Rio 2016 Opening: Proteste auf der Straße

While the Olympic Games ceremony was celebrated, protests took over the streets today – also next to Maracana stadion police and soldiers clashed with protestors, greedy scenes with police using rubber bullets and tear gas

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Nach Nizza-Terroranschlag: Rio 2016 braucht ein Sicherheits-Upgrade

Warten auf Aussagen zur Sicherheit (Foto: BuzzingCities)

Rio 2016: Fünf Stunden Warten auf Aussagen zur Sicherheit – ohne Ergebnis (Foto: BuzzingCities)

Aufregung in Rio de Janeiro: Nach dem Terroranschlag in Nizza diskutiert auch die Olympiastadt Rio das Risiko eines Terroranschlags – auf den die Stadt nicht ausreichend vorbereitet wäre. In Notfallsitzungen kamen in der Hauptstadt Brasilia und in Rio de Janeiro Beteiligte aller Ressorts, Geheimdienst, Sicherheitskräfte und Experten zusammen, um die Sicherheitsstrategie für Rio zu diskutieren.

Die Taktik des Tages: Besprechungen in nicht-öffentlichen Marathon-Sitzungen. Und die Probleme dann kleinzureden – oder gar nicht zu reden.

Nach stundenlangem Warten auf die angekündigte Pressekonferenz im Medienzentrum des Rio 2016-Komitees in Rio de Janeiro war die öffentliche Stellungnahme von Rios Bürgermeister Eduardo Paes kurz und inhaltsleer.

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Paes bekräftigte, die Stadt sei “supersicher” und werde auch während der Olympischen Spiele absolut sicher sein — entsprechende Maßnahmen würden ergriffen werden. Zu konkreten Schwachstellen und Maßnahmen äußerte sich vor der Presse keiner der Sitzungsteilnehmer, die zuvor für die Pressekonferenz angekündigt worden waren. Die wartenden Journalisten wurden an die Pressestelle der Bundesregierung weiterverwiesen.

Nach einer Sitzung in der Hauptstadt Brasilia kommentierte Sérgio Etchegoyen, der leitende Minister des Kabinetts für Öffentliche Sicherheit (GSI), dass es arrogant und eine “monumentale Verantwortungslosigkeit” sei, die Sicherheitspläne für Olympia in Rio nach dem Terroranschlag in Frankreich nicht zu überarbeiten. Es sei vor Nizza unvorstellbar gewesen, dass ein Fahrzeug als Waffe für einen Terroranschlag missbraucht werden könne (Anm.: In palästinensischen Gebieten/Israel haben Attentäter in der Vergangenheit mehrfach Traktoren und andere Fahrzeuge in Menschenmengen gesteuert).

Olympische Spiele: Mehr Patrouillen, Fahrzeugsperren (Foto: BuzzingCities)

Olympische Spiele: Mehr Patrouillen, Fahrzeugsperren (Foto: BuzzingCities)

Nun soll unter anderem die Isolation der Olympia-Stätten geprüft und deren Zugänglichkeit mit Fahrzeugen eingeschränkt werden. Olympia-Besucher müssen mit verstärkten Personenkontrollen rechnen. Auch an touristischen Orten abseits der Spielstätten wie in Seitenstraßen der Copacabana oder Leblon werden Sicherheitskräfte zusätzliche Patrouillen einrichten. Viel Zeit bleibt für die Überarbeitung des Sicherheitskonzeptes nicht: In 21 Tagen beginnen die Spiele bereits.

Olympia-Countdown: Rio de Janeiro am Limit

Favelabeat (Foto: BuzzingCities)

Rio im Olympiajahr (Foto: BuzzingCities)

Ein bisschen weniger als 100 Tage sind es noch, bis Rio de Janeiro zum Schauplatz der Olympischen Spiele wird. Die Olympische Fackel ist schon auf dem Weg, doch die Stadt ist mit unzähligen Problemen statt mit sportlicher Euphorie beschäftigt. Die politische Krise weitet sich immer stärker aus, Dilmas Gegner treiben den Sturz der Präsidentin voran, Proteste und Gegenproteste finden statt und Meinungsunterschiede werden mittlerweile auch handgreiflich ausgetragen. Die Gesellschaft war noch nie so gespalten wie im Olympiajahr.

Rio ist auch geschockt vom Einsturz des Fahrradweges Ende April, durch den zwei Menschen gestorben sind – ein Prestigeprojekt, das zum Drama wurde, weil Risiken wie der hohe Wellengang am Strand offenbar nicht mitkalkuliert worden waren. Der Unfall ist zum Symbol für schlechte Planung und Pfusch rund um die Megaevents geworden. Auch der Prüfbesuch vom Koordinationsstab des Olympischen Komitee (IOC) in der vergangenen Woche setzt die Stadtregierung unter Druck. Fazit: “Es gibt Tausende Details, die noch gemanaged werden müssen“. Die großen Ziele wie die Wasserreinigung und eine funktionierende Kanalisation, die die Stadt auch über die sportlichen Großereignisse hinaus nachhaltig verändern hätten können, bleiben ohnehin Utopie.

Dazu kommen Budgetkürzungen im Kontext der Wirtschaftskrise – sie wirken sich auch auf Rios Favelas aus. Die UPP-Befriedungspolizei ist überfordert, zu schlecht ausgebildete Teams mit zu wenig Personal operieren am Limit und stärken so auch den Kreislauf der Gewalt. Amnesty International zufolge sind von Januar bis März 2016 bei Polizeieinsätzen zehn Prozent mehr Menschen getötet worden als im Vergleichszeitraum 2015. Allein in den ersten drei Aprilwochen wurden mindestens elf Menschen getötet.

Korruptionsskandale rund um die Megaevents

Seilbahn im Complexo do Alemão (Credits: BuzzingCities)

Seilbahn im Complexo do Alemão (Credits: BuzzingCities)

Die Operation „Lava Jato“ enthüllt seit 2014 immer neue Schichten des brasilianischen Korruptionssumpfes, der alle Parteien, Politiker, Unternehmer, staatliche und private Konzerne betrifft – und auch Korruption und Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe, Planung, Konstruktion und dem Management von Projekten rund um die Megaevents offenbart.

Wie UOL Sports berichtet, hat die Stadt Rio de Janeiro die Pläne für den Olympischen Park in Rio nachträglich geändert, um die Bauunternehmen Odebrecht, Andrade Gutierrez und Carvalho Hosken zu begünstigen.

Nachdem der öffentliche Auftrag an die drei Konzerne vergeben wurde, wurde der Ursprungsplan — der Grundlage der öffentlichen Ausschreibung gewesen war – nochmals umgeschrieben: Existierende Sportstätten, deren Renovierung vorgesehen war, sollten nun abgerissen werden, Sportstätten wurden an andere Orte verlegt. So erschlossen sich den Konzernen wertvolle Baugebiete in lukrativen Lagen, die ihnen als Teilbezahlung für den Bau des Olympischen Parkes zugesprochen wurden. Nach dem Rückbau von temporären Olympia-Konstruktionen und Parkflächen können die Konzerne hier Wohnparks und andere kommerzielle Bauprojekte realisieren: eine Goldgrube.

Im Gegenzug zeigten sich die Firmen spendabel: Carvalho Hosken unterstützte die Wahlkampagne des Bürgermeisters von Rio, Eduardo Paes. Auch von Odebrecht soll Paes Geld erhalten haben.

Fälle wie diese stellen das in Rio im Zuge der Megaevents promotete Modell von Public-Private-Partnerships in Frage. Privatwirtschaftliche Unternehmen können Großprojekte zwar im Idealfall effektiver und professioneller umsetzen, so dass die Stadt auf kurze Sicht gewinnt. Doch wenn Stadtplanung vor allem von privatwirtschaftlichen, gewinnorientierten Interessen gesteuert wird, kann das Städte teuer zu stehen kommen.

Die Korruption reicht bis in die Favelas
In Brasilien haben die Unregelmäßigkeiten längst auch die Favelas erreicht. Die Gondelbahn, die im Complexo do Alemão als Leuchtturmprojekt errichtet wurde und Favelabewohner und Touristen über die Favelas schweben lässt, ist Teil des Skandals.

Die Seilbahn wurde von 2011 bis März 2016 von SuperVia betrieben, einer Firma der Gruppe Odebrecht Transport. Die Betreiber verdienten auch an  Zahlentricks: Die Gehälter von Mitarbeitern, die dort nie angestellt waren, flossen etwa in die abgerechneten Betriebskosten ein. Bei 194 Angestellten wurden die Gehälter auf dem Papier zum Teil verfünffacht, so dass die abgerechneten Kosten höher erschienen. So wurden die öffentlichen Kassen, die ohnehin am Limit sind, zusätzlich belastet.