Favela journalism: Police violence against the Press

Deleted material, violence, detentions: In Brazil, police and other security forces are increasingly responsable for violations of press freedom. An interview with Mariana Rielli, legal expert at the NGO Artigo 19 in Rio de Janeiro.

Policemen forced us to delete camera material. Is it a common incident that the Brazilian police deletes material of journalists, who are filming incidents in public, at protests or other situations? And do you regard favelas especially sensitive areas, where journalists are even more at risk to be suppressed?

Looking at ARTICLE 19’s ongoing monitoring of police violence against protesters and against the press in general it is possible to assert that this has become a relatively common occurence in Brazil. Last year, for example, we observed many instances where communicators were in some way prevented from filming police activity. The same can also be applied to lawyers and demonstrators, for example, since such restraints are usually employed when people try to record episodes of violence or disregard to public freedoms and human rights by the police.

Regarding protests, for example, there have been several examples of people who had been recording police misconduct and had their cameras or cellphones broken or confiscated. Many have been arrested and/or made to delete content for the same reason.

“Journalists and mediactivists working in favelas not only are more frequent victims of violations, but also suffer from more intense and serious violations in general.”

In that sense, it is very reasonable to conclude that favelas are particularly sensitive areas due to their high levels of police brutality and state negligence and the now common practice of recording such episodes. Journalists and mediactivists working in favelas not only are more frequent victims of violations, but also suffer from more intense and serious violations in general.

What would you recommend journalists to do in such situations, how should they react when police forces threaten them?

It is vital that journalists and communicators in general are always aware of their rights, which include the right to film police activity without being subject to any sort of violence or impediment. However, it is also important to have the aforementioned context in mind in order to assess the risks in certain situations where filming can be a complicated issue.

“An interesting tactic that has been used by mediactivists in Brazil is to connect one’s filming device to an online cloud, if possible, so as to not lose your recordings if they are physically deleted or confiscated.”

In that sense, when violence or arrest are imminent, the most important thing is to keep calm, contact a lawyer and comply with law enforcement. Continue reading

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Big Brother Brasil: Neue Folge im brasilianischen Polizeiskandal

Big Brother Brasil versetzt Brasilien in Aufruhr. Die Kandidaten sind nun in das BBB15-Haus eingezogen, einige Bewohner und Bewohnerinnen aus den Favelas von Rio ärgern sich, dass sie es nicht selbst in die Endauswahl geschafft haben – und zahlreiche schreiben sich zumindest auf der Onlineplattform „BigBrother Fake“ als Kandidaten ein.

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Überraschend hat sich Big Brother Brasil aber auch in eine neue Folge des brasilianischen Polizeiskandals verwandelt. Der 23-jährige Kandidat Luan Patrício hatte kurz nach seinem Einzug vor laufender Kamera erzählt, dass er während seiner Zeit als Soldat im Favela-Komplex Complexo do Alemão einen Minderjährigen erschossen hatte.

„Ich glaube, dass er jünger war als ich, ich war 19, er muss ungefähr 16 gewesen sein“, so Luan. „Mein Vorgesetzer hat mich angesehen und gesagt: “Entweder du oder er.” Das brasilianische Militär will nichts davon wissen, dass Luans Einheit einen Favelabewohner erschossen hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass staatliche Sicherheitskräfte in den Favelas einen Menschen getötet hätten, der Mord aber vertuscht wurde. Das Geständnis hat Folgen: Luan erwartet in Kürze Polizeibesuch im Big Brother Haus – er soll zu dem Vorfall befragt werden.

BBB15-Kandidat Luan

5 Gründe warum heute in Brasilien alles passieren kann

Wer wird Brasilien in Zukunft regieren? Alles ist möglich an diesem Wahlsonntag in Brasilien, an dem die entscheidende Stichwahl für das Präsidentenamt stattfinden wird: Die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff der Arbeiterpartei PT und der sozialdemokratische Herausforderer Aécio Neves (PSDB) liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei den Wahlen 2014 handelt es sich um eine der unerwartetsten und spannendsten Wahlen der brasilianischen Geschichte. Doch warum ist die Entscheidung selbst für Experten so unvorhersehbar?

Kopf an Kopf rennen: Aecio holt auf den letzten Metern leicht auf

Kopf-an-Kopf-Rennen: Aécio hat auf den letzten Metern nochmal aufgeholt

1. Die Wahl ist knapp, verdammt knapp. 

Aécio Neves konnte in den letzten Tagen vor der Wahl nochmals zulegen – die beiden Kandidaten liegen nur wenige Prozentpunkte auseinander.

2. Das Marina-Phänomen: Medien und Marktforschungsunternehmen gestalten den Wahlkampf mit – und können weit danebenliegen.

Schon der erste Wahldurchgang Anfang Oktober war eine Überraschung. Niemand hätte geglaubt, dass Aécio Neves überhaupt den ersten Durchgang übersteht. In den Umfragen lag er weit abgeschlagen auf dem dritten Platz. Stattdessen hatte sich ein Frauen-Duell um die Macht im Land abgezeichnet: zwischen Dilma Rousseff und der ehemaligen Umweltministerin Marina Silva, der im Vorfeld große Chancen eingeräumt wurden. Silva selbst war erst durch einen Schicksalsschlag zur Kandidatin geworden – als Eduardo Campos, der eigentliche Kandidat der Sozialistischen Partei Brasiliens (PSB) bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Doch es war Marina Silva, die ehemalige Kautschukpflückerin, die zwar eine Geschichte, aber keine konsistenten politischen Ideen präsentieren konnte, die ausschied – Aécio Neves konnte unerwartet mit 34 Prozent der Stimmen punkten, während Rousseff etwa 41 Prozent auf sich vereinte. Marina Silva war auch ein mediengemachtes Phänomen: Vor allem von internationalen Medien wurde sie zur Hoffnung Brasiliens hochgeschrieben: obwohl es viel Kritik an Silva gab, die im Wahlkampf ihre ehemaligen politischen Meinungen aufgab, für viele zu wenig politische Erfahrung aufwies, von der man nicht wusste, für welche Politik sie eigentlich steht.

Auch die brasilianischen Medien mischten im Wahlkampf mit, sie schrieben Kandidaten hoch und herunter, lancierten Gerüchte im Vorfeld der Wahlen – so grub eine Zeitung in Archiven ein älteres Interview mit dem jungen Aécio aus, der sagte, er habe sein Bett noch nie selbst gemacht. Auch die Zahlen der politischen Marktforschungsunternehmen sind mit Vorsicht zu genießen: Die Washington Post kritisiert, dass bei nur vier brasilianischen Instituten, die die Wahlumfragen erstellen, ein “gesunder Wettbewerb” fehlt, der Verzerrungen verhindert. 

3. Den Wunschkandidaten gibt es nicht. 

Viele werden an diesem Sonntag nicht ihren Wunschkandidaten, sondern das kleinere Übel wählen. Denn der Wunsch nach Wandel ist groß, doch es ist unklar, wer das Land tatsächlich positiv verändern kann. Die Beliebtheit von Dilma Rousseff in Brasilien ist durch die WM, aber auch durch die Wirtschaftsentwicklung, die Inflationsrate in den letzten Jahren gesunken – zudem ist von ihr, der amtierenden Präsidentin, der große Wandel eher nicht zu erwarten. Ihre Arbeiterpartei PT ist inzwischen zwölf lange Jahre an der Macht.

Selbst Brasiliens Arme, die eine wichtige Wählermasse darstellen, sind gespalten: Auch Favelabewohner wünschen sich Veränderung. Andererseits: Aécio Neves, Sohn einer Mehrgenerationen-Politikerfamilie und Playboy, verkörpert eher das Establishment und Unternehmerinteressen als die Verringerung sozialer Ungleichheit. Brasiliens ist sich uneins: Die Fronten ziehen sich quer durch Familien, auch quer durch die Favelas.

 4. Jede Partei hat versucht, den Herausforderer als das größere Übel darzustellen – mit einer politischen Schlammschlacht. Selbst Nazi-Vergleiche fehlten nicht.

Beide Lager, inklusive der Medien, haben sich vor allem in den letzten Tagen eine Schlammschlacht geliefert. Das brasilianische Magazin “Veja” hatte am Freitag vor der letzten öffentlichen TV-Duell den Vorwurf lanciert, dass Dilma Rousseff über Korruption und Geldwäsche beim staatlichen Energiekonzern Petrobras Bescheid gewusst haben soll.

Aécio Neves wurde zuvor als Kokser dargestellt. Ex-Präsident Lula, der Dilma Rousseff unterstützt, verglich die politischen Angriffe von Aécio Neves und seiner Anhänger im Nordosten mit dem “intoleranten” Vorgehen der Nazis im Zweiten Weltkrieg – Aécio Neves erinnerte der Wahlkampf der Arbeiterpartei PT an die Propaganda von Joseph Goebbels im nationalsozialistischen Deutschland.

5. Brasilianer müssen wählen – doch Protestwähler und gekaufte Stimmen verzerren das Ergebnis.

In Brasilien ist Wählen Pflicht – und bei 143 Millionen stimmberechtigten Brasilianern wird es wieder eine Vielzahl ungültiger Stimmabgaben geben, sowie gekaufte Stimmen. Am Tag des ersten Wahldurchgangs Anfang Oktober hatten Helfer von Abgeordneten etwa im Bundesstaat Maranhão Beutelchen mit kleineren Summen verteilt, um Wähler kurz vor dem Gang zur Urne zu beeinflussen.

Stimmenkauf hat auch in den Favelas eine lange Tradition. Kriminelle Gruppen kontrollieren, wer in den bevölkerungsreichen Armenvierteln Wahlwerbung betreiben darf und die Stimmen erhält. So wurden auch mehrere Politiker im Vorfeld des ersten Wahldurchgangs daran gehindert in Favelas wie der Rocinha Wahlplakate aufzuhängen oder Wahlkampfveranstaltungen abzuhalten.

 

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Complexo do Alemão: Zwei Teenager erschossen

Von “Befriedung” kann man im von der Polizei besetzten Favelakomplex Complexo do Alemão im Norden von Rio nicht sprechen. Heute Abend kam es erneut zu Schießereien.

In den sozialen Netzwerken schicken Favelabewohner Traueranzeigen der getöteten Jugendlichen (Screenshot: Facebook)

In den sozialen Netzwerken schicken sich Favelabewohner Traueranzeigen der getöteten Jugendlichen zu (Screenshot: Facebook)

Bei einer Patrouille kurz vor acht Uhr stießen Polizisten auf Mitglieder der Drogengang, bei dem Schusswechsel wurde ein Polizist in den Kopf geschossen. Er befindet sich mit schweren Verletzungen im Krankenhaus wie das Nachrichtenportal G1 berichtet.

Favelabewohnern zufolge sind heute Abend aber auch zwei Teenager von der Polizei erschossen worden. Einer der Jungen wurde in einem Imbiss getötet, in einer Gegend, in der sich die Drogenbanden häufig aufhalten. Die großen Medien berichten bisher nichts vom Tod der Jugendlichen.

Erst in der vergangenen Woche war ein Jugendlicher von der Polizei erschossen worden. Seit Jahresbeginn ist es zwischen Polizei und Mitgliedern der Drogengang im Complexo do Alemão zu mehr als 80 Zusammenstössen gekommen.

Blutige Nacht mit drei Toten

Update: Der verletzte Polizist, der bald seinen 31. Geburtstag gefeiert hätte, ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Die beiden erschossenen Jugendlichen wurden nur 15 beziehungsweise 17 Jahre alt. Das Nachrichtenportal “O Globo” hat inzwischen mit einem Artikel nachgezogen. Ein weiterer junger Mann wurde angeschossen, ebenso ein weiterer Polizist verletzt. “O Globo” spricht in Bezug auf die beiden Jugendlichen von “Verdächtigen”, Familie und Freunde dementieren in den sozialen Netzwerken, dass sie Verbindungen zu den Drogengangs hatten. Die Favelabewohner diskutieren das Geschehen kontrovers. “Unabhängig davon, wer oder was sie waren, es sind trei Tote mehr! Ein sinnloser Krieg ohne Ende…”, so eine Favelabewohnerin.

Debatte vor der WM: Medien International Brasilien

Helena Ferro de Gouveia, Projektmanagerin für Lateinamerika der DW Akademie, die brasilianische Journalistin Luciana Rangel (Veja, O Globo), und Julia haben heute auf Einladung von DW Akademie und ARD-Hauptstadtstudio die Situation in Brasilien, die Arbeitsbedingungen für Journalisten, die politischen Entwicklungen rund um die WM, Proteste und die Entstehung neuer Medienformate diskutiert.

Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: Sonja Peteranderl)

Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: Sonja Peteranderl)

Die Deutsche Welle hat die Debatte hier zusammengefasst – and there`s also an English article covering the debate on “Powerful media companies and alternative media”.

“Als schwierig schätzt auch Julia Jaroschewski die Sicherheitslage für Journalisten in Brasilien ein. “Gefährlich ist es allerdings nur da, wo man sich nicht auskennt.” Die Journalistin berichtete bereits mehrfach aus Brasilien und lebte während ihrer Aufenthalte in einer Favela. “Ich selbst trage – anders als viele brasilianische Kollegen – keine Schutzweste.” Wenn Journalisten derart aufträten, sei dies aus ihrer Sicht eher eine Provokation als ein Schutz. “Mir ist es wichtig, dass ich das Vertrauen der Menschen gewinne. Das gelingt mir nicht, wenn ich mich von ihnen abgrenze.”

ARD HSB

Interview: Favelawatchblog bei Funkhaus Europa

Marius Zekri von Funkhaus Europa hat Julia zur Veränderung der Favelas in Rio vor der Fußball-WM interviewt.

Funkhaus Europa

“Brasilien schmückt sich für die größte Fußball-Party der Welt. Unterdessen eskaliert in den Armenvierteln Brasiliens, den Favelas, in denen Millionen Brasilianer leben, weiterhin die Gewalt. Die Journalistin Julia Jaroschewski hat in einer Favela in Rio gelebt und darüber einen Blog geschrieben.”