Gang befreit Drogenboss aus Krankenhaus

Mitten im Zentrum von Rio ist am Sonntag eine Gruppe bewaffneter Männer in ein Krankenhaus eingedrungen und hat ein hochrangiges Mitglied einer Drogengang befreit. Bei dem Angriff kam ein Mann ums Leben, zwei weitere wurden verletzt.

Gegen 3 Uhr früh war die Gruppe von 25 bewaffneten Männern in das Krankenhaus Souza Aguiar im Zentrum von Rio eingedrungen, um ihren seit knapp einer Woche internierten Chef “Fat Family” zu befreien. Dieser war nach einer Schießerei mit Polizisten dort eingeliefert und von der Polizei bewacht worden. Mit Gewehren, Pistolen und Granaten ausgestattet hatte sich die Gruppe aufgeteilt, um den im 6. Stock liegenden Drogenboss aus dem Gebäude zu holen.

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(Foto: Disque Denuncia)

Der Chef der Polizeieinheit für Morde verkündete öffentlich Unmut: “Wir fühlen uns alle unsicher, das war ein feiger Anschlag.” Der Staatssekretät für innere Sicherheit José Beltrame sagte noch am Sonntag, dass “die Sicherheitskäfte alle notwendigen Schritte durchgeführt und korrekt gehandelt” hätten. Die Sicherheitsdienste hätten schon am Donnerstag erfahren, dass eine potentielle Befreiung eines hochrangigen Drogenchefs vorgesehen war, wussten aber nicht, um wen es ich handelt. Dennoch werde man sich so schnell wie möglich zusammensetzen, um die Unterbringung von Gefangenen in Krankenhäusern zu diskutieren.

Rios Bürgermeister schockiert über fehlende Sicherheit

Die Ärztegewerkschaft will nun eine Beschwerde einlegen – da für Häftlinge immer ein Risiko bestehe, ermordet zu werden, sollten sie nicht in einem öffentlichen Krankenhaus, sondern in einem Gefängnis behandelt werden.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes nutzte die Gelegenheit, die Verantwortung auf Beltrame und den Gouverneur abzuschieben und eine Verstärkung der Sicherheitskräfte zu fordern: “Der Vorfall ist erschreckend und inakzeptabel. Wir brauchen mehr Polizei und Sicherheit.”

Informant bei der Polizei?

Jetzt muss untersucht werden, wer in der Woche vor der Aktion Kontakt zu “Fat Family” hatte, denn die Eindringlinge kannten den exakten Standort des Drogenchefs. Unter Verdacht steht unter anderem der Anwalt des Kriminellen. Nicht selten haben Drogenbanden sehr gute Kontakte zur Polizei und bezahlen Informationen mit einem hohen Schmiergeld. Anderen Medien zufolge soll die Spitze der Militärpolizei 48 Stunden vor dem Überfall über den Anschlag informiert worden sein.

Das Inventar des Krankenhaus wurde beschädigt, die Arbeit dort wegen der Beweisaufnahme gestoppt. Aufnahmen der Kameras sollen jetzt herausfinden, wer die Beteilgten waren, doch die meisten der Männer hatten Sturmhauben benutzt. Bisher sind dennoch zwei Gangster identifiziert worden.

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