Leben in der Favela

 

Wir wollen über die Bedingungen und das Leben, die Erwartungen der Favelabewohner berichten, zeigen, was in den Armenvierteln passiert.

Deswegen sind wir ja hierher gezogen, weil es eben anders ist, einen oder zwei Tage oder zwei Wochen tagsüber hier vorbeizuschauen als tatsächlich die Nächte, den Alltag zu jeder Tageszeit und Witterung zu erfahren. Wir wohnen immer wieder in der Rocinha und viele fragen uns, wie wir eigentlich leben.

Wir wohnen mit den Einschränkungen, die andere Favelabewohner auch haben, dafür haben wir uns aber bewusst entschieden. Manche Bewohner leben mittlerweile hochwertiger, habe ihre Hütten ausgestattet mit TV und Küchenmaschinen, Waschmaschine und Herd, manche hausen in noch viel schlechteren Konditionen, in den Hütten aus Holz.

Wasser

Wenn das Wasser ausfällt, ist das ärgerlich, besonders wenn man einen Termin hat – keine Dusche, keine Toilette, nichts zum Abwaschen oder Kochen. Trinken kann man es eh nicht. Dieser ständige Regen draußen ist manchmal die einzige Alternative: mit Regenwasser im Waschbecken die Haare waschen. Danach ist man auch etwas geduscht, nur vollkommen unterkühlt – und drinnen ist es genauso feucht und kalt. Der Regen hat sich durch die Wände gefressen. An vielen Ecken bleibt auf dem Finger ein nasser Film, wenn man über die Mauer fährt. Die Kleidung ist klamm, die Decken zum Schlafen auch, nur die Handtücher können ein wenig hinter dem Kühlschrank an den Heizstäben trocknen.

Möbel

Wir haben in unserem Zimmer kleine Hocker, eine Matratze als Schlaf- und Sitzgelegenheit. Ein Tisch ist selbst gebaut, denn es ist schwierig, Möbel durch die kleinen Gassen zu transportieren – man kann sich jemanden bestellen, der den Kühlschrank oder eben Matratzen trägt. Die meisten fragen in den Familien nach Hilfe, beim Umzug müssen auch die Kinder mit anpacken.

Auf dem Boden haben wir keinen Teppich, das macht es sehr kalt, viele lassen ihren Boden aus Fliesen oder Stein kahl, für den Fall, dass es regnet und überschwemmt – das Wasser kann man so einfach herauswischen.

Internet

Mittlerweile haben wir wieder Internet. Wir mussten eine Zeitlang jeden Tag den ganzen Berg in ein Café hinunterlaufen, um online zu sein – weil zuhause kein Internetanschluss existierte. Alleine um einen Router zu kaufen, mussten wir durch mehrere Viertel der Favela laufen, bis wir Stunden später wieder das Büro unseres Internetanbieters erreichten. Unzählige Male saßen wir auf dem Stuhl in dem kleinen Laden, so groß wie drei Telefonzellen, und haben es letztendlich geschafft Leitung und Router zu verbinden, auch ohne eine eindeutige Postanschrift – denn die haben wir nicht.

In unserer früheren Wohnung musste die Leitung noch gelegt werden – die Kabel also durch die halbe Favela geknotet, entlang dieser wirren Stromkabelknäuel, und dann mit einem einfachen Loch durch die Wand gebohrt, ins Haus hinein verlegt.

Die Geschwindigkeit ist nicht sehr hoch, manchmal fällt das Netz ganz aus. Für schnelles Arbeiten und Abschicken von Material ist es oft ungeeignet, daran muss man sich gewöhnen. Es ist zum Verzweifeln, wenn man auf Aktualität angewiesen ist.

Wäsche

Wäsche waschen wir mit der Hand draußen im Becken – die Kleidung trocknet sehr schlecht, wenn es viel regnet und im Winter sind die Sonnenstunden gering, zumal unser Haus keine Sonne abbekommt – und wenn man nicht auf die Vorhersagen achtet, ist alles wieder klitschnass.

Hunde und Katzen unserer Nachbarn sind oft ganz süß, machen aber Dreck und Ärger, sie sind laut und vor allem kümmern sich nicht um die Wege, Treppen oder Eingangstüren. Man sollte immer aufpassen wo man hintritt, sonst klebt es dank Flipflops nicht nur am Schuh, sondern auch am Fuß.

Es ist laut, fast immer, morgens, mittags, abends. Überall Musik, Kinder, Lärm – Menschen leben auf engstem Raum zusammen, Konflikte sind unvermeidbar.

Trotzdem leben wir gerne in der Favela – auch wenn der Alltag immer wieder eine Herausforderung ist.

tbc

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