Nach uns die Sintflut

Favela in der Waschmaschine: Gerade in die Rocinha gezogen, schon beginnt in Rio de Janeiro die Regenzeit – nicht gerade der günstigste Moment, um in einer Favela zu leben.

Wilde Architektur, ohne Rücksicht auf Sicherheitsstandards, Stromkabel, die offen und ungeschützt wuchern und Berge, die dicht bebaut sind, bei Regen abrutschen können und Häuser mit sich reißen: Es gibt Orte, die zur brasilianischen Regenzeit sehr ungemütlich werden können – und wir sitzen gerade mittendrin.

In einem Teil der Favela Rocinha, bei dem die Warnung vor Erdrutschen in der Regenzeit als erstes erscheint, wenn man ihn googelt. In einem Haus, in dem wahrscheinlich über Generationen hinweg aus unzähligen Ziegelsteinen improvisorisch ein Stock auf den anderen gebaut wurde, fünf Stockwerke hoch, ein Hochhaus für Favela-Verhältnisse.

Rocinha_Hawaianas

Und die Regenzeit in Rio hat eben begonnen – für die nächsten sieben Tage ist Regen angesetzt, 10 bis 15 Millimeter pro Tag. Plastiktüten peitschen durch die engen, dunklen Gänge zwischen den Häusern, Wasser tropft die Stromkabel hinab, die sich den Berg hinunterwinden.

Auf der schmalen, steilen Betontreppe, die die Häuser trennt, spült ein Fluss jetzt den Müll, leere Bierflaschen und Chipstüten, den Hundekot, die Spuren von Hunderten von Menschen hinweg, die Tag für Tag den Berg hoch oder hinuntersteigen, spült auch die Geräusche hinweg, die sonst die Favela erfüllen, in der die Wände so dünn sind, dass jeder nicht nur sein Leben lebt, sondern die seiner Nachbarn miterlebt. Nur noch platschendes, tropfendes, fließendes Wasser, ab und zu eine Windböe, Donnern. Continue reading