eduardo Paes, den Gouverneur von Rio, Sérgio Cabral, an das Medien-Imperium O Globo und eine Favela-Onlineplattform getwittert, was in der Santa Marta passiert. Mit den sozialen Medien wie Twitter gelingt es, sichtbar zu machen, was in den Favelas passiert – und Druck aufzubauen, das Problem zu lösen.

Kundenservice auf Twitter (Screenshot)

Kundenservice auf Twitter (Screenshot)

Die Stromfirma Light hat alle Hände zu tun – auf dem Twitter-Account des Kundenservice treffen ständig neue Meldungen ein.

Light: Zahlreiche Beschwerden per Twitter (Screenshot)

Light: Zahlreiche Beschwerden per Twitter (Screenshot)

Nicht nur bei gewitterbedingten Stromausfällen wenden sich viele Favelabewohner inzwischen per Twitter an das Unternehmen. Sie teilen auch Fotos von erhöhten Stromrechnungen per Facebook, vergleichen untereinander die Höhe ihrer monatlichen Abrechnungen, die manchmal willkürlich festgelegt erscheint, und beschweren sich dann öffentlich beim Konzern – oft per Twitter.