#FavelasOnline: BuzzingCities bei der Social Media Week

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Bei der Social Media Week Berlin haben wir darüber gesprochen, wie die Digitalisierung die Favelas und politische Partizipation und Protest verändert.

“Mit Social Media wie Facebook, Twitter und Blogs wird transparenter, was in den Favelas geschieht. Das Netz erleichtert Bewohnern die Verbreitung und den Zugang zu Informationen und die Mobilisierung, etwa zu Protesten. Auch die Besetzung von knapp 200 Favelas vor den Großereignissen WM und Olympia durch die Polizei wird kontrovers diskutiert – und Favelabewohner warnen sich in den sozialen Netzwerken vor Schießereien zwischen Drogengangs und Polizei, suchen nach Verschwundenen oder denunzieren Menschenrechtsverletzungen, Kriminalität oder riskante Baustellen und Löcher in den Straßen.

Die Veranstaltung soll vermitteln wie informelle Siedlungen wie Favelas mit sozialen Medien eine stärkere Präsenz im urbanen Raum und auch einen größeren Einfluss auf politische Entscheidungen erreichen können. Die Auslandsreporterinnen Julia Jaroschewski und Sonja Peteranderl haben für das Multimedia-Projekt BuzzingCities seit 2011 zahlreiche Interviews in den Favelas von Rio geführt. Sie leben und arbeiten immer wieder in der Favela Rocinha, der größten Favela von Rio, bloggen und twittern live aus der Favela und haben mit dem Favelawatchblog (@buzzingcities) auch das Geschehen in Rios Favelas vor und während der Fußball-WM verfolgt.”

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Netzwerk Recherche: Digitalisierung der Favelas

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Bei der Netzwerk Recherche-Konferenz haben wir von Alltag und Arbeit in den Favelas von Rio, der militärischen Besetzung und Befriedungsstrategie vor der WM und der Digitalisierung der Favelas berichtet.

Quentin Lichtblau und Theresa Möbus haben die Veranstaltung in dem Text “”Die “Stadt in der Stadt” geht online” dokumentiert. Und Ofelia Harms Arruti hat uns interviewt und für die Deutsche Welle darüber geschrieben, wie Favelas ins Internet kommen (“Wie kommt der Slum ins Internet?”).

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Costa Ricas Fußballwunder im Radio

Es war ein Fußball-Krimi. Das kleine Costa Rica spielte gegen Griechenland. Ausgleich in der Nachspielzeit, Verlängerung und dann Elfmeter-Schießen. Und wir hatten weder Fernseher noch ausreichend schnelles Internet hier in unserer Favelawohnung in der Rocinha.

Deswegen setzten wir auf unser Oldschool-Radio – wie das klingt, seht Ihr hier:

“Das Filter”-Interview: „Politik, Polizei und Drogengangs sind miteinander verflochten“

Das Kulturmagazin “Das Filter” hat uns interviewt, über die Favelas, die Besetzung, und popkulturelle Trends, die aus der Favela kommen:

“Die WM in Brasilien ist im vollen Gange. Frenetische Fans und beste Samba-Laune markieren die hiesige Berichterstattung. Zwar wird ab und dann oberflächlich über Proteste abseits der Großveranstaltung berichtet, aber was passiert genau in den Favelas? Die Journalistinnen Julia Jaroschewski und Sonja Peteranderl berichten live aus den noch immer von Drogengangs beherrschten Gebieten Brasiliens. Sie zeigen, dass Gewalt auch während des Turniers ein alltägliches Thema ist. Erst gestern starben bei blutigen Schießereien im Complexo do Alemão zwei Teenager und ein Polizist. Die großen Medien berichteten bisher nichts vom Tod der beiden Jungen. Wie die Stimmung in Brasilien wirklich ist und ob die Favelas durch mehr Polizeipräsenz wirklich sicherer geworden sind, erklären sie uns in diesem ausführlichen Interview. Sie zeigen aber auch, dass Favelas mehr sind als Drogen, Kampf und Gewalt. Denn, und das wissen nur wenige: Hier entstehen auch die wahren Trends der brasilianischen Popkultur.”

Das Filter

“Das Internet ist kaputt”

Nach der Euphorie gestern und dem Sieg Brasiliens zum WM-Auftakt ist der Alltag heute in die Favela zurückgekehrt: Die Spiele flimmerten zwar in allen Bars, aber die Straßen waren voll wie immer, die Läden waren wieder geöffnet, die Favela brummt wieder und alle beschäftigen sich wieder mit den Angelegenheiten und Problemen abseits des Spielfeldes. Wir auch.

Besseres zu tun als WM (Foto: BuzzingCities)

Besseres zu tun als WM (Foto: BuzzingCities)

Heutige Mission: mobiles Internet kaufen. Flatrates oder Prepaid-Pakete fürs Mobiltelefon sind zwar günstig, doch auf Ausländer wartet mindestens eine Hürde, die Stunden kosten kann. Egal ob bei Flugbuchung, Anmeldung zum Marathon oder im Telefon-Shop – fast überall ist in Brasilien die Angabe des “CPF” (Cadastro de Pessoas Físicas) erforderlich, einer Bürger-ID. Temporär in Brasilien lebende Ausländer haben aber keine. Dass sie möglicherweise auch Flüge buchen oder Handys kaufen, wurde nicht bedacht.

Meistens läuft es dann so, dass Gringos sich die ID eines Bekannten geben lassen oder sich eine Nummer von irgendwelchen Unbekannten aus dem Internet ergoogeln – oder Verkäufer sich erbarmen und ihren CPF eintragen.

Verkäufer #1 meinte aber, irgendeinen (oder seinen) CPF eintragen könne er leider nicht – wir seien hier schließlich nicht bei xx (Konkurrenzanbieter). Aber es würde auch mit einem deutschen Reisepass funktionieren. Verkäufer #2 stellte eine Dreiviertelstunde später fest, dass die Reisepassnummer doch nicht als Ersatz funktioniert. Und trug einige Zeit später doch seine eigene Nummer, sowie seine komplette Adresse ins System ein. Das Internet ließ sich trotzdem nicht aktivieren – inzwischen hatte auch #2 keine Lust mehr. Und meinte, das Internet sei gerade in Rio ausgefallen, wir sollten später wiederkommen.

Debatte vor der WM: Medien International Brasilien

Helena Ferro de Gouveia, Projektmanagerin für Lateinamerika der DW Akademie, die brasilianische Journalistin Luciana Rangel (Veja, O Globo), und Julia haben heute auf Einladung von DW Akademie und ARD-Hauptstadtstudio die Situation in Brasilien, die Arbeitsbedingungen für Journalisten, die politischen Entwicklungen rund um die WM, Proteste und die Entstehung neuer Medienformate diskutiert.

Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: Sonja Peteranderl)

Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: Sonja Peteranderl)

Die Deutsche Welle hat die Debatte hier zusammengefasst – and there`s also an English article covering the debate on “Powerful media companies and alternative media”.

“Als schwierig schätzt auch Julia Jaroschewski die Sicherheitslage für Journalisten in Brasilien ein. “Gefährlich ist es allerdings nur da, wo man sich nicht auskennt.” Die Journalistin berichtete bereits mehrfach aus Brasilien und lebte während ihrer Aufenthalte in einer Favela. “Ich selbst trage – anders als viele brasilianische Kollegen – keine Schutzweste.” Wenn Journalisten derart aufträten, sei dies aus ihrer Sicht eher eine Provokation als ein Schutz. “Mir ist es wichtig, dass ich das Vertrauen der Menschen gewinne. Das gelingt mir nicht, wenn ich mich von ihnen abgrenze.”

ARD HSB

Sorry, Neymar: Der inoffizielle WM-Song

Katerstimmung vor der Fußball-WM in Brasilien: Der Frust vieler Brasilianer ist groß, Datafolha zufolge lehnen 80 Prozent der Befragten die Fußball-WM in Brasilien gerade ab – vor allem, weil Milliarden in Stadien und andere WM-Vorbereitungen fließen, während das Geld im Bildungs- und Gesundheitssektor, bei der Sanierung der Favelas oder im öffentlichen Transport fehlt.

Der Musiker Edu Krieger hat dieses Gefühl nun in seinem Song “Desculpe Neymar” (Tut mir leid, Neymar) beschrieben, der jetzt schon ein inoffizieller WM-Titelsong ist und sich über soziale Netzwerke rasant verbreitet. Am Anfang des Tracks wird eine Begrüßung des brasilianischen Superkickers Neymar eingespielt, der die Welt in Brasilien zur WM willkommen heißt  – Edu Krieger besingt danach die Gründe, warum er diesmal nicht für Neymar (und die WM) applaudieren wird.

That would also be the conclusion drawn from a song released by respected Rio musician Edu Krieger, which has become an internet success. In Desculpe Neymar (sorry Neymar), Krieger expresses that on this occasion he will not be cheering on Brazil’s poster boy and his team-mates. “We can’t be real champions,” he sings, “spending more than 10 billion…we have beautiful and monumental stadiums while schools and hospitals are on the verge of collapse.”

Accompanied just by his guitar, the song is rooted in sorrow rather than anger. “I’ve always been a fan of the national team,” he explained in an interview, “but I don’t feel comfortable supporting the side this time.

“I think the way we’ve organised the World Cup could not have been worse, especially bearing in mind what was promised and what has in fact been done. This song is a lament that I don’t feel the enthusiasm I’d like to have in relation to the event.”
Read more at http://www.worldsoccer.com/world-cup-3/brazil-world-cup-discontent#lsDgPqRs0pt0MwcT.99

That would also be the conclusion drawn from a song released by respected Rio musician Edu Krieger, which has become an internet success. In Desculpe Neymar (sorry Neymar), Krieger expresses that on this occasion he will not be cheering on Brazil’s poster boy and his team-mates. “We can’t be real champions,” he sings, “spending more than 10 billion…we have beautiful and monumental stadiums while schools and hospitals are on the verge of collapse.”

Accompanied just by his guitar, the song is rooted in sorrow rather than anger. “I’ve always been a fan of the national team,” he explained in an interview, “but I don’t feel comfortable supporting the side this time.

“I think the way we’ve organised the World Cup could not have been worse, especially bearing in mind what was promised and what has in fact been done. This song is a lament that I don’t feel the enthusiasm I’d like to have in relation to the event.”
Read more at http://www.worldsoccer.com/world-cup-3/brazil-world-cup-discontent#lsDgPqRs0pt0MwcT.99

Kein Wifi während der WM

Selfies im Fußballstadion machen und mal schnell über Twitter und Facebook in die Welt streuen – das wird während der WM in Brasilien nicht bei allen Spielen möglich sein, zumindest nicht mit dem offiziellen WM-Wifi. An einigen brasilianischen WM-Schauplätzen gibt es Probleme mit dem Wifi-Zugang, wie der Kommunikationsminister Paulo Bernardo am Mittwoch zugeben musste.

Nur in der Hälfte der Städte funktioniert das Netz: “In sechs Stadien wird der Service verfügbar sein, in den anderen nicht. Auch wenn nun Verträge zur Einrichtung von drahtlosen Internetzugang unterzeichnet werden, reicht die Zeit nicht aus, um eine gute Servicequalität zu gewährleisten”, so der Minister.

Fußballfans müssen etwa im Itaquerão in São Paulo, in dem das Eröffnungsspiel stattfinden wird, aber auch in den Städten Curitiba und Belo Horizonte (eine Stadt, die sich als das neue Silicon Valley Brasiliens präsentieren möchte) auf Wifi im Stadion verzichten.

Twitter

Kampagne gegen Polizeigewalt

Nach dem Tod des jungen Tänzers “DG”, der bei einer Schießerei zwischen Polizei und Drogengang getötet und möglicherweise von Polizisten umgebracht wurde, protestieren Favelabewohner jetzt in sozialen Netzwerken gegen die Gewalt: “Ich verdiene es nicht, ermordet zu werden”, ist die Botschaft, die sie virtuell verbreiten, etwa auf Facebook, Twitter und Instagram. Die Social Media-Kampagne soll Solidarität mit dem getöteten “DG” ausdrücken und gibt jungen Favelabewohnern, die in der Öffentlichkeit oft als Kriminelle wahrgenommen werden, ein Gesicht.

Rene Silva Bildschirmfoto 2014-04-27 um 00.17.30

Cyberattacken zur WM

Hacker des internationalen “Anonymous”-Kollektivs haben Cyberattacken angekündigt: als Protest gegen die Fußball-WM. Ziele könnten FIFA, Regierungswebseiten sowie Onlinepräsenzen von Unternehmen sein, die als WM-Sponsoren auftreten. 2012 hatte “Anonymous” während der Operation #OpWeekPayment Webseiten brasilianischer Banken lahmgelegt. Während der brasilianischen Massenproteste im vergangenen Sommer hatten digitale Aktivisten auch Regierungsseiten attackiert.

Die WM ist selbst im fußballverrückten Brasilien umstritten und wird von vielen als Millionenverschwendung betrachtet, von der nur wenige profitieren. Immer wieder kommt es zu Protesten, bei denen Fahrpreiserhöhungen, Korruption, Budgetmangel im Bildungs- und Gesundheitssektor, die soziale Kluft sowie die prekäre Situation in den Favelas und die Polizeigewalt kritisiert werden.

Digitale Angriffe

Brasilien muss sich zur WM-Zeit sowohl auf Proteste auf den Straßen als auch auf digitale Angriffe vorbereiten. 2011 hat die Regierung das militärische Cyberabwehrzentrum “Centro de Defesa Cibernética (CDCyber)” eingerichtet. Etwa 100 Experten der brasilianischen Streitkräfte beschäftigen sich im Cyberzentrum in Brasília mit Cybersicherheit und spielen Cyberwar-Szenarien durch.

Wir bloggen nur - Hacker setzen zur WM auf digitale Attacken (Foto: BuzzingCities)

Wir bloggen nur – Hacker setzen zur WM auf digitale Attacken (Foto: BuzzingCities)

Zum Einsatz kamen die Experten erstmals als Überwachungsteam beim UN-Gipfel Rio+20 im Juni 2012, sie sollen auch die digitale Sicherheit während Großveranstaltungen wie der Fußball-WM in Brasilien 2014 und Olympia 2016 garantieren und Hackerangriffe auf Regierungsbehörden abwehren.

“Brasilien hat viel getan, um die Cybersicherheit für die WM zu verbessern – aber hinsichtlich Cybersicherheit kann es nie genug Maßnahmen geben”, sagt Dmitry Bestuzhev, der Lateinamerika-Experte der IT-Sicherheitsberatung Kaspersky. Und selbst wenn die Regierung gut genug vorbereitet sei, bedeute dies noch nicht, dass alle Privatfirmen ausreichend gerüstet seien.

Imageschäden zur Fußball-WM

Der IT-Experte hält das Risiko für erfolgreiche Cyberattacken für “sehr hoch”. “Viele werden DDos-Angriffe sein, die Webseiten blockieren”, so Bestuzhev. Wenn Unternehmenswebseiten den Kunden nicht zur Verfügung stehen, kann das zu Unzufriedenheit und erheblichen Imageschäden führen, gerade zur WM.

Auch andere Hackangriffe und Defacing-Attacken, bei denen die Angreifer Webseiten verändern und dort etwa eigene Botschaften platzieren, können die Reputation von Unternehmen gefährden – vor allem bei Firmen, die ihren Kunden und WM-Besuchern während des Großereignisses höchste Sicherheit versprechen.