Attacken auf Polizisten

Am Sonntag sind bei mehreren Attacken in verschiedenen Favelas von Rio de Janeiro erneut Polizisten angeschossen worden – einer starb, sechs Polizisten wurden verletzt.

Die Angriffe ereigneten sich in den Favelas Morro dos Macacos in Vila Isabel, auf der Ilha do Governador, in Vila Cruzeiro und in Irajá. In den meisten Fällen waren die Verletzungen Folge von Schießereien zwischen Polizei und Gangs – es passiert oft, dass Gangs und Polizei bei Patrouillen in den Favelas aufeinanderstoßen.

Ungewöhnlicher ist der Anschlag auf zwei Polizisten der UPP Mangueira, die sich nach Dienstschluss auf dem Heimweg befanden: Sie wurden gezielt von zwei Männern, die auf einem Motorrad unterwegs waren, angeschossen. Einer der Polizisten starb, einer wurde schwer verletzt.

Allein im Jahr 2014 sind in Rio de Janeiro bisher 74 Polizisten getötet worden.

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Aufstand im Gefängnis

Bei einer blutigen Revolte in einem Gefängnis im brasilianischen Bundesstaat Paraná sind Sonntagnacht mindestens vier Menschen getötet worden – zwei Menschen wurden geköpft, zwei vom Dach der Haftanstalt in Cascavel gestoßen. Dutzende wurden verletzt.

Bei der morgendlichen Essensausgabe war es Häftlingen gelungen, Wärter zu überwältigen – zwei Wärter wurden als Geiseln genommen, die Situation geriet völlig außer Kontrolle. Mehr als 1000 Insassen sollen an dem Aufstand beteiligt gewesen sein. Die Häftlinge sollen für bessere Haftbedingungen protestiert haben – sie verbrannten Decken, stiegen auf das Gefängnisdach und schrien Parolen wie: “Menschenwürde”.

Brasiliens Gefängnisse haben einen schlechten Ruf: Viele sind überfüllt, sie werden von organisierten Banden kontrolliert, immer wieder finden Aufstände und Massaker statt – durch Sicherheitskräfte oder bei Kriegen zwischen verfeindeten Banden.

Bei dem Aufstand am Sonntag hielten Häftlinge Transparente mit der Aufschrift “PCC” in die Luft – vermutlich wurde der Aufstand von der kriminellen Organisation Primeiro Comando da Capital (PCC) organisiert. Die Organisation hat bereits in der Vergangenheit in Gefängnissen Aufstände organisiert – um für ihre Mitglieder bessere Haftbedingungen durchzusetzen, dem Staat etwa als Vergeltungsschlag für die Festnahme von PCC-Mitgliedern eine Machtdemonstration zu liefern oder um im Chaos Rivalen oder in Ungnade gefallene Mitglieder zu töten.

UPP in der Krise: Kampf um die Favelas

Die UPP-Einheiten sollten den Favelas den Frieden bringen, doch kurz vor der WM zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Besetzungsstrategie vor allem in den größeren Communities wie Complexo do Alemão, Penha und in der Rocinha alles andere als erfolgreich verläuft.

Die Besetzungsstrategie sieht eigentlich vor, dass Favelas zuerst militärisch eingenommen werden, in einem zweiten Schritt sollen sogenannte UPP-Polizisten dauerhaft in den Favelas stationiert werden, die eigentlich leichter bewaffnet und bevölkerungsnah auftreten sollen. Doch am vergangenen Samstag mussten die BOPE-Spezialeinheiten die Favelasiedlungen Complexo do Alemão und Complexo da Penha erneut militärisch besetzen, jetzt sollen dort bis zu 300 BOPE Präsenz zeigen.

Ende 2010 hatten Militärs und Polizisten den Complexo do Alemão gestürmt, mehrere Menschen starben damals bei den Schusswechseln zwischen Drogengang und staatlichen Sicherheitskräften. In den vergangenen Monaten hatten sich Auseinandersetzungen zwischen Drogengangs und UPP zugespitzt. In vielen von der UPP besetzten Favelas treten die Gangs pünktlich vor der WM wieder selbstbewusst in Erscheinung, wollen ihr Terrain zurückerobern, in mehreren Favelas haben sie bereits No-Go-Zonen etabliert, die von der Polizei nicht mehr betreten werden. Im vergangenen Monat sind vier UPP-Polizisten von Drogengangs ermordet worden.

Außerdem ist das Ansehen der Polizei bei der Favelabevölkerung durch Folterskandale wie in der Rocinha und hartes Vorgehen gegen Demonstrierende geschwächt. Im Complexo do Alemão war es in der vergangenen Woche zu Protesten und Auseinandersetzungen zwischen Favelabewohnern und Polizei gekommen – nach der Ermordung eines UPP-Polizisten waren mehrere Verdächtige festgenommen worden, den Favelabewohnern zufolge auch Unschuldige.

Nun soll nationales Militär den Sicherheitskräften in Rio de Janeiro zur Hilfe kommen. Und die UPP hat ein hartes Vorgehen gehen die Drogengangs angekündigt.

Schocktruppe am Eingang der Rocinha (Foto: BuzzingCities)

Schocktruppe am Eingang der Rocinha (Foto: BuzzingCities)