Erschossen, weil er einen Regenschirm hielt

Rodrigo Alexandre da Silva Serrano wartete an einer Bushaltestelle auf seine Frau. Er hatte einen Regenschirm in der Hand, doch Polizisten hielten das Objekt offenbar für eine Waffe – und erschossen ihn.

Schuss in die Brust, ein Schuss ins Bein: Der 26-Jährige lebte nicht mehr, als er im Krankenhaus eingeliefert wurde. Der zusammengeklappte Regenschirm wurde zu seinem Todesurteil. Bewohner der Favela Chapéu-Mangueira in Leme in der Südzone von Rio de Janeiro zufolge soll der Ort, an dem Rodrigo getötet wurde, schlecht beleuchtet gewesen sein.

Regenschirm als Todesurteil? (Foto: Facebook)

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Medienberichten zufolge war Rodrigo früher zu einer Haftstrafe wegen Raub und auch im Zusammenhang mit Drogenhandel verurteilt worden,  war aber mittlerweile wieder frei und hatte einen Job. Er hinterlässt zwei kleine Söhne. Als schwarzer junger Mann aus einer Favela gehört er einer Gruppe an, die keine Haftstrafen braucht, um sich verdächtig zu machen und jederzeit Gefahr läuft, anlasslos erschossen zu werden – in Brasilien sterben jährlich Tausende junge Männer an Polizeikugeln.

In Brasilien stirbt alle 23 Minuten ein schwarzer Jugendlicher zwischen 15 und 29 Jahren, 23.100 jedes Jahr, so das Ergebnis einer Arbeitsgruppe des Senats in der Hauptstadt Brasília. Doch während in den USA Tausende Menschen der „Black lives matters“-Bewegung auf die Straße gehen, um gegen Gewalt und Ermordungen der schwarzen Bevölkerung zu demons­trieren, kommt der Aufschrei hier von nur wenigen.

Ermittelt wird selten bei Polizeigewalt. Da der Tod von Rodrigo aufgrund der vermeintlichen Bedrohung durch die “Regenschirm-Waffe” als Akt der Selbstverteidigung ad acta gelegt wird, wird sein Tod nicht einmal als Mord registriert.

Am falschen Ort, zur falschen Zeit: Immer wieder werden in Rios Favelas Menschen erschossen, die ins Kreuzfeuer geraten oder bei Polizei-.Operationen mit Kriminellen verwechselt werden. Polizisten schießen im Zweifelsfall, bevor sie selbst erschossen werden – und immer wieder gibt es Fälle exzessiver Polizeigewalt.

Wahlkampf in Brasilien 2018: “Frauen gegen Bolsonaro”-Facebookgruppe gehackt

Digitaler Wahlkampf: Angreifer hatten die Facebook-Gruppe “Mulheres unidas contra Bolsonaro”, die gegen den Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro mobil machen will, unter ihre Kontrolle gebracht – und sie in eine Fangruppe verwandelt.

In der Facebookgruppe “Mulheres unidas contra Bolsonaro” (Frauen vereint gegen Bolsonaro) hatten sich Frauen aus verschiedenen politischen Lagern zusammengeschlossen, die gegen den Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro sind und dessen Positionen kritisieren und sich zu Protesten verabreden.

Screenshot Facebook: Mulheres Unidas contra Bolsonaro

Screenshot Facebook

Der rechtskonservative Präsidentschaftskandidat der PSL, den der Guardian kürzlich einen “tropischen Trump” genannt hat, ist in der Vergangenheit immer wieder durch offenen Sexismus, Rassismus und Homophobie aufgefallen. 2014 sagte er etwa bei einer Parlamentsdebatte, er würde die Abgeordnete Maria do Rosario nicht vergewaltigen – “weil sie es nicht verdient”.

Die Facebook-Gruppe war am 30. August 2018 gegründet worden, mehr als eine Million Mitglieder waren innerhalb der ersten Woche zusammengekommen. Am Wochenende hatten Angreifer die Facebookgruppe für einige Stunden unter ihre Kontrolle gebracht, die Administratorinnen hatten keinen Zugriff mehr. Die Angreifer hatten sich auch Zugang zu den Mobiltelefonen und persönlichen Social Media-Konten von Gruppen-Gründerinnen verschafft, veröffentlichten Nachrichten und schickten ihnen Drohungen per Whatsapp.

Die Facebook-Seite war erst offline, später ging sie wieder online – als “Mulheres com Bolsonaro #17”, also als Fangruppe für den umstrittenen Kandidaten, mit einem Foto von Bolsonaro und einer brasilianischen Flagge.

Inzwischen haben die Administratorinnen die Kontrolle wiedererlangt – und die Attacke hat die Seite noch bekannter gemacht. Mehr als zwei Millionen Frauen haben sich inzwischen in der Gruppe zusammengeschlossen. Allerdings existieren mittlerweile auch verschiedene Klone – und eine Seite, in der sich “Frauen für Bolsonaro” vereint haben. Auch lokale Seiten wollen jetzt den Widerstand gegen Bolsonaro organisieren, etwa in London. Für Ende September ist eine große Demo gegen Bolsonaro in Brasilien angekündigt.