Angst vor der manipulierten Wahlurne

Brasiliens Wahlen sind automatisiert: Elektronische Wahlurnen beschleunigen die Auszählung in dem riesigen Land. Doch vor den Präsidentschaftswahlen in Brasilien steigt die Angst vor manipulierten Wahlensystemen.

Julia Jaroschewski hat für Spiegel Online analysiert, wie das rechte Lager Gerüchte über Wahlmanipulation verbreitet – und welche Schwachstellen tatsächlich Einfallstore für Angreifer sein könnten.

Manipulierte Urnen?

Manipulierte Urnen?

Advertisements

Warum Brasiliens Favelas einen Rechtspopulisten wählen – und wie junge Brasilianer dagegen kämpfen

In Brasilien droht ein Rechtsruck bei den Präsidentschaftswahlen – und selbst arme, schwarze Brasilianer wollen Jair Bolsonaro ihre Stimme geben, der im Wahlkampf gegen Minderheiten hetzt. Warum? Unterwegs in den Favelas mit Anhängern und Gegnern.

Es war ein Aufkleber, der den Angreifer provozierte: “Ele não”, “Er nicht”, stand darauf. Als Gabi Coelho mit diesem Aufkleber durch eine Stadt im Südostens Brasiliens lief, riss ein Mann an ihrem Rucksack, schüttelte sie und beschimpfte sie als “linker Affe” und “schwarzer Affe”. Erst als ein Fremder einschritt, konnte sie sich befreien.

Mit diesem Aufkleber kämpft die Studentin Gabi Coelho, 20, gegen Jair Bolsonaro, der rechtspopulistische Präsidentschaftskandidat tritt am Sonntag in Brasilien zur Stichwahl an.

Unseren ganzen Beitrag lesen bei Spiegel Online/Bento.de.

Bildschirmfoto 2018-10-26 um 09.19.59.png

Wahlen in Brasilien: 57 % für Bolsonaro vs. 43 % Haddad

Das Meinungsforschungsinstitut Ibope hat neue Daten zur Wahlabsicht für die entscheidende Stichwahl für das Präsidentschaftsamt am 28. Oktober veröffentlicht.

Der Trend hat sich nur leicht verändert, der Rechtspopulist Bolsonaro liegt immer noch vorn. 57 Prozent Bolsonaro der Befragten würden Bolsonaro wählen und nur 43 Prozent seinen Rivalen Fernando Haddad von der linksgerichteten Arbeiterpartei PT.

Bolsonaro haben auch die Skandale der letzten Tage nicht geschadet – im Gegenteil. Seine Anhänger verteidigen ihn nur noch vehementer und bezeichnen jeden Vorwurf als “Fakenews”. So ermitteln Wahlbehörde und Polizei aktuell wegen möglicher Wahlmanipulation, weil Bolsonaro-Anhänger Whatsapp massenhaft mit gekauften Pro-Bolsonaro-Propaganda geflutet haben. Auch Bolsonaros Sohn Eduardo hatte eine Skandal ausgelöst, als er sagte, es genüge “ein Unteroffizier und ein Soldat”, um die Wahlbehörde STF zu schließen. Er sei noch jung und habe einen Fehler gemacht, verteidigte ihn sein Vater.

Bolsonaro (Screenshot Youtube)

Bolsonaro (Screenshot Youtube)

#Marielle Protest: “Wir werden uns nicht zum Schweigen bringen lassen”

Vor sieben Monaten wurde die junge, schwarze Abgeordnete Marielle Franco ermordet. Sie kämpfte gegen Polizeigewalt und Milizen in Rios Favelas. Mehr als 1000 Menschen haben heute in Rio Straßenschilder mit ihrem Namen hochgehalten – und gegen die zunehmende Gewalt und Rassismus in Brasilien protestiert.

Der Mord an Marielle Franco ist immer noch nicht aufgeklärt, sieben Monate nach dem politischen Verbrechen, bei der die Politikerin und ihr Fahrer gezielt erschossen wurden.  Heute haben in Rio mehr als 1000 Menschen symbolische Straßenschilder zu Ehren Marielle Francos in die Höhe gehalten, ein Straßenschild wurde auch temporär auf ein anderes Straßenschild geklebt. Es war auch ein Widerstand gegen rechte Bolsonaro-Anhänger, die vor kurzem ein Straßenschild mit Marielle Franco`s Namen zerbrochen hatten.

Die Unterstützer und die Familie Marielle Francos fordern die Aufklärung des Mordfalls und der politischen Hintergründe  – und wenden sich gegen den zunehmenden Rassismus und Hass im Land. “Wir werden uns nicht zum Schweigen bringen lassen”, so die Mutter von Marielle Franco zu Favelawatch/BuzzingCities Lab – auch wenn es schmerze.

Marielles Mutter (Credit:JJ/BuzzingCities)

Protest Marielle Franco

MarielleFranco_1Protest Marielle Franco Protest Marielle Franco Frauen

Im RBB Inforadio: Wahlen, digitaler Wahlkampf und die Fakenews-Krise

Nach der ersten Wahlrunde: Hass, Hetze und Fakenews greifen im Wahlkampf um sich. Im Interview im Medienmagazin im RBB Inforadio erklären wir, was gerade in Brasilien passiert.

Im aktuellen Medienmagazin kommentieren wir die Wahlen in Brasilien, die Gründe für den Aufstieg Bolsonaro, und wie die beiden Spitzen-Kandidaten Bolsonaro und Haddad auch im digitalen Wahlkampf einen neuen Kurs im Endspurt einschlagen. In der Sendung wird zudem die Bayernwahl und der Mord an der bulgarischen Journalistin Wiktorija Marinowa analysiert.

Dpe45oqW0AAD_M8

#GuerranoRio: 12-stündige Operation, Complexo do Alemão unter Dauerfeuer

Stundenlange Schusswechsel, gepanzerte Fahrzeuge, die durch die Favelas rollen: Im Complexo do Alemão, einem Favelakomplex im Norden von Rio de Janeiro, läuft seit heute Morgen eine Mega-Operation – und Anwohner beschweren sich über Polizeigewalt.

Um sechs Uhr morgen begann die Mega-Operation. Spezialeinheiten und Militärpolizei durchkämmten Favelas, durchsuchten Häuser, lieferten sich Schusswechsel mit der Drogengang des Alemão. Immer wieder dröhnten schwere Schusswechsel durch die Siedlungen.

GUERRA COM ARMAS PESADAS!!

A SITUAÇÃO NO COMPLEXO DO ALEMÃO É ASSUSTADORA.

OLHA A RAJADA DOS TIROS DADOS COM ARMAS DE GUERRA DURANTE MAIS DE 12H DE OPERAÇÃO NO COMPLEXO DO ALEMÃO#GUERRANORIO #GUERRANOALEMAO pic.twitter.com/HdUtOFa2KB

 

“Wie kann es ein, dass die Polizeioperation sich immer genau dann intensiviert, wenn auch die Bewegung der Favelabewohner am größten ist”, beschwert sich ein Favelabewohner am frühen Abend auf Twitter. Auf Twitter postete er auch Nachrichten von Favelabewohnern, die von Übergriffen erzählten: Ein Bewohner, dessen Haus von der Polizei durchsucht wurde, erzählt, er habe die Sicherheitskräfte freundlich nach dem Grund gefragt. Einer antwortete darauf: “Weil ich es will.”

Bildschirmfoto 2018-10-09 um 19.39.14.png

Gepanzerte Fahrzeuge, die durch die Favela rollen (Foto: Raul Santiago)

Aufwachen im Krieg: Gepanzerte Fahrzeuge, die durch die Favela rollen (Foto: Raul Santiago)

Das Ergebnis der Mega-Operation, die Hunderte von Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat, scheint bisher eher mau: Zwei Personen wurden bisher festgenommen. In der Favela Fazendinha haben Polizisten 19 Pakete mit Marihuana á jeweils etwa zwei Kilo festgenommen.