Favelawatchblog als Lesetipp in der Montagspost

Tim Chimoy, einer der Protagonisten der “Digitale Nomaden”-Bewegung hat unseren Favelawatchblog in seiner “Montagspost” empfohlen – ein wöchentlicher Newsletter mit interessanten Leseempfehlungen zum Weltgeschehen.

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Karnevalsparty in Rio endet in Gewalt und Schießereien

Brasilien ist im Karnevalsfieber: Alkohol, Hitze und viel Samba – das sind nicht nur Voraussetzungen für gute Partys, sondern auch für heftige Auseinandersetzungen.

Im Complexo do Alemão ist es bei einer Straßenparty in der Nacht zum Dienstag zu Schießereien gekommen. Feiernde sollen in Streit geraten seien, daraufhin hatte die Polizei den Sound ausgedreht. Es kam zu Streit und Stress zwischen den Feiernden selbst und der Polizei.

Die Polizisten setzten Tränengas ein, es wurden Schüsse von beiden Seiten abgegeben. Die Bewohner berichten von chaotischen Zuständen: “Geschrei, Schüsse und Gasbomben – es war der reinste Krieg“, sagt etwa ein Anwohner.

Chaos nach der Party (Screenshot Facebook)

Chaos nach der Party (Screenshot Facebook)

Einige der Bewohner schimpfen über die Brutalität der Polizei: “Da waren Kinder, der Polizei ist das egal, dann stirbt wieder ein Junge und alle schreien”, sagt eine Anwohnerin und wird unterstützt: “In der Südzone würde die Polizei auch nicht gleich schießen, wenn ein paar Jugendliche etwas über die Stränge schlagen,” meint J.P.

Jugendliche mit Drogen und Pistole

Wie immer gehen die Meinungen der Anwesenden auseinander: “Als ich dort war, gab es Musik, die Gewalt verherrlicht, kiffende Personen, eine aufgebrachte Menge und ich habe einen Jugendlichen mit einer Pistole gesehen. Erst als die Polizisten beworfen wurden, haben diese eingegriffen”, erzählt Anwohner W.A. Continue reading

Tod durch Querschläger

Kaum ist das Jahr der WM in Brasilien vorbei, überschlagen sich die schlechten Nachrichten. In Rio de Janeiro sind schon im Januar dieses Jahres viele Menschen durch Querschläger ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten allein in diesem Monat hat die Hälfte der Toten insgesamt von 2013 in Rio erreicht, gab das Institut für öffentliche Sicherheit heraus.

Bopes bei der Besetzung der Rocinha (Credits: BuzzingCities)

Bopes bei der Besetzung der Rocinha (Credits: BuzzingCities)

Die 21-jährige Adrienne N. starb in der Rocinha durch eine Kugel, als sie ihren einjährigen Sohn auf dem Arm trug. In Bangu im Norden Rios starb eine Vierjährige durch eine Kugel in den Kopf. Zwei Tage später wurde ein neun Jahre alter Junge beim Aussteigen aus einem Schwimmbecken in Guadalupe, ebenfalls im Norden Rios, getötet. Der 16-jährige Rafael S. erlitt einen Schulterschuss, während er einen Drachen steigen liess. Er liegt mit seinen Verletzungen noch im Krankenhaus in Penha.

Seit 2008 führt das Sekretariat für Sicherheit Statistiken über Tote und Verletze durch Querschläger. Bis 2013 zählte die Behörde 891 getroffene Personen, von denen 62 starben.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Drogenbanden werden häufig Unbeteiligte getroffen. In den Gassen der Favelas ist das Risiko, von einer solchen Kugel getroffen zu werden, groß.

Adventskalender aus der Favela

Wir wollen die Tradition des Adventskalenders auf eine etwas andere Art gestalten: Jeden Tag werden wir bis zum 24. Dezember ein neues Foto von unseren Erlebnissen, unserem Alltag oder der Arbeit in den Favelas von Rio in dieser Bildergalerie präsentieren.

In Deutschland beginnt der kalte Winter, in Rio geht es auf den Sommer zu – die Bilder laden dazu ein, das Leben auf der anderen Erdhalbkugel auch in der Weihnachtszeit zu erleben.

Leben in der Favela

 

Wir wollen über die Bedingungen und das Leben, die Erwartungen der Favelabewohner berichten, zeigen, was in den Armenvierteln passiert.

Deswegen sind wir ja hierher gezogen, weil es eben anders ist, einen oder zwei Tage oder zwei Wochen tagsüber hier vorbeizuschauen als tatsächlich die Nächte, den Alltag zu jeder Tageszeit und Witterung zu erfahren. Wir wohnen immer wieder in der Rocinha und viele fragen uns, wie wir eigentlich leben.

Wir wohnen mit den Einschränkungen, die andere Favelabewohner auch haben, dafür haben wir uns aber bewusst entschieden. Manche Bewohner leben mittlerweile hochwertiger, habe ihre Hütten ausgestattet mit TV und Küchenmaschinen, Waschmaschine und Herd, manche hausen in noch viel schlechteren Konditionen, in den Hütten aus Holz.

Wasser

Wenn das Wasser ausfällt, ist das ärgerlich, besonders wenn man einen Termin hat – keine Dusche, keine Toilette, nichts zum Abwaschen oder Kochen. Trinken kann man es eh nicht. Dieser ständige Regen draußen ist manchmal die einzige Alternative: mit Regenwasser im Waschbecken die Haare waschen. Danach ist man auch etwas geduscht, nur vollkommen unterkühlt – und drinnen ist es genauso feucht und kalt. Der Regen hat sich durch die Wände gefressen. An vielen Ecken bleibt auf dem Finger ein nasser Film, wenn man über die Mauer fährt. Die Kleidung ist klamm, die Decken zum Schlafen auch, nur die Handtücher können ein wenig hinter dem Kühlschrank an den Heizstäben trocknen. Continue reading

Bei den Freischreibern

Brafus 2014

Brafus 2014

Gestern bei den Freischreibern gewesen, und mit dem Brafus-Team und anderen freien Journalisten über Multimediaprojekte, Recherche in Brasilien und die Medienbranche gesprochen. Fazit: Wenn die Verlage blockieren, selbst losziehen und sich alternative Finanzierungsmodelle überlegen.

Tote im Complexo do Alemão

Im Complexo do Alemão in der Nordzone von Rio reißt die Gewalt nicht ab. Immer wieder ereignen sich Schießereien zwischen Drogengangs und Polizei und die Polizeipräsenz ist sehr hoch. An diesem Sonntag wurde ein 60-Jähriger angeschossen, der gerade auf dem Weg zur Arbeit war. Er starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Es ist bisher unklar, wer den Schuss abgegeben hat.

Vor ein paar Tagen wurde eine junge Frau erschossen aufgefunden – zuhause auf dem Sofa sitzend. Eine einzige Kugel, die durch die Hauswand gedrungen war, hatte sie getötet. Drogendealer hatten an einer Drogenverkaufsstelle in der Nähe mit einer Waffe herumgespielt, der Schuss hatte sich aus Versehen gelöst.

Wir waren in den vergangenen Tagen mehrmals im Complexo do Alemão unterwegs, und haben Interviews geführt – die Stimmmung ist sehr angespannt, auf Seiten von Bewohnern und Polizei.

Complexo