Polizeiskandal: Mord an dem Tänzer “DG”

Die Polizei in Rio ruiniert wiederholt ihren Ruf mit einem Skandal – aufgerollte Ermittlungen legen nahe, dass sie für den Tod von Douglas “DG” Rafael da Silva Pereira verantwortlich sind. Im April hatten Favelabewohner aus dem Pavão-Pavãozinho an der Straße vor der Favela protestiert, nachdem der junge “DG” tot aufgefunden worden war.

Seiner Mutter zufolge waren die Proteste damals ausgebrochen, weil die Favelabewohner verhindern wollten, dass der Körper des jungen Mannes ohne Spurensicherung abtransportiert wird. Die Favelabewohner werfen der Polizei vor, ihn getötet zu haben – und die Zweifel scheinen berechtigt.

Einem ersten forensischen Gutachten zufolge konnten die Ermittler keine Schusswunde entdecken. Auf Druck der Mutter und ihrer Unterstützer hin wurde die Leiche nun erneut von der Polícia Civil in Rio de Janeiro untersucht – die kamen zu einem anderen Fazit. Die Todesursache soll eine tödliche Kugel gewesen sein. Zwei der neun Polizisten trugen am Todestag von “DG” eine in Frage kommende Waffe, Kaliber .40, mit sich.

Zweifelhafte Beweise

Aussagen der Polizisten zufolge hatten sie sich eine Schießerei mit Mitgliedern einer Drogengang geliefert, die verschiedenen Versionen zufolge zwischen 30 Minuten und einer Stunde gedauert haben soll, “DG” soll dabei geflüchtet sein. Neben seiner Leiche wollen die Polizisten auch ein Walkie Talkie gefunden haben, die von Drogendealern in den Favelas oft benutzt werden. Mehrere Zeugen sprechen dagegen von in einem kurzem Zeitraum abgegebenen Schüssen, keiner Schießerei.

Die Mutter von “DG” glaubt, dass Polizisten ihren Sohn geplant gefoltert und exekutiert haben, weil er Ärger mit einem UPP-Befriedungspolizisten hatte. Sie hatte sich in den vergangenen zwei Monaten für eine Aufarbeitung des Falles eingesetzt.

Der Tod des jungen Mannes hatte im April ein internationales Medienecho ausgelöst – weil plötzlich Straßenbarrikaden in der Nähe der Strände, den Stadtvierteln Copacabana und Ipanema brannten und weil Douglas Rafael da Silva Pereira als Tänzer für eine TV-Show des größten brasilianischen Medienkonzerns “O Globo” gearbeitet hatte. Tragischerweise hatte der junge Mann auch in einem Kurzfilm mitgespielt, in dem er seinen eigenen Tod vorwegnimmt – der Film sollte gegen die Polizeigewalt in Rio und die Kriminalisierung von jungen Favelabewohnern protestieren. Nach dem Tod von “DG” protestierten auch Jugendliche aus anderen Favelas mit einer Kampagne in den sozialen Netzwerken gegen die tödliche Willkür. Ein Einzelfall ist der Tod von “DG” nicht.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s