Ende der UPP: Zahl der Toten bei Auseinandersetzungen so hoch wie nie

Der schleichende Rückzug der UPP aus den Favelas in Rio de Janeiro geht einher mit einer steigenden Anzahl von Toten. Bei Einsätzen der sogenannten Befriedungspolizei sind im Jahr 2018 so viele Menschen erschossen worden wie nie zuvor seit ihrer Einführung im Jahr 2008, und das, obwohl die Truppen der UPP insgesamt reduziert wurden.

Rio 2016 UPP Rocinha

Laut dem Institut für öffentliche Sicherheit ISP in Rio ist im Durchschnitt jeden zweiten Tag eine Person bei einer Operation erschossen worden, ein Teil davon deklariert als “Selbstverteidigung” der Sicherheitskräfte. Die Zeitung extra geht von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Morde aus, weil Personen, die bei Schießereien mit der Polizei verletzt wurden, und im Nachhinein durch die Verletzungen gestorben sind, oftmals nicht mitgezählt wurden.

Außerdem ist die Zahl der Toten durch Sicherheitskräfte in den Regionen, aus denen die UPP abgezogen wurde, angestiegen. Continue reading

BuzzingCities Lab 2018: The Failed War on Drugs, the Bolsonaro Elections in Brazil and Gun Violence in the US

Transformation in post civil war country Colombia, the brutal drug war in the Philippines, dramatic elections in Brazil, arms trade and gun violence in the US: In 2018 BuzzingCities Lab analyzed extreme situations worldwide – and researched and designed innovative approaches to violence and the global drug war.

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The global militarized „War on Drugs“ is bloody and brutal – and has mainly no effects. It has been a failure that has ruined lives, resulted in overcrowded prisons and costed billions. Strategies such as the militarization of police and the criminalization of drug consumption do not lead to a control of the drug demand or supply and do not make affected communities safer – instead, they often contribute to social fragmentation and a cycle of violence.

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# Global investigation “The Alternative War on Drugs”

Shifting to an alternative drug policy with a stronger focus on health, countries worldwide are experimenting with harm reduction strategies such as alternative drug therapies, drug checking, and the provision of clean therapy environments. With their international investigation “The Alternative War on Drugs” Julia Jaroschewski and Sonja Peteranderl analysed in 2018 what kind of innovative concepts could help to solve the global drug challenge.

Colombia: Post civil war and peace process struggle

After decades of civil war and a brutal drug war, Colombia is experimenting with new approaches to tackle the drug problem. The cocaine exporting country now also has a drug problem of its own. In Bogotá and Medellin, Julia Jaroschewski and Sonja Peteranderl interviewed young basuco (coca paste) and heroin addicts – and researched how initiatives such as drug-checking projects, needle exchange projects and rehab programmes for young criminals help them find a future despite addiction. In rural areas where FARC guerilla, paramilitaries and other criminal groups fight for drug trafficking and territory, they have also visited farmers who grow coca – or participate in government projects that aim to convert coca from coca to cocoa or coffee.

 

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# Drug War in the Philippines: More than 20.000 Murders in two years

In the Philippines, on the other hand, repressive drug policies are being intensified: In the Southeast Asian country the journalists have investigated how drug addicts are persecuted, driven underground und brutally murdered. More than 20,000 suspected drug users and pushers have been killed by police and masked hit squads since President Duterte declared his war on drugs in 2016.

 

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Extrajudicial murders, which mainly affect families from poor neighbourhoods, strengthen the cycle of poverty, violence and addiction. The persecution and criminalization of addicts means that they rarely turn to government health programs – the drug war reinforces the HIV/AIDS epidemic in cities such as Cebu City. BuzzingCities Lab investigated how the killings affect entire neighbourhoods,  how community initiatives try to seek justice and how drug addicts support each other with underground networks – addicts advise other drug users, help with withdrawal or distribute free syringes, even though this puts themselves at risk.

# Coverage of the Brazilian presidential elections and the Bolsonaro effect

 

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Shift to the right: A new president was sworn in in Brazil on 1 January 2019. BuzzingCities Lab had accompanied the digital election campaign, and the election process of Jair Bolsonaro with live reporting, radio analyses and background pieces. With projects such as FavelaWatch, BuzzingCities Lab is also pursuing the security and policing strategy for the favelas of Rio in the long term. While the violence continues, the UPP – a now failed proximity policing experiment – is increasingly withdrawing from the favelas.

 

 

# Chicagos drug war and Gun violence in the US

Julia Jaroschewski represented BuzzingCities Lab at The Global Diplomacy Lab (GDL) in Chicago, a platform searching for a new and more inclusive form of diplomacy, developing approaches that go beyond traditional politics. Together with other experts on organized crime, drug policy, justice, or community workers and ex gang members, she worked on projects to tackle the rampant youth violence and gun violence.

 

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# The global bombs supermarket: Global Arms Trade 

As part of a transnational investigative team, Sonja Peteranderl investigated the arms trade schemes that help European defense companies to circumvent arms control legislation and export arms to countries like Saudi-Arabia – fueling the conflict in Yemen. The investigation strategies and the impact were presented as the Data Harvest Conference in Brussels as well as at the Outriders Summit in Warsaw.

 

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Facebook-Post: Todesstrafe für Kritik an den Drogengangs

In den Favelas gilt das Gesetz des Schweigens. Eine Frau hat sich in sozialen Netzwerken über eine Drogengang beschwert – Mitglieder der Gang folterten und töteten sie daraufhin. Ihre Mörder wurden jetzt benannt.

Ende Februar 2018 hatte Helen Alves de Oliveira aus der Favela Cajú in Rio de Janeiro einen Facebook-Post geschrieben, am 5. März 2018 wurde sie ermordet. Ein Moto-Taxifahrer hatte ihre Aufenthaltsorte und Routen ausgespäht und sie an die Gangmitglieder verraten. Die Kriminellen entführten die Frau, folterten, erschlugen sie und zerstückelten die Leiche. Die Körperteile verbrannten und verscharrten sie.

“Wenn ein Kind, ein Jugendlicher, oder ein Erwachsener der Gewalt zum Opfer fällt, wenn er auf dem Heimweg von der Schule, von der Arbeit oder Kirche ist, oder zuhause arbeitet, bin ich die Erste, die schreit und das Verbrechen anprangert”, hatte sie zuvor auf Facebook geschrieben. “Aber wenn einer stirbt, weil er Drogen verkauft, mit Waffe und Funkgerät, dann ist es besser, nicht mit mir darüber zu sprechen. Es war vor allem, weil er einen Polizist einen Feigling genannt hat. Feigling warum? Wenn er nicht geschossen hätte, dann wäre er nicht gestorben und umgekehrt. Der Krieg ist zum Sterben da, Bruder.”

Offenbar zuviel der Beleidigung für die lokale Drogengang. Gegen sieben Männer, die die Favelabewohnerin ermordet haben und ihre Leiche verschwinden ließen, liegen nun Haftbefehle vor. Der Drahtzieher des Mordkommandos soll der lokale Drogenchef Luiz Alberto Santos de Moura alias “Bob do Caju” sein. Zur Tatzeit saß er im Gefängnis – seine Leute hatten den Facebook-Post gefunden, ihn ausgedruckt und ihm vorgelegt. Er ordnete den brutalen Vergeltungsschlag an.

Was klingt wie ein kaum vorstellbarer Mord für eine Lappalie, kommt in Rios Favelas immer wieder vor. Wer sich gegen die Drogengangs wendet, gilt als Verräter – ein tödliches Verbrechen. Ihre Racheakte verbreiten die Gangs dann, um andere Bewohner und ihre Rivalen abzuschrecken – auch in den sozialen Netzwerken.

Bob do Caju: Mordbefehl aus dem Gefängnis (Fahndungsfoto)

Bob do Caju: Mordbefehl aus dem Gefängnis (Fahndungsfoto)

Brasilien nach der Wahl

Bald wird Brasilien vom ultrarechten Ex-Militär Jair Bolsonaro regiert. Was das genau für das Land bedeuten wird, ist noch unklar. Die Erwartungen der Bevölkerung schwanken derweil zwischen Hoffnung und Angst.

Am Sonntag um kurz nach 19 Uhr, als die Wahlergebnisse bekannt wurden, jubelten Tausende Anhänger Bolsonaros am Strand vor dessen Haus in Rio. Sie feierten mit Feuerwerken, Autokorsos und lauter Musik den Sieg des Rechtspopulisten. Bolsonaros Kritiker bangen vor dem, was nun folgen könnte.

Fluter

Fluter Magazin

Rund 55 Prozent der Wählerinnen und Wähler hatten für Jair Bolsonaro gestimmt, der für die Sozial-Liberale Partei (PSL) ins Rennen ging. Knappe 45 Prozent stimmten für seinen Kontrahenten Fernando Haddad von der linksgerichteten Arbeiterpartei. Vier Jahre ist Bolsonaro nun regulär Präsident, und damit ist er in Brasilien nicht nur Staatsoberhaupt, sondern auch Regierungschef.

Der ehemalige Militär und langjährige Abgeordnete für wechselnde Parteien ist in Brasilien und international hoch umstritten. Er drohte der Opposition mit Verfolgung, verherrlichte die brasilianische Militärdiktatur und äußerte sich wiederholt demokratieverachtend, rassistisch, frauenfeindlich und homophob.

Hier den ganzen Bericht von Julia Jaroschewski im Fluter Magazin online lesen.

Rechtsruck in Brasilien: Wie Bolsonaro das Land verändern will

Viele Brasilianer sehen in Jair Bolsonaro keinen Rechtsextremen, sondern einen Heilsbringer. Dabei droht der Umbau zu einem autoritären Staat, eine Ausweitung der Militär-Macht, die Verschärfung der sozialen Kluft durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik – und eine Eskalation der Gewalt.

Im Wahlkampf hat Jair Bolsonaro sich vor inhaltlichen Auseinandersetzungen mit seinem Rivalen Fernando Haddad gedrückt – in seinen Livestreams ging es meistens um Panikmache vor dem Kommunismus und Hetze gegen Minderheiten und politische Feinde, statt um konkrete Reformen.

55 Prozent der Brasilianer haben den Ex-Fallschirmjäger und Fan der Militärdiktatur zum neuen Präsidenten Brasiliens gewählt.

Wenn Bolsonaro am 1. Januar 2019 sein Amt antritt, steht Brasilien ein drastischer Kurswechsel bevor – denn das Brasiliens neuer Saubermann hart durchgreifen will, sind nicht nur Sprüche. “Bolsonaro wird Militärpersonal in Schlüsselpositionen positionieren und die Rolle des Militärs in der Öffentlichen Sicherheit verstärken”, sagt der Politikwissenschaftler Wagner Romão, Professor an der Universität von Campinas (Unicamp), t-online.de. “Er droht auch, Universitäten stärker von außen zu kontrollieren, um die angebliche Dominanz von linkem Gedankengut zu unterbinden und plant, die Landlosenbewegung als Terroristen einzustufen.”

Unsere gesamte Wahlanalyse über Bolsonaros Hintermänner, die politische Umbau und die Folgen für Brasilien bei t-online lesen.

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#GuerranoRio: 12-stündige Operation, Complexo do Alemão unter Dauerfeuer

Stundenlange Schusswechsel, gepanzerte Fahrzeuge, die durch die Favelas rollen: Im Complexo do Alemão, einem Favelakomplex im Norden von Rio de Janeiro, läuft seit heute Morgen eine Mega-Operation – und Anwohner beschweren sich über Polizeigewalt.

Um sechs Uhr morgen begann die Mega-Operation. Spezialeinheiten und Militärpolizei durchkämmten Favelas, durchsuchten Häuser, lieferten sich Schusswechsel mit der Drogengang des Alemão. Immer wieder dröhnten schwere Schusswechsel durch die Siedlungen.

GUERRA COM ARMAS PESADAS!!

A SITUAÇÃO NO COMPLEXO DO ALEMÃO É ASSUSTADORA.

OLHA A RAJADA DOS TIROS DADOS COM ARMAS DE GUERRA DURANTE MAIS DE 12H DE OPERAÇÃO NO COMPLEXO DO ALEMÃO#GUERRANORIO #GUERRANOALEMAO pic.twitter.com/HdUtOFa2KB

 

“Wie kann es ein, dass die Polizeioperation sich immer genau dann intensiviert, wenn auch die Bewegung der Favelabewohner am größten ist”, beschwert sich ein Favelabewohner am frühen Abend auf Twitter. Auf Twitter postete er auch Nachrichten von Favelabewohnern, die von Übergriffen erzählten: Ein Bewohner, dessen Haus von der Polizei durchsucht wurde, erzählt, er habe die Sicherheitskräfte freundlich nach dem Grund gefragt. Einer antwortete darauf: “Weil ich es will.”

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Gepanzerte Fahrzeuge, die durch die Favela rollen (Foto: Raul Santiago)

Aufwachen im Krieg: Gepanzerte Fahrzeuge, die durch die Favela rollen (Foto: Raul Santiago)

Das Ergebnis der Mega-Operation, die Hunderte von Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat, scheint bisher eher mau: Zwei Personen wurden bisher festgenommen. In der Favela Fazendinha haben Polizisten 19 Pakete mit Marihuana á jeweils etwa zwei Kilo festgenommen.

Kriegswaffen im Drogenkrieg: Browning .50 in Rio beschlagnahmt

Ein Waffendeal wurde im letzten Moment verhindert: Eine Browning .50, ein schweres Maschinengewehr, wurde von der Polizei sichergestellt – die Beschlagnahmung zeigt, in welcher Dimension die Drogengangs mittlerweile aufgerüstet haben.

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200.000 Reais, umgerechnet knapp 42.000 Euro, wollten die Kriminellen für die Waffe bezahlen. Das in den USA entwickelte schwere Maschinengewehr, das 38 Kilo wiegt, kann 400 bis 600 Schuss pro Minute abfeuern – ein tödliches Kriegsgerät, das im Einsatz in einer dicht besiedelten Favela ein Desaster gewesen wäre. Der Polizei zufolge ist es die größte Waffe, die im Bundesstaat Rio bisher beschlagnahmt wurde. Zwei Personen, die am Deal beteiligt waren, wurden verhaftet.

Während Militärpolizei und Militär bei größeren Operationen etwa mit Panzern durch die Favelas rollen, die etwa die Straßensperren der Drogengangs niederwälzen, haben auch die kriminellen Organisationen ihr Waffenarsenal massiv aufgestockt. Die Browning .50 wurde nach dem ersten Weltkrieg entwickelt, um auch gepanzerte Ziele zu zerstören und wird von Streitkräften weltweit eingesetzt.

Drogenhandel findet weltweit statt – zu der extremen Gewalt in Brasilien trägt dazu bei, dass die Gangs inzwischen hochgerüstet sind wie Kriegsparteien. “Maschinengewehre sind hier verbreitet wie Armbanduhren”, sagte der Polizeikommandant der größten Favela Rocinha zu FavelaWatch. Ein anderer Polizist, ehemaliger Angehöriger der Spezialeinheit der BOPE warnte: “Die Gangs verfügen über Kriegswaffen – zum Teil sind sie besser ausgerüstet als die Polizei.”

Auch Maschinengewehre deutscher Hersteller geraten immer wieder in die Hände von Kriminellen. So wurde auch die PSOL-Abgeordnete Marielle Franco mit einer MP5 von Heckler & Koch ermordet. Immer wieder gelangen Waffen aus Polizeibeständen in die Hände von Milizen oder Drogengangs und befeuern die Gewalt.