Rocinha is a rainforest today

Der Nebel hat das Meer verschluckt, die Ränder der Rocinha weichgezeichnet, der Wald ist satt und dunkelgrün und Regen legt sich über den Geräuschteppich, der sonst so typisch Favela ist. Bei einem Blick aus dem Fenster fühlen wir uns, als säßen wir mitten im Regenwald. Vögel zwitschern, alles ist sanft und die Lehrerproteste, die in einer Straßenschlacht zwischen Polizei und Randalierern endeten und die Innenstadt verwüsteten, sind hier weit, weit weg. Von wegen Kampfzone Favela.

Rechtzeitig, bevor der Regen kam, haben unsere Nachbarn innerhalb von wenigen Stunden direkt vor unserem Fenster ein Haus aufgebaut – man konnte der Favela beim Wachsen zusehen. Gestern Abend stand dort noch eine Ruine, gerade mal der Grundriss, Balken, ein paar übriggebliebene Ziegelsteine, überwuchert von Pflanzen, Müll, am Nachmittag lagen dort noch die Kampfhunde unseres Nachbarn auf einer dreckigen Matratze herum, zwei gemütliche Riesen.

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Dann rückten Familie und Freunde an, hämmerten die ganze Nacht, Kinder schleppten Ziegel heran und Bauschutt weg, pfiffen dabei brasilianische Lieder, und heute morgen ist die Favela wieder ein Stück weiter in den Regenwald gewachsen. Sogar die Satellitenschüssel ist schon auf dem Wellblechdach installiert. Nur einer hämmert noch ein bisschen herum, die anderen sind wohl schlafen – oder zu ihren regulären Jobs arbeiten – gegangen.