Tote im Complexo do Alemão

Im Complexo do Alemão in der Nordzone von Rio reißt die Gewalt nicht ab. Immer wieder ereignen sich Schießereien zwischen Drogengangs und Polizei und die Polizeipräsenz ist sehr hoch. An diesem Sonntag wurde ein 60-Jähriger angeschossen, der gerade auf dem Weg zur Arbeit war. Er starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Es ist bisher unklar, wer den Schuss abgegeben hat.

Vor ein paar Tagen wurde eine junge Frau erschossen aufgefunden – zuhause auf dem Sofa sitzend. Eine einzige Kugel, die durch die Hauswand gedrungen war, hatte sie getötet. Drogendealer hatten an einer Drogenverkaufsstelle in der Nähe mit einer Waffe herumgespielt, der Schuss hatte sich aus Versehen gelöst.

Wir waren in den vergangenen Tagen mehrmals im Complexo do Alemão unterwegs, und haben Interviews geführt – die Stimmmung ist sehr angespannt, auf Seiten von Bewohnern und Polizei.

Complexo

300 neue Polizeiautos für die UPP

UPP: Jetzt schon etwas angeschlagen (Foto: BuzzingCities)

Ziemlich ramponiert: UPP-Einsatzwagen mit Einschusslöchern in der Favela Rocinha (Foto: BuzzingCities)

Die Befriedungspolizei UPP, die in den besetzen Favelas von Rio de Janeiro präsent ist, wird mit neuen Polizeiautos ausgerüstet. 300 mit Mobiltechnologie ausgestatteten Autos verstärken die Flotte der UPP, die bisher 567 Autos umfasste. Die neuen Einsatzautos sind außen und innen mit nachtsichtfähiger Kameratechnik ausgerüstet, GPS und Computersystemen.

Auch acht neue Panzer für den Einsatz in Favelas wurden zugekauft, die unter anderem von der Spezialeinheit Bopes bei der Besetzung von Favelas benutzt werden. Sie wurden speziell aufgerüstet, damit die Panzer blockierte Straßen räumen können – Drogengangs hatten in der Vergangenheit Straßen und Gassen mit Gegenständen gesperrt, um den Sicherheitskräften die Besetzung der Favelas zu erschweren.

“Wir sind dabei, die ganze Flotte der UPPs zu renovieren, die sehr schlecht war”, so Luiz Fernando Pezão, der Gouverneur von Rio de Janeiro. Tatsächlich sehen viele Autos der UPP ramponiert aus, sind eingedellt, teilweise voller Einschusslöcher, einige Autos wurden auch durch Steinwürfe demoliert.

Die UPP in Cidade de Deus wird 20 neue Autos erhalten, die Favela Rocinha 18 und das Complexo do Alemão 49. Sowohl in der Rocinha als auch im Complexo do Alemão kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen Polizei und Drogengangs, was den Bedarf an neuer Polizeiausrüstung erklärt. Die Region Grande Tijuca, in der die Favelas Borel, Formiga, Salgueiro, Macacos, Andaraí und Turano liegen, erhält 35 neue Autos.

Dreijähriger von Querschlägern getötet

Luís Felipe schlief noch, als er am Mittwochmorgen von einem Querschläger in den Kopf getroffen wurde. Ärzte konnten nur noch den Tod des Dreijährigen feststellen, als seine Eltern ihn zur Gesundheitsstation brachten.

Bei einer Schießerei zwischen Polizei und Mitgliedern von Drogengangs in Costa Barros im Norden von Rio de Janeiro waren auch Kugeln in das Haus der Eltern von Luís Felipe eingedrungen. Zwei weitere Personen wurden angeschossen, überlebten aber. In den Favelas von Rio werden bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Drogengangs oder zwischen rivalisierenden Gangs immer wieder Unbeteiligte von Querschlägern getötet.

Etwa 300 Anwohner protestierten nach dem Tod des Jungen, versuchten Busse anzuzünden und legten den Verkehr auf der Straße Estrada de Botafogo lahm.

Schießereien in der Favela, Proteste im Zentrum 

Es klang, als ob Häuser am Hang abrutschen oder wie ein Steinschlag – doch es waren Salven verschiedener Kaliber, die ohne Pause durch die Favela hallten. An mehreren Orten in der Rocinha  wie Valão, Cachopa, Boiadeiro, Rua 2, Rua 4, vermutlich auch Vila Verde kam es heute Nacht wiederholt zu längeren Schießereien, so heftig wie schon lange nicht mehr.

Im Valão am Fuß der Rocinha sind die Straßen und Gassen wie leergefegt, dort fanden die heftigsten Schusswechsel statt. Informationen aus den sozialen Netzwerken zufolge waren Soldaten der Spezialeinheit BOPE dort etwa vor einer Stunde unterwegs und haben sich dann Richtung Rua 4 hochbewegt.

Da die Schusswechsel an mehreren Orten gleichzeitig stattfanden,  und Polizisten der UPP zufolge von Drogendealern überrascht wurden, scheint es eine abgestimmte Operation der Drogengang gewesen zu sein.

Proteste im Zentrum
Auch in der Lapa in der Innenstadt war die Stimmung angespannt, wenn auch in einem ganz anderen Kontext. Zum Jahrestag der Sozialproteste vom vergangenen Jahr hatten heute in Rio Beobachtern zufolge etwa 1000 Menschen protestiert und sich unter die Touristen und Feiernden gemischt, die auf der Partymeile unterwegs waren.

Die Polizei hat wieder Tränengas eingesetzt, mehrere Personen wurden festgenommen. Einige Bars haben die Türen mit den Gästen im Inneren abgesperrt.

In den sozialen Netzwerken wurde heute auch an Rafael Vieira erinnert, den einzigen, der bei den Sozialprotesten im vergangenen Jahr festgenommen wurde – und der bis heute im Gefängnis sitzt. Dem 25-jährigen warfen die Sicherheitskräfte vor, brennbare Reinigungsmittel dabeigehabt zu haben, die sich zu Sprengstoff umfunktionieren lassen.

Im Gefängnis seit einem Jahr: Rafael Vieira

Im Gefängnis seit einem Jahr: Rafael Vieira

Die Kritik an der Festnahme von Vieira war immer wieder, dass er nur wegen seines Aussehens und sozialen Status im Gefängnis landete: ein schwarzer, junger Mann, crackabhängig.

Mars da Favela: “Crystals not Pistols”

Als die australische Rapperin und Schmuckdesignerin Mars Castro 2010 zum ersten Mal nach Rio kam, verknallte sie sich – in Rio und einen jungen Mann aus der Favela Rocinha. Sie ließ sich von lokaler Kultur und der Drogengang inspirieren – und verwandelt jetzt Munition in tragbare Kunst. In English, please.

"Crystals not Pistols (Foto: Mars da Favela)

“Crystals not Pistols (Foto: Mars da Favela)

Was hattest du für eine Vorstellung von Favelas, bevor du Rocinha besucht hast? 

Das Einzige, was ich über Favelas wusste, war, dass es dort Baile Funk und Funk-Partys gibt. Ich bin Rapperin und bin nach Brasilien gekommen, um mit DJ Marlboro zu arbeiten. Aber er hängt nicht in den Favelas herum, er ist ziemlich kommerziell geworden. Es war so gedacht, dass wir ihn als Teil seiner großen Groupie-Gefolgschaft überall hinbegleiten sollten, von der VIP-Loge bei seinen Gigs zu seinem Haus – das war ganz schön sexistisch. Ich habe mich dann nach einer Weile von der Gruppe verabschiedet, weil ich authentische Leute kennenlernen wollte.

Wie hast du dann die Favela Rocinha entdeckt?

Ich habe einen Mann aus der Favela kennengelernt – und er war völlig anders als die Leute vom „asfalto“, also die, die nicht in einer Favela wohnen, und anders als die Möchtegerns, mit denen ich meine Zeit verbracht hatte. Er war authentisch und nicht so abgehoben.

Als ich alle seine Freunde, seine Familie kennenlernte, hatte ich endlich das Gefühl, Cariocas richtig kennenzulernen und mit einer großen Community herumzuhängen. Eine endlos lange Lovestory später fand ich mich in der Favela Rocinha wieder, wo ich mit ihm und seiner Familie lebte. Er ist jetzt mein Ehemann – und wir leben mit einem Fuß in Melbourne, Australien, und mit dem anderen in Rocinha, Rio.

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Wie würdest du die Atmosphäre in der Favela beschreiben?

Rocinha ist für mich mein zweites Zuhause. Es ist eine tolle, lebendige Community, voller liebenswerter Menschen, die hart arbeiten. Als ich mit reicheren Brasilianern unterwegs war, habe ich aber erlebt, dass es immer noch ein großes Stigma ist, in einer Favela zu leben und wie groß die Kluft zwischen der Arbeiterklasse aus der Favela und den Wohlhabenderen ist.

Die Medien heizen das Vorurteil an, dass Favelas gefährliche Orte sind, aber du kannst den Mainstream-Medien nicht vertrauen. Natürlich gibt es in der Favela Waffen und Drogengangs – aber eine Favela ist kein rechtloser Ort. Keiner rennt herum und schießt einfach so auf Menschen, wie es in Filmen oder in den Nachrichten oft dargestellt wird.

Die einzige Ordnung die ich in Rio jemals gesehen habe, war in der Favela. Es gibt dort die Gesetze der Favela: Keine Morde, kein Diebstahl, keine Vergewaltigungen, keine Gewalt – das wird alles nicht toleriert. Ich habe mich in der Favela viel sicherer als außerhalb der Favela gefühlt. Dieses Gesetz, dass der Chef der Favela geschaffen hat, soll absichern, dass es in der Favela friedlich und ruhig ist und dass die Polizei draußen bleibt – damit die Drogendealern ungestört ihren Geschäften nachgehen können. Sie können nicht aus der Favela heraus, weil sie dann verhaftet werden würden – also versuchen sie sich die Favela zu einem möglichst angenehmen Ort zu machen.

Ich habe Nem, den Boss, getroffen, bevor er verhaftet wurde und er hat Geld aus dem Drogengeschäft ausgegeben, um Reparaturen und Bauarbeiten in der Favela zu bezahlen, er hat ärmeren Bewohnern Geld für Medikamente gegeben und für die jüngeren Leute Partys geschmissen. Die Drogengangs haben in den letzten 30 Jahren die Infrastruktur aufgebaut, auch die Wasserversorgung. Die Regierung wollte nichts mit den Favelas zu tun haben – für den Staat sind Favelas Probleme, die nicht mal auf der Karte erscheinen.  Continue reading

Eskalation der Gewalt

Bei unseren Favela-Podiumsdiskussionen in Deutschland sind viele Besucher erstaunt, wie viel Positives (vom digitalen Wandel bis zum politischen Engagement oder Kreativität der Favelabewohner) sich aus den Armenvierteln von Rio de Janeiro berichten lässt. Doch zur Zeit häufen sich leider auch die schlechten Nachrichten aus Rio.

In den Favelas prallen Polizei und Drogengangs immer heftiger aufeinander – während die WM naht, treten die Gangs in vielen Favelas wieder selbstbewusster auf und werden wieder sichtbarer im öffentlichem Raum. Sowohl Favelabewohner als auch Polizisten sind bei den Auseinandersetzungen der letzten Tage und Wochen ums Leben gekommen. Auch als Reaktion auf den Mord an einer 28-jährigen Polizistin führt die Polizei gerade verstärkt Razzien durch, die die Gewalt verstärkt eskalieren lässt.

Sechs Menschen wurden bei Razzien in Favelas erschossen, bei einer Operation in der Favela Morro do Juramento wurden vier weitere der Polizei zufolge leicht verletzt. In der Favela Morro do Juramento war das Auto entdeckt worden, aus dem die tödlichen Schüsse auf die Polizistin abgefeuert worden waren. Favelabewohner regen sich in den sozialen Netzwerken darüber auf, dass die Medien Erschießungen von mutmaßlichen Drogendealern hinnehmen würden – und oft erst geschossen, dann nachgeforscht werde, ob der Favelabewohner tatsächlich zur Gang gehörte.

In Rio wurde außerdem ein Jugendlicher zusammengeschlagen – wohl ein Akt der Selbstjustiz. Die Täter hatten den Jugendlichen nackt an ein Verkehrsschild gekettet, wo er gefunden wurde. Angeblich gehörte der Junge zu einer Gruppe, die für Diebstähle bekannt sind.

Außerdem ist in elf Bundesstaaten Brasiliens der Strom ausgefallen – mindestens 40 Minuten mussten die Brasilianer warten, bis sich die Lage wieder normalisierte. Willkommen im Land der WM.

Drogenbanden demonstrieren ihre Macht in Ipanema

Nach dem Tod eines Drogendealers in der Favela Pavão-Pavãozinho haben Gangster im beliebten Strandviertel Ipanema Ladenbesitzer angewiesen, ihre Geschäfte zu schließen. In Favelas kommt es häufig vor, dass Drogengangs nach dem Tod eines ihrer Mitglieder das Alltagsleben lahmlegen – doch diesmal haben sie diese “Tradition” erstmals seit langem in ein reguläres Stadtviertel hineingetragen. Julia hat für ihre Brasilien-Kolumne bei der WELT über den Vorfall berichtet.

Konfrontation in den Strandvierteln (Foto: BuzzingCities.net/Jaroschewski)

Die Drogengangs zeigten seit langem wieder einmal in einem der Strandviertel Präsenz (Foto: BuzzingCities.net/Jaroschewski)

Mars da Favela: “Crystals not Pistols”

When Australian jewelry designer, musician and rapper Mars Castro came to Rio in 2010 she fell in love – with a boy and Rocinha. Inspired by the local gang culture she started to design jewelry, turning ammunition into a creative space.

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How was your image of Favelas before you knew Rocinha?
 The only thing I knew of the favela was the Baile Funk music and funk parties.  I’m a rapper as well and came to Brazil partly to work with DJ Marlboro. But he doesn’t hang out  in the favela’s, he’s rather commercial these days. We were pretty much just expected to follow him around in his large entourage of girls. From VIP’s at his exclusive DJ gigs back to his mansion and it was a bit sexist and debauched really. I kinda broke away from that crowd after a while because I wanted to meet some genuine people.


What is your relationship to Rocinha?
Well I actually met a boy from the favela.  And he was very different to the people living on the ‘asfalto’ (non favela dwellers) or wanna be’s that I had been hanging around with. He was genuine and super down to earth. And a total breathe of fresh air. When he showed me where he lived and I got to meet all his friends and family I was relieved to be getting to know the real Cariocas and hang out in the larger community. And that happened to be Rocinha. So one long epic love story later.. I ended up living with him and his family in Rocinha. He’s now my  husband. And we have one foot here in Melbourne, Australia, and the other in Rocinha, Rio.
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Just married (All pics: Mars da Favela)

Mars & Mako: Just married (All pics: Mars da Favela)

How would you describe the place, the vibe here?
To me Rocinha is my second home. I see it as a beautiful, thriving community. Full of lovely hard working people. I however realized the stigma of living in a favela after hanging out with ‘Richer Brazilians’ and there is such a great divide between working class (from the favela) and the ‘Upper Class’.


The media fuels the pre conception of the favela being such a dangerous place. But the reality is within this country that is so full of corrupt officials and police you just can’t believe anything if the mainstream news. Of course there’s the guns/gangster side of the favela. But it’s not lawless. No one’s running around shooting at everyone wrecklessly like portrayed in the movies or news.


Infact the only law and order I ever saw in Rio was in the Favela. There exists what is know as the  ‘Law of the favela’ which is: No killing, no stealing, no raping and no physical abuse, it’s not tolerated at all. I felt alot safer within the favlela than outside. This ‘law’ created by the ‘Don’ of the favela is there to keep the peace and to keep police out of the favela, so he and his workers/gangstas can do run their business (selling drugs) with no problems.  These guys can’t leave the favela because they’ll get arrested so they make their community the best place it can be.


I actually met him (Nem, the Don) before he was arrested and he was giving money (drug money) to do repairs and construction within the favela, giving money for medicines to poorer residents, putting on parties for the younger people. Infact for the last 30 years the dons of the favela and the gangsta’s are the ones who have built the infrastucture, including the entire water supply. The government didn’t want anything to do with the favelas. To the government they are an embarrassing problem that aren’t even on the maps.


How would you describe the art and culture scene within the Favela?
I don’t know if the people in the Favela actually care about going to an art gallery or writing essays on culture. As the working class, they’re probably so busy working 6 days a week for minimum wage that  they don’t  recognise how creative they actually are. For example: To build a thriving community out of not much, to see a hill and go forth to build your own water supply, hook up your own electicity (gatas) and make a home by your bare hands out of sticks and bricks  is artistic genius in itself. Step back and look at the Favela. IT  IS ART. And when you live in it, I don’t think you realise how amazing it is. Are the people in the favela artists?  Absolutely: To build something so amazing out of nothing is the ultimate in creativity.


Why is Rocinha an inspiration for you?
There’s too much inspiration to list.  A majority of my inspiration for the jewelry came from seeing how the ‘traficantes’  are fighting for their territory, literally. Fighting to feed their family. In such a corrupt country with such disparity between rich and poor, the people obviously do what they need to.  To see gangsters on the street carrying weapons and that sense of power and the fashion associated  to it.


The powerful imagery of  gold chains and big guns was inspiring because of the total contrast from the outside world of corrupt police, corrupt politicians and militia. Everyone’s out to make a buck for themselves and not spreading the money or love. The gangstas are the only ones that aren’t hiding behind a facade.


Gangstas aside, in my day to day life my inspiration comes from the joy the people of Rocinha exude and share. Dancing all night, Barbeque’s on the roof, Hanging out with your neigbours in the street, knowing everyone, having such an amazing and sharing community.  The simple vitality and positivity of people who’s homes are known as ill reputed favelas, but to them it’s their home, their communidade.
"Crystals not Pistols (pic: Mars da Favela)

“Crystals not Pistols” (pic: Mars da Favela)

 Why did you pick guns and ammunition as a material for your work?
I saw a gangsta one day in the street , he looked about 15, was carrying an Ak 47 and wearing this T-shirt that read PAZ (PEACE) in huge print across the chest. That really made me think you know. It confused me alot. Was he being ironic? Or was he actually a peacekeeper?


The more I thought about it.. what choice did he have growing up in a disadvantaged community, within a prejudiced system, with limited education because he can’t afford school fees. This is the only opportunity to empower himself. That juxtaposition of peace and violence got me really thinking.


What is the message that you want to spread with your jewellery? 
I am adamantely against the corruption of Brazil’s police and politicians, against the stereotyping  of favelas, I am all for empowering yourself – not with guns however, but with the message of unity. That we are all fighting the injustices of this world. And we don’t do it with guns.


The bullet shells are empty and discarded, and we fill them with beauty. With natural crystals with powerful energies that uplift and inspire and heal. I call this collection “Crystals not Pistols” just like “The pen is mightier than the sword” – The crystal is mightier that the pistol. The inspiration comes from so much injustice, but the message we wish to spread is one of consciousness and hope.


Where are your materials sourced?
Empty bullet cases are sent to me from various people, usually spent shells from gun ranges. I’m pretty sure none of my bullets have been used to shoot anyone. However I do make custom pieces sometimes where people send me bullets from their travels from the Middle East for example and want me to convert them to a jewelry keepsake.


The crystals I use are all naturally formed. The amethyst and Citrine are  beautiful in colour and quality. Sourced obviously from the Mother producer of stunning gemstones – Brazil itself.  A few stones also, such as Clear quartz I source from Madagascar and Smokey Quartz from Australia.


Do you think that Favelas are an Inspiration for more and more artists nowadays? 
Artists are typically the black sheep in their family/community, as are the favelas. They’re the misunderstood black sheep on the horizon, built illegally and out of nessesity with whatever was available.


The favela is an inspiration to idealists, to architects to horticulturalists to musicians to artists, to all people who see how naturally and beautifully they’ve grown. It’s hard not be inspired by their vibrancy. The local musicians songs and painters pictures of the favela give a beautiful perspective on the obvious love of they have for their home. I ♥ Rocinha!


More Pictures of Mars da Favela`s jewelry and Facebook Page 


Wie sicher ist eine Favelatour?

Einer unserer Leser hat für kommende Woche eine Favelatour durch die Rocinha gebucht, und möchte gerne wissen, wie die Sicherheitslage aussieht – und ob wir eine Tour angesichts der Dauer-Schießereien empfehlen würden.

“… ich verfolge euer Blog seit einiger Zeit, weil ich nächste Woche nach Rio reise und bei dieser Gelegenheit auch eine Tour durch Rocinha (…) geplant habe. Nun ist mir zwar klar, daß selbst in Rocinha nicht von europäischen Sicherheitsmaßstäben ausgegangen werden kann. Andererseits kann ich es freilich nicht einordnen, ob die von euch in letzter Zeit berichteten Schießereien noch innerhalb der Norm liegen. Könnt ihr mir sagen, was man davon zu halten hat? Finden die Schießereien nur in bestimmten Teilen Rocinhas statt? Lediglich zwischen Dealern und Polizei? Kann man davon ausgehen, daß ein Schußwechsel nicht ausgetragen wird, wenn Unbeteiligte in der Nähe sind, oder geht es da rücksichtslos zu?”

Unsere Antwort:

(…) die Schießereien in diesem täglichen Umfang und täglich sind schon extrem, allerdings finden diese vor allem Nachts statt (meist gegen 21, 22, 23, 24 Uhr). Schusswechsel tagsüber wie am Montag oder heute früh sind sehr selten.

Häufig sind diese Schusswechsel auf Gebiete der Rocinha begrenzt, in denen sich Touristen eher nicht herumtreiben, etwa Roupa Suja. Zuletzt kam es aber auch in/um Rua 1, 2, 3, 4 vermehrt zu Schießereien, also Gassen/Straßen, die von der Hauptstraße abgehen und stark frequentierte Wege durch die Rocinha sind. Mit der Tour wirst du ein Stück durch die Rua 1 laufen, allerdings den ruhigeren Teil.

Hintergrund der häufigen Schusswechsel derzeit sind einerseits Rivalitäten innerhalb der Drogengang, die die Rocinha beherrscht. Andererseits kommt es – teils auch als Folgeerscheinung des ersten Phänomens – zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Oder Polizisten wurden etwa bei Patrouillen in den Gassen von Mitgliedern der Drogengang überrascht, daraufhin kam es zu Schusswechseln. Meistens passiert das, wie gesagt, eher nachts.

Sowohl Gang als auch Polizei sind um gute PR bedacht: Weder Anwohner noch Touristen sind das Ziel dieser Auseinandersetzungen – wobei es schon Anwohner gab, die von Streifschüssen getroffen wurden. Wenn man mit Bewohnern der Favela unterwegs ist, wissen diese aber eigentlich, wie man sich verhalten muss.

Da die Favela keineswegs eine permanente Kriegszone ist, und angeschossen zu werden sicher extremes Pech bedeutet, würden wir persönlich die Tour wahrscheinlich trotzdem machen. Wir sehen hier auch fast täglich Touristen, selbst in den vergangenen Tagen. Das Alltagsleben geht in der Rocinha auch normal weiter (wenn nicht gerade eine Schießerei geschieht) und am unteren Teil des Berges und auf der Hauptstraße ist es fast immer relativ sicher.

Fußballjubel trotz Schießereien

In der Fußballnation Brasilien sind die Favelados besonders verrückt nach dem runden Leder – in der Favela Rocinha konnten am Mittwoch selbst Schießereien der Leidenschaft der Fans nichts anhaben.

Fußball ist Religion in Brasilien. Jetzt trägt selbst der Christus, das Wahrzeichen der Stadt, ein schwarz-rotes Trikot – zumindest auf Fotos, die seit Mittwoch massenweise in den sozialen Netzwerken zirkulieren. Es sind die Farben des populären Fußballclubs Flamengo, der jetzt noch beliebter ist: Am Mittwoch hat Flamengo sich bei der “Copa do Brasil 2013” den Titel des brasilianischen Meisters geholt.

Cristo - Fußball ist Gott und Jesus trägt ein Flamengo-Trikot (Screenshot Facebook)

Cristo – Fußball ist Gott und Jesus trägt ein Flamengo-Trikot (Screenshot Facebook)

In der Favela sind 99,9 % der Bewohner Flamengo-Fans und die ganze Favela fieberte vor dem Fernseher mit – entweder zuhause, oder in einer der unzähligen Mini-Bars in den Gassen und Straßen der Favela, in die, egal wie klein sie sind, immer noch ein Fernseher passt (die Flachbildschirmfernseher sind oft das modernste in den Bars). Schon Nachmittags wurden die ersten Raketen abgeschossen, um auf das Spiel einzustimmen, nach dem Anpfiff knallte es ständig.

An Tagen wie diesen gehören die Raketen zum Grundrauschen des Soundteppichs in der Favela, man gewöhnt sich daran, blendet es aus. Bis das Knallen Mittwochnacht auf einmal keine Raketen mehr waren, sondern Maschinengewehre. Mitten während des Fußballspiels lieferten sich Mitglieder der Drogengang, die gerade um die Macht in der Rocinha kämpfen, einen Schusswechsel.

Die Bewohner, die sich in den offenen Bars am Straßenrand das Spiel ansahen, brachen in Panik aus. Nach etwa einer halben Stunde, in der sich die Gassen rasant geleert hatten, wurde es wieder ruhig. Da das Spiel weiterlief, zog ihre Leidenschaft die Fußball-Fans trotz Angst schnell wieder auf die Straßen zurück. Mit Tröten und Geschrei verfolgten sie das Spiel zwischen Flamengo und Atlético-PR, Jubel und Buhrufe liefen wellenförmig über den ganzen Hügel der Favela hinweg. Für blinde Fußball-Kommentatoren wäre die Favela ein idealer Seismograph gewesen: Man konnte den Spielverlauf erahnen, ohne hinzusehen.

Als Flamengo das 2:0 schoss, rastete der ganze Hügel aus, nach dem Abpfiff schien die Favela vor lauter Raketen zu explodieren, Leuchten überall. Wir haben leider nur einen kleinen Ausschnitt aufgenommen, der nicht besonders spektakulär ist:

Gleichzeitig wurden Facebook und Twitter mit einer Lawine von Fanliebe überschwemmt – Herzchen, Fotos von Fans in Trikots, Banner mit Sprüchen, Videos, der Christus im Trikot.

Am nächsten Morgen liefen Dutzende Männer und Frauen in ihren schwarz-roten Fanshirts durch die Favela, manche sogar mit den albernen Hüten, die man normalerweise nur im Stadion trägt. Ein brasilianischer Freund von uns, der als Touristenführer arbeitet, zieht sich immer ein Flamengo-Fußballshirt an, wenn er in die Favela geht, um dort Touren zu machen – er glaubt, dass dann weniger auffällt, dass er nicht aus der Favela kommt. Am Tag nach dem Spiel hätte seine Strategie tatsächlich einmal aufgehen können.