DASPU: “Putas” auf dem Laufsteg

Gabriele Leite war die Stimme der Prostituierten, Brasiliens wichtigste Aktivistin für Sexarbeit – und sie schickte Prostituierte als Models auf den Laufsteg, um sie sichtbarer zu machen. Vor kurzem ist Gabriela in Rio de Janeiro gestorben.

Als erste Prostituierte Brasiliens brach Gabriela Leite das Schweigen: sie redete über ihre Arbeit, die Situation der Sexarbeiterinnen, forderte die Anerkennung von Prostitution als Beruf. Nachdem sie bei einer Veranstaltung über “Frauen aus den Favelas und der Peripherie” als Rednerin aufgetreten war, weil ihre Kolleginnen die Öffentlichkeit scheuten, fragten alle brasilianischen Medien “die Prostituierte, die sprach” für Interviews
an – und Leite wurde zur Stimme und zum Gesicht der brasilianischen Prostitution.

“Wenn man über Prostitution sprach, hatte jeder immer eine Lösung für die Prostituierten, aber keiner fragte die Prostituierten, was sie wollen”, kritisierte sie in einem Interview. “Jetzt müssen sie mit uns reden.” Leite ging es nie darum, Frauen aus der Prostitution zu holen, sondern ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, gegen das Stigma zu kämpfen. Sie versuchte die brasilianische Politik zu beeinflussen, prangerte auch öffentlich an, dass Polizisten Prostituierte misshandelten und zum Sex zwangen, Geld von den Frauen und Bordellen erpressten.

Sex als Rebellion
Für Gabriela Leite, die in einer Mittelstandsfamilie aufgewachsen war und Soziologie studiert hatte, war die Entscheidung, als Prostituierte zu arbeiten, nie Notwendigkeit gewesen, sondern persönliche Revolution. Sie gehörte zur Generation der jungen Brasilianer, die in die konservative, verklemmte Zeit der Militärdiktatur hineingewachsen waren – die sich aber nicht dem bewaffneten Widerstandskampf anschlossen, sondern mit sexueller Befreiung gegen das Establishment rebellierten. Continue reading

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