Live aus dem Complexo do Alemão

Im Complexo do Alemão kommt es immer wieder zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Drogengangs, heute wurde erneut eine Frau angeschossen, die an den Verletzungen gestorben ist.

Wir haben heute mal wieder aus dem Complexo gestreamt, sind mit dem Teleferico, der Seilbahn gefahren (die immer noch von vielen benutzt wird), und haben die Favelabewohnerin Mariluce über die Gewalt, ihre Meinung zu den Olympischen Spielen und Perspektivenwandel durch Favelakunst interviewt.

„BiscoitoGate“: Krieg um einen Keks

Streit um einen Keks: Ein New York Times Artikel hat in Rio de Janeiro den „BiscoitoGate“ ausgelöst. Die Times hatte es gewagt, einen der beliebtesten Snacks der Stadt zu kritisieren — den bekannten Globo-Keks, der überall, von Kioskbuden bis zu den Stränden verkauft wird.

„To the American palate, a Biscoito Globo is basically an oversize Funyun minus the onion, or what you would get if you ordered a Cheez Doodle, hold the cheese. It is crumbly texture and nothing else — air turned into a doughnut-shaped wafer. Pop one in your mouth, and it is as if your teeth are at a party to which your tongue was not invited.“

Für die Brasilianer war die vernichtende Gastrokritik ein drastischer Angriff auf den Nationalstolz, der einige Wutanfälle nach sich zog — einige legten dem Autoren des Artikels nahe, sich schnellstmöglich zum Flughafen zu begeben.

Julia hat am Strand von Rio de Janeiro Keksverkäufer gefragt, was sie von dem Skandal halten.

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Olympia-Ticket: Nichts für die Favelas

Busse in der Rocinha: Immer überladen (Foto: BuzzingCities Lab)

Busse in der Rocinha: Immer überladen (Foto: BuzzingCities Lab)

Für Touristen, die nach Rio gekommen sind, um die Olympischen Spiele zu sehen, hatte die Stadt Rio eine spezielle Zeitkarte für den öffentlichen Transport geschaffen: die „Rio Card Olimpico“ für die unbegrenzte Nutzung aller Nahverkehrsmittel für ein, drei oder sieben Tage.

Eine eigentlich gute Erfindung, denn eine solche Karte fehlte bisher in Rio. Zwar gibt es das „Bilhete Unico”, eine Karte, die dem Besitzer zweimal am Tag das Umsteigen in einen zweiten Bus ermöglicht. Eine wirkliche Zeitkarte mit unbegrenzter Nutzung ist das aber nicht – zumal gerade in den Favelas der Großteil der Bevölkerung auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist und Fahrtwege von entlegeneren Favelas in die Stadt mitunter Stunden dauern, mit mehrmaligem Umsteigen.

Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zählen mittlerweile auch die in Favelas weit verbreiteten „Vans“, also Minibusse, die meist von privaten Kooperativen betrieben werden, aber inzwischen von der Stadt reguliert werden – und in denen heute auch das „Bilhete Unico“ gültig ist.

Auch in der Favela Rocinha transportieren Vans viele Passagiere durch die Favela – die normalen Stadtbusse fahren viel zu selten und sind völlig überfrachtet. Die teure Zeitkarte „Rio Card Olimpico“ gilt allerdings in den Vans der Rocinha nicht, wie wir heute feststellen mussten – obwohl die Busse eigentlich längst dem offiziellen Transportsystem der Stadt angehören. So werden Favelas bei der „Rio Card Olimpico“ wieder einmal ausgenommen.

Auch mit der neuen Metrolinie, die direkt an der Favela vorbeiführt, können Favelabewohner bisher noch nicht fahren – nur mit der „Rio Card Olimpico“ und einem Ticket für die Olympischen Spiele.

Olympia jenseits vom Hochglanz: BuzzingCities Lab im Interview beim rbb Inforadio

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Olympia in Rio, jenseits vom Hochglanz: Am morgigen Sonntag ist das Interview mit uns über die Olympischen Spiele, die Sicherheitslage, Drogenkrieg und Polizeigewalt sowie Digitalisierung in Rios Favelas im Inforadio zu hören.

Vor den Großereignissen sollten Rios Favelas mit Polizeipräsenz befriedet werden — doch in größeren Favelas wie Rocinha oder Complexo do Alemao eskaliert im Olympiajahr die Gewalt. Für Favelabewohner verwandeln sich Smartphones und soziale Netzwerke in wichtige Waffen: Sie machen sichtbar, was in der Favela passiert, prangern Polizeigewalt an und warnen sich gegenseitig vor Schießereien.