Mission Hochhaus

Riesenauflauf an der Rua 2 gestern Morgen, einer der Hotspots der Rocinha: Dutzende von Militärs, die die Straßenecke belagern, mit gelben Band absperren und ein Haus stürmen, während sich rundherum das Publikum sammelt. Auch ein städtischer Lastwagen ist vorgefahren. “Der wird wohl K. O. sein”, kommentiert ein Nachbar, der einen Mord vermutet.

Mission Hochhaus (Foto: BuzzingCities)

Mission Hochhaus (Foto: BuzzingCities)

Stattdessen steht das Haus selbst im Mittelpunkt der Aktion: Der Hausbesitzer, der von der Wohnungsknappheit profitieren wollte, hat an der Hauptstraße ein siebenstöckiges Favela-Hochhaus erbaut, da die Favela nur noch nach oben Raum zum Wachsen hat. Nun soll es abgerissen werden, weil es selbst für die bizarren Favela-Bauverhältnisse zu hoch ist – mit riesigem Sicherheitskräfteaufgebot.

Sieben Stockwerke aus Ziegelsteinen: Das Haus (Foto: BuzzingCities)

Sieben Stockwerke aus Ziegelsteinen (Foto: BuzzingCities)

Ein Mitarbeiter der Stromfirma Light balancierte auf einer wackeligen Leiter, um den Strom vor dem Haus zu kappen, auch die Abrisshämmer waren bereits ausgelegt. Allerdings musste das Kommando mittags wieder abziehen. Das Hochhaus war bereits bewohnt, es wäre auch zu gefährlich gewesen, ein siebenstöckiges Hochhaus bei enger Bebauung und viel Verkehr an der Hauptstraße abzureissen – oder zu zeitraubend, es Stein für Stein mit den Hammern abzutragen.

Leben in der Favela

 

Wir wollen über die Bedingungen und das Leben, die Erwartungen der Favelabewohner berichten, zeigen, was in den Armenvierteln passiert.

Deswegen sind wir ja hierher gezogen, weil es eben anders ist, einen oder zwei Tage oder zwei Wochen tagsüber hier vorbeizuschauen als tatsächlich die Nächte, den Alltag zu jeder Tageszeit und Witterung zu erfahren. Wir wohnen immer wieder in der Rocinha und viele fragen uns, wie wir eigentlich leben.

Wir wohnen mit den Einschränkungen, die andere Favelabewohner auch haben, dafür haben wir uns aber bewusst entschieden. Manche Bewohner leben mittlerweile hochwertiger, habe ihre Hütten ausgestattet mit TV und Küchenmaschinen, Waschmaschine und Herd, manche hausen in noch viel schlechteren Konditionen, in den Hütten aus Holz.

Wasser

Wenn das Wasser ausfällt, ist das ärgerlich, besonders wenn man einen Termin hat – keine Dusche, keine Toilette, nichts zum Abwaschen oder Kochen. Trinken kann man es eh nicht. Dieser ständige Regen draußen ist manchmal die einzige Alternative: mit Regenwasser im Waschbecken die Haare waschen. Danach ist man auch etwas geduscht, nur vollkommen unterkühlt – und drinnen ist es genauso feucht und kalt. Der Regen hat sich durch die Wände gefressen. An vielen Ecken bleibt auf dem Finger ein nasser Film, wenn man über die Mauer fährt. Die Kleidung ist klamm, die Decken zum Schlafen auch, nur die Handtücher können ein wenig hinter dem Kühlschrank an den Heizstäben trocknen. Continue reading