Jogi in der Favela

Deutschland gewinnt 4:0 – und kaum jemand sieht zu. Zumindest in der Favela Rocinha. Ein Streifzug durch die größte Favela von Rio am Tag des WM-Deutschlandspiels.

Vielleicht lag es auch an der ungünstigen Zeit, aber das Spiel Deutschland gegen Portugal hat in der Favela fast heute niemand interessiert – außer uns. Im Favela-Restaurant lief das Spiel als Hintergrundgeräusch beim Essen, und sogar in der Rua Um, einer kleinen, lebendigen Gasse, in denen die meisten Bars normalerweise schon ab mittags brummen, war alles ruhig.
Während auf dem Bildschirm das ganz große WM-Drama ablief – verletzte Spieler, Fouls, Tore, Elfmeter, selbst Wunderwaffe Cristiano Ronaldo versagte in Serie, eindeutiger Sieg für Deutschland – putzten die Besitzer der Bar, in der wir die einzigen Gäste waren, erstmal durch.

Die beiden haben das Spiel dann eher mit uns angesehen, als umgekehrt – weil sie es spannend fanden, dass zwei Deutsche hier in ihrer Bar sitzen, die auch noch in der Favela wohnen. Morgen, beim Spiel Brasilien gegen Mexiko werde es voller sein, versicherten sie. Wir sollten doch vorbeikommen.

Danach: Polit-Debatte an der Bar – und auch die Barfrau kennt die innere Zerrissenheit, der wir hier immer wieder begegnen. Einerseits: Die WM schafft neue Probleme und kostet zuviel Geld, das etwa in der Rocinha besser investiert wäre. Andererseits: Fußball eben. Natürlich feuert sie die brasilianische Mannschaft an – sie sei ja Brasilianerin.