Rio 2016: So viel kostet die Deutsche Olympia-Mannschaft

Rio2016

Wie viel kostet der Auftritt der deutschen Sportler eigentlich den Steuerzahler? Und wofür genau gibt die Bundesregierung Geld aus? Ein Gastbeitrag von Jonathan Sachse, Correctiv.org.

Schon vor einigen Tagen hatte ich hier bei Facebook beschrieben, wie die Steuer-Millionen für Olympia verteilt werden. Jetzt habe ich vom Bundesministerium des Innern (BMI) den Haushaltsplan für die deutsche Olympiamannschaft für die zweieinhalb Wochen in Rio bekommen. Dafür brauchte ich nur einen einfachen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz stellen.

Auf den 31 Seiten seht Ihr, wofür rund 9 Millionen Euro (davon 5,5 Mio. aus Steuern) in Rio für die deutsche Olympiamannschaft und seine Begleiter ausgegeben werden. Außerdem könnt Ihr in Auszügen den E-Mail Verkehr zwischen dem BMI und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) rund um die Fördergelder nachlesen. Ihr erfahrt, nach welchen Kriterien die Fördermittel vergeben wurden. Die folgenden fünf Punkte fanden wir besonders spannend.

1. Das IOC zahlt wenig an den DOSB, kassiert aber viel

Das Internationale Olympische Kommittee überweist für jeden deutschen Olympiateilnehmer 1.054 Euro an den DOSB. Die deutsche Mannschaft ist mit 440 Sportlern und Sportlerinnen vor Ort. Vom IOC gibt es insgesamt 473.000 Euro. Das ist wenig, wenn man die Milliarden-Umsätze sieht, die das IOC mit den Olympischen Spielen regelmäßig macht.

Gleichzeitig müssen die Nationalen Olympischen Komitees für verschiedene Leistungen in Rio bezahlen. Der Haushaltsplan der deutschen Olympiamannschaft listet Kosten für Eintrittskarten, Verpflegung und Unterkünfte im Olympischen Dorf. Rund 300.000 Euro fließen dadurch direkt zurück an das Organisationskomitee der Olympischen Spiele (OCOG).

2. Eintrittskarten für die Athleten
Das DOSB hat vor Beginn der Spiele eine ganze Reihe von Eintrittskarten für deutsche Athleten beim IOC eingekauft, damit diese olympische Wettkämpfe besuchen können. Das Paket kostet 200.000 Euro. Es handelt sich „überwiegend um sehr spontan geäußerte Wünsche“ der Athleten, schreibt uns Ulrike Spitz, Pressesprecherin des DOSB. Denn die Athleten würden niemals Karten bestellen für einen Zeitpunkt, an dem sie hoffen, noch selbst im Wettkampf zu sein. Das eingekaufte DOSB-Paket beruhe auf „Erfahrungswerten“ und decke hoffentlich die aufkommenden Wünsche der Athleten ab, schreibt  Spitz.

In Rio gibt es in fast jeder Disziplin große Freiflächen auf den Zuschauerrängen. Selbst bei vielen Finalentscheidungen. Für mich stellt sich die Frage, warum das IOC den teilnehmenden Athleten dann keine Freikarten gibt und der DOSB – aus Steuergeld – für 200.000 Euro Karten kaufen muss?  In der Praxis läuft der Ticketeinkauf für die deutschen Athleten so ab: Der DOSB bestellt die Tickets bei der Agentur Dertour, die generell die Tickets auf dem deutschen Markt vertreibt. Die Karten müssen zum Originalpreis eingekauft werden. Das OCOG gewährt keinen Rabatt für seine Sportler.

3. Steuergeld für DOSB-Geschenke
Im Haushaltsplan sind 45.000 Euro unter dem Punkt „Repräsentation Geschenke“ gelistet. Was steckt dahinter? Die Pressesprecherin des DOSB, Ulrike Spitz, nennt Beispiele: „Bei Sammlern beliebte Pins und kleinere Gastgeschenke“, wie USB-Sticks und T-Shirts aus der Einkleidung, jeweils vom DOSB gebrandet.

Der „weitaus  größte Teil entfällt auf Kosten des Brandings“, schreibt Spitz. Dazu kommen Bewirtungskosten. Die 45.000 Euro werden voraussichtlich nicht ausgeschöpft, schreibt Spitz. Ist es gerechtfertigt, dass der DOSB 45.000 Euro für Werbegeschenke ausgibt? „Ob die Ausgaben im Einzelfall notwendig waren und gerechtfertigt sind, lässt sich nur anlässlich der Verwendungsnachweisprüfung feststellen“, schreibt uns dazu Sonja Kock, eine Sprecherin des BMI. Wir sind gespannt, welche konkreten Belege hier in den kommenden Monaten beim BMI eingereicht werden und wie das Bundesverwaltungsamt die Ausgaben für Rio in seiner Prüfung insgesamt bewertet.

4. Reiten ist die teuerste Sportart
Fünf Medaillen haben die deutschen Reiter in Rio gewonnen. Im Schnitt hat das Innenministerium jede Medaille mit rund 100.000 Euro aus Steuergeld finanziert. Und das betrifft nur die Bundeszuschüsse, die für die Kosten während der Spiele angefallen sind. Dazu kommen möglicherweise weitere Fördermittel, die in den Jahren zuvor für die sportliche Vorbereitung bereitgestellt wurden. In der Zielvereinbarung zwischen dem DOSB und der deutschen Reitervereinigung taucht zum Beispiel ein Testevent in Rio auf, das 110.000 Euro gekostet haben soll.

Wie kommen wir auf die Kosten pro Medaille? Im Haushaltsplan stehen fast 450.000 Euro für die Reitwettbewerbe in Rio. Insbesondere der Transport der Pferde verschlingt hundertausende Euro. Weitere 50.000 Euro sind für Unterkunft und Verpflegung der Pferdepfleger (Grooms, Hufschmied, Tierärzte) in Rio kalkuliert. Dazu erhalten 20 Personen aus dem Reitumfeld ein Tagegeld von insgesamt 17.680 Euro.

5. Eingekleidet von Adidas   
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde der DOSB selber 3 Millionen Euro für das deutsche Team in Rio besteuern. Tatsächlich geht dieser Betrag auf die Einkleidung der Athleten durch Sponsor Adidas zurück. Drei Millionen Euro hat die Kleidung der deutschen Sportler gekostet. Hinzu kommen knapp 900.000 Euro aus Steuergeld, mit denen das Innenministerium Sondergrößen, Umsatzsteuer und Versicherungen finanziert hat.

Allein die Ausgabehalle für die Einkleidung hat 10.000 Euro gekostet. Im Haushaltsplan taucht ein weiterer Posten unter den Einnahmen auf, der interessant ist. „Honorar ARD/ ZDF für Interviews“ heißt es in der Kalkulation, allerdings steht kein Betrag dahinter. Wir haben bei den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF nachgefragt, ob in Rio 2016, Sotchi 2014 oder London 2012 für Interviews gezahlt wurde. Die Pressestellen verneinten das für alle drei Events. Wieso wird der Posten dennoch genannt? Vielleicht ein Relikt aus düsteren Zeiten, als die ARD noch für exklusive Interview im Radsport zahlte.
“Ihre Frage, ob es dort bezahlte Interviews gibt, kann ich nach Rücksprache mit unserem Teamchef in Rio verneinen. Dies gilt nach Kenntnis der ARD Sportkoordination ebenso für die Spiele in London und Sotchi” (Martin Gartzke, NDR Sprecher ).

Wenn Euch unsere Recherchen gefallen und Ihr mehr davon möglich machen wollt, könnt Ihr uns hier als Fördermitglied unterstützen.

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