Brasilianisches Nationalmuseum in Flammen: Raubbau an der Kultur

Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro wurde durch einen Brand zerstört. Der Verlust ist auch ein Symbol für die desaströse Kulturpolitik.

Sonntagnacht sind in Rio de Janeiro 200 Jahre Erinnerung in Flammen aufgegangen. Das Museo Nacional im Stadtpark Quinta da Boa Vista wurde durch ein Feuer fast vollständig zerstört.

Verletzt wurde niemand, denn das Museum war bereits geschlossen. Doch große Teile des historischen Gebäudes brannten nieder – und viele der 20.000 Exponate. Die älteste wissenschaftliche Einrichtung Brasiliens beherbergte etwa Dinosaurierfossilien, anthropolische Sammlungen wie Masken, oder “Luzia”, das in einer Höhle geborgene Skelett einer der ersten Einwanderinnen Südamerikas, das bekannteste Skelett Amerikas.

“Es war das größte Naturkundemuseum in Lateinamerika”, so Cristiana Serejo, Vize-Direktorin des Museums. “Wir haben unschätzbar wertvolle Sammlungen, die mehr als 100 Jahre alt sind.”

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Die Brandursache ist bisher noch unbekannt. Der Brandschutz war offenbar unzureichend, das Gebäude brannte innerhalb von etwa einer Stunde nieder. Berichten zufolge sollen Feuerwehrmänner zudem teils zu wenig Wasser zum Löschen gehabt haben. Das Museum hatte gerade erst einen Vertrag mit der brasilianischen staatlichen Entwicklungsbank BNDES geschlossen, das auch ein Feuerschutzpaket umfassen sollte – zu spät.

Das Feuer ist ein großer Verlust für die brasilianische Kultur und Wissenschaft, aber auch ein Symbol der verfehlten Kulturpolitik. Drastische Kürzungen im Wissenschafts- und im Kulturbereich in der Wirtschaftskrise haben unter der Temer-Regierung zu einem Raubbau geführt. Zahlreiche wissenschaftliche Programme und Kulturprojekte wurden in den vergangenen Jahren eingestellt, auch in Rios Favelas.

Auch das Budget der Staatlichen Universität von Rio (Universidade Federal do Rio de Janeiro), kurz UFRJ, in deren Verwaltungsbereich das Museum gehört, war immer mehr gesunken. Auch das Nationalmuseum war von den Kürzungen betroffen.

Eine Initiative versucht jetzt, zumindest die Erinnerungen per Crowdsourcing zu bewahren – und sammelt digital Bilder, Videos und Erinnerungen an das Museum, aber auch Selfies mit dem Nationalmuseum oder seinen Exponaten ein.

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