Big Brother Brasil: Neue Folge im brasilianischen Polizeiskandal

Big Brother Brasil versetzt Brasilien in Aufruhr. Die Kandidaten sind nun in das BBB15-Haus eingezogen, einige Bewohner und Bewohnerinnen aus den Favelas von Rio ärgern sich, dass sie es nicht selbst in die Endauswahl geschafft haben – und zahlreiche schreiben sich zumindest auf der Onlineplattform „BigBrother Fake“ als Kandidaten ein.

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Überraschend hat sich Big Brother Brasil aber auch in eine neue Folge des brasilianischen Polizeiskandals verwandelt. Der 23-jährige Kandidat Luan Patrício hatte kurz nach seinem Einzug vor laufender Kamera erzählt, dass er während seiner Zeit als Soldat im Favela-Komplex Complexo do Alemão einen Minderjährigen erschossen hatte.

„Ich glaube, dass er jünger war als ich, ich war 19, er muss ungefähr 16 gewesen sein“, so Luan. „Mein Vorgesetzer hat mich angesehen und gesagt: “Entweder du oder er.” Das brasilianische Militär will nichts davon wissen, dass Luans Einheit einen Favelabewohner erschossen hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass staatliche Sicherheitskräfte in den Favelas einen Menschen getötet hätten, der Mord aber vertuscht wurde. Das Geständnis hat Folgen: Luan erwartet in Kürze Polizeibesuch im Big Brother Haus – er soll zu dem Vorfall befragt werden.

BBB15-Kandidat Luan

Drogenkrieg in der Rocinha

In der Rocinha läuft der Drogenhandel weiter, obwohl die Befriedungspolizei (UPP) in der Favela präsent ist und der Boss “Nem” 2011 verhaftet wurde – eine Polizeioperation am Wochenende hat zu mehr als 30 Festnahmen geführt und will ein “Blutbad” verhindert haben.

Antônio Francisco Bonfim Lopes, von allen nur “Nem” genannt, wurde im November 2011 festgenommen, als er versuchte im Kofferraum eines Autos versteckt aus der Rocinha zu flüchten – doch der Drogenboss der Rocinha, der der Gang “Amigos dos Amigos” angehört, wurde bei einer Polizeikontrolle entdeckt und verhaftet. Jetzt steuert er die Geschäfte vom Gefängnis aus.

Der Drogenhandel in der Rocinha läuft weiter, obwohl Polizisten der Befriedungspolizei (UPP) seit der Besetzung der Rocinha Ende 2011 dauerhaft in der Favela stationiert sind. Am Samstag gegen 22.00 Uhr drangen nun 300 Polizisten und UPPs im Rahmen der Operation “Paz Armada” in die Rocinha ein, um 58 Verdächtige festzunehmen. Der Polizei zufolge waren die am Drogenhandel beteiligten Zielpersonen durch telefonische Überwachung und das Monitoring sozialer Netzwerke identifiziert worden – zudem sollte mit der Operation ein “Blutbad” innerhalb der Rocinha verhindert werden. Continue reading

Polizei auf Patrouille

Werden wir in Kürze auch direkt vor unserer Haustür, in den kleinen, dunklen Gängen, über Polizisten stolpern?

 

Der Staat möchte in der Rocina mehr Präsenz zeigen – als Reaktion auf die nächtliche Schießerei zwischen Polizei und Drogendealern vor ein paar Tagen werden nun alle 700 Polizisten der Friedenspolizei Unidade de Polícia Pacificadora (UPP) auf Patrouille entsandt – auch in die abseitigen Gässchen.

Bisher sicherte die Polizei vor allem die Hauptverkehrsstraße, meist stehen die UPP-ler im Doppelpack neben ihrem Polizeiauto an wichtigen Kreuzungen, teils haben wir dort auch Verkehrskontrollen miterlebt. Außerdem wurden in der Rocinha entlang der Hauptstraße vor ein paar Monaten 80 Überwachungskameras installiert, die 24 Stunden am Tag Bilder an das UPP-Kontrollzentrum in der Favela senden (es wäre sicher interessant, sich auf den Übertragungen mal anzusehen, wie wir jeden Tag mit Möbeln, Einkaufstüten den Berg hinaufschnaufen und mit welchen Blicken die Menschen hier den inzwischen alltäglichen Gringo-Trail quittieren).

Unübersichtliche Gebiete
Abseits der Hauptstraße sind wir aber bisher weder auf Kameras noch auf Polizisten gestossen. Dabei ist besonders das schwer kontrollierbare Labyrinth aus kleinen Gängen überall ein Paradies für Menschen, die sich lieber unauffällig durch die Favela bewegen wollen – wie die Drogendealer, die seit der militärischen Besetzung der Rocinha im November 2011 zwar nicht mehr mit Maschinengewehren an den Straßen stehen, ihren Handel aber trotzdem weiter betreiben. Continue reading