Polizei exekutiert fünf Jugendliche

Rios Polizei sollte zur Vorzeigetruppe werden, doch anstatt mehr Sicherheit zu schaffen, tötet sie Menschen aus den Favelas – viele von ihnen sind Jugendliche, meist junge, schwarze Männer.

Es ist eine Nachricht, die große Wellen schlägt in Rio: Vier Polizisten erschießen fünf Jugendliche in einem Auto – mit mehr als 100 Patronen. 81 Schüsse vom Gewehr, weitere 30 gehen von einer Pistole aus. Die Polizisten sagen später, sie hielten die jungen Männer für Drogengangster. Die Familien sagen, die Polizisten agierten willkürlich und ermordeten die Jugendlichen, weil sie aus der Favela kamen.

Die fünf getöteten Jugendlichen (Screenshot Facebook)

Die fünf getöteten Jugendlichen (Screenshot Facebook)

Es war ein lauer Abend in Costa Barros, einer Favela in der Nordzone Rios. Fünf Freunde zwischen 16 und 25 Jahren fuhren mit dem Kleinwagen in ein Shoppingcenter, trafen sich im Anschluss mit weiteren Kumpels in einem Park, um das erste Gehalt des 16-jährigen Roberto S. zu feiern. Er arbeitete seit kurzem in einem Supermarkt und wollte seine Freude mit den Freunden teilen. Auf dem Rückweg gegen 1 Uhr morgens wurden die Jugendlichen von Polizisten angehalten, die das Auto nach eigenen Angaben mit dem von Gangstern verwechselten. Anschließend kam es zur heftigen Schießerei, die mit dem Tod der fünf jungen Männer endete.

Als Grund gaben die Polizisten Selbtverteidigung an – sie behaupten, sie seien von den Jugendlichen angegriffen worden. Neben dem Auto hatte man Pistolen gefunden. Beobachter der Szene berichten jedoch, dass die Polizisten diese Pistolen neben dem Auto platziert haben, um ihre Tat zu vertuschen, denn die fünf jungen Männer trugen gar keine Waffen mit sich.

Vortäuschen von Selbstverteidigung als Methode

Dass Polizisten Unbeteiligte erschießen kommt in den Favelas immer wieder vor. Erst im Herbst konnten zwei Polizisten überführt werden, da sie einem jungen Mann, den sie zuvor erschossen, eine Waffe in die Hand legten – Anwohner hatten die Polizisten heimlich gefilmt.

Die nun involvierten Polizisten wurden vorübergehend vom Dienst suspendiert, eine polizeiliche Untersuchung läuft. Die Beweisaufnahme zeigt bisher, dass kein einziger Schuss aus dem Auto der Jugendlichen heraus gefallen ist, auch die Position der Körper ermöglichte keinen Angriff. Seltsam ist auch: Die  vorgschriebene interne Kamera aus dem Polizeiwagen war nicht eingeschaltet gewesen – somit gibt es keine Bilder vom Tatort.

Die Wut in den Favelas ist enorm, da sich die Tötung der Jugendlichen in eine Kette von Vorfällen reiht, bei denen die Polizei regelmäßig ihre Macht missbraucht.

Eine aktuelle Studie des Sicherheitsinstitutes in Rio zeigt, dass seit Herbst 2010 bis zum heutigen Tag knapp 3.300 Fälle von Selbstverteidigung von Polizisten gemeldet wurden, Fälle in denen andere Personen durch Waffen von Polizisten verletzt oder getötet wurden.

Nicht zu entschuldigender Vorfall

Von den Jugendlichen aus Costa Barros hatten zwar zwei Anzeigen bei der Polizei, einer wegen Diebstahl, ein zweiter wegen Drogenhandels. Dennoch steht dies in keinem Zusammenhang mit der Tötung der jungen Männer durch die Polizei. Die Reaktion der Polizisten ist in jedem Fall unverhältnismäßig aggressiv. Das Auto der Jugendlichen wurde regelrecht zerlöchert.

Eine aktuelle Statistik zeigt, dass die Polizeieinheit, bei der die vier betroffenen Polizisten arbeiten, eine von vieren in ganz Rio ist, die in ihren Einsätzen die meiste Munition verschießt. Insgesamt haben sie 50 Prozent der Munition verbraucht, die die Gesamtstatistik von Rio zählt. Die Polizei erhebt solche Statistiken, um den Ver-, und Gebrauch von Munition zu kontrollieren.

Der Minister für innere Sicherheit in Rio sagte zu dem Vorfall: “er sei nicht zu entschuldigen.”

 

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