“Lulu Rouge” in der Rocinha

Das dänische Produzenten- und DJ-Duo Lulu Rouge – alias DJ T.O.M. und Buda – haben bei einem Rio-Besuch in der Rocinha vorbeigeschaut und den Schülern der DJ Schule “Spin Rocinha” der Rocinha  als Gast-DJs eine Stunde gegeben.

Rocinha is a rainforest today

Der Nebel hat das Meer verschluckt, die Ränder der Rocinha weichgezeichnet, der Wald ist satt und dunkelgrün und Regen legt sich über den Geräuschteppich, der sonst so typisch Favela ist. Bei einem Blick aus dem Fenster fühlen wir uns, als säßen wir mitten im Regenwald. Vögel zwitschern, alles ist sanft und die Lehrerproteste, die in einer Straßenschlacht zwischen Polizei und Randalierern endeten und die Innenstadt verwüsteten, sind hier weit, weit weg. Von wegen Kampfzone Favela.

Rechtzeitig, bevor der Regen kam, haben unsere Nachbarn innerhalb von wenigen Stunden direkt vor unserem Fenster ein Haus aufgebaut – man konnte der Favela beim Wachsen zusehen. Gestern Abend stand dort noch eine Ruine, gerade mal der Grundriss, Balken, ein paar übriggebliebene Ziegelsteine, überwuchert von Pflanzen, Müll, am Nachmittag lagen dort noch die Kampfhunde unseres Nachbarn auf einer dreckigen Matratze herum, zwei gemütliche Riesen.

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Dann rückten Familie und Freunde an, hämmerten die ganze Nacht, Kinder schleppten Ziegel heran und Bauschutt weg, pfiffen dabei brasilianische Lieder, und heute morgen ist die Favela wieder ein Stück weiter in den Regenwald gewachsen. Sogar die Satellitenschüssel ist schon auf dem Wellblechdach installiert. Nur einer hämmert noch ein bisschen herum, die anderen sind wohl schlafen – oder zu ihren regulären Jobs arbeiten – gegangen.

#Favela Soundtrack: Criolo – “Knoten im Ohr” (Nó na Orelha)

Er besingt soziale Kälte, die Herausforderungen des Favelalebens, Amor e Vida: Criolo aus São Paulo hat sich mit seiner Musik nach oben gekämpft – und präsentiert sein facettenreiches Werk heute auf internationalen Bühnen.

Wie Hunderttausende Brasilianer hatten auch Kleber Gomes`Eltern auf ein besseres Leben gehofft, als sie aus dem Nordosten nach São Paulo zogen – doch es reichte nur für ein Häuschen in einer Favela der Millionenmetropole. Für Kleber Gomes alias “Criolo” wurde die Peripherie zur Inspiration: Mit elf Jahren entdeckte er den Rap als Ventil, als Medium, um den täglichen Überlebenskampf und die soziale Kluft zu thematisieren.

Mal wütend, mal poetisch skizziert er seitdem das Favelaleben in seinen anspruchsvollen Songtexten, den Alltag derjenigen, die an die Ränder der brasilianischen Gesellschaft gedrängt werden, und das Panorama sozialer Unterschiede – und ist mit seinem vielfältigen Repertoire zu einer Stimme der Favelas geworden, die inzwischen auf der ganzen Welt gehört wird. Seit er 2011 in Brasilien sein Album “Nó na Orelha” veröffentlichte, zählt der 38-Jährige zu den spannendsten brasilianischen Musiktalenten und war mehrfach international auf Tour. Continue reading