Mögliche Vergeltungsaktion: Mindestens acht Tote in Rocinha

Bei einer Polizeioperation in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro sind mindestens acht Menschen erschossen worden – es könnte sich um einen Vergeltungsschlag der Sicherheitskräfte handeln.

Mindestens acht Menschen sind am Samstag in der Favela Rocinha von der Schocktruppe, einer als brutal geltenden Spezialeinheit, gegen 5.30 Uhr morgens erschossen worden. Sechs Männer wurden angeschossen und starben an den Verletzungen, sie wurden noch ins Krankenhaus gebracht. Zwei weitere Tote wurden nachmittags von Bewohnern an die Brücke am Eingang der Favela transportiert, möglicherweise liegen noch mehr Verletzte oder Tote im Gassenlabyrinth der Favela, Bewohner gehen von möglicherweise 11 bis 14 Opfer aus.

Den Militärpolizisten zufolge soll es sich ausschließlich um Drogengangster handeln – die Polizisten zufolge sind sie bei einer Patrouille in der Rua 2 und Roupa Suja angegriffen worden und hätten daraufhin das Feuer eröffnet. Bewohner stellen die offizielle Version in Frage. Eine These: Es könnte sich um einen Vergeltungsschlag der Polizei nach dem Tod eines Militärpolizisten handeln.

Matheus Silva, ein 19-Jähriger, der gern Walzer tanzte, wurde etwa in den Rücken geschossen, als er weglief, er war gerade auf einer Party gewesen. “In den Zeitungen kann man lesen, dass er ein Drogengangster war, aber das war er nicht – er war gestern noch mit mir auf einer Feier, um etwas Geld zu verdienen, um sich am Wochenende zu amüsieren”, so der Leiter des Walzer-Tanzprojekts, Alexander Izaias. “Er hat mit seinen Freunden Spaß gehabt und sein Leben aufgrund dieser Gewalt verloren.” Ein anderer junger Mann soll gerade auf dem Weg zur Arbeit gewesen sein.

Foto: Alexander Izaias

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Im September 2017 wurde die Favela Rocinha erneut durch das Militär besetzt, um einen internen Gangkrieg in der Favela wieder unter Kontrolle zu bringen. Seitdem finden ständig Operationen verschiedener Sicherheitstruppen statt. Der Militärpolizei zufolge sind seitdem 50 Menschen getötet worden.

Favelabewohner erschossen

Vor der WM spitzt sich die ohnehin fragile Sicherheitslage in der Favela Rocinha nochmals zu – Schießereien gehören in den vergangenen Tagen zum Alltag, doch heute Morgen wurde ein Favelabewohner erschossen.

Gegen 2.30 (am) kam es während einer Operation der Schock-Truppe Batalhão de Choque in der Nähe eines Drogenverkaufspunktes innerhalb der Favela erneut zu einem Schusswechsel zwischen Polizei und Drogengang.

Ein 33-Jähriger wurde nach Angaben der Polizei danach mit einem Bauchschuss in einer der Gassen aufgefunden. Er wurde noch ins Krankenhaus transportiert, verstarb aber. Unklar ist, ob er unbeteiligt war und ins Kreuzfeuer geriet, von der Polizei gezielt erschossen wurde oder zur Drogengang gehörte. Die Familie sagt, dass er nur zum Rauchen auf die Straße gegangen sei, und von einem Polizisten erschossen wurde.