WM-Auftakt: Friedliche Favela, Stress auf den Straßen

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Die WM in Brasilien startete mit einem Eigentor – und liefert den Chronisten der WM, die über Milliardenausgaben, Proteste und das die brasilianische WM begleitende Chaos schreiben, damit eine Metapher, die sich treffender nicht erfinden ließe. In der Favela Rocinha begann die WM trotzdem mit allem, was ein schönes Fußballfest haben muss: gute Stimmung, treue Fans, die ihre Seleção anfeuern, Tröten, viel Bier, Churrasco am Straßenrand, und – very Favelalike – Feuerwerke.

Keine Fanmeile, stattdessen Hunderte von Mini-Partys in der Favela

Die meisten kleineren Läden blieben am ersten Tag der WM geschlossen, einige Fans hatten sich entschieden, das Spiel beim Public-Viewing an der Copacabana anzusehen, viele Favelabewohner hatten es sich mit Familie und Freunden im Wohnzimmer vor dem Fernseher oder auf den Hausdächern gemütlich gemacht, so dass die Rocinha in manchen Gebieten ungewohnt verwaist aussah.

In der Rocinha verteilten sich die öffentlichen WM-Partys auf die kleinen Bars an der Hauptstraße und in den Gassen zwischen den Ziegelhäusern. Viele bauten einfach ein paar Plastiktische an, oder stellten Stühle mitten auf die Straße. Wir sind während des Spiels von ganz oben am Berg bis an den Fuß der Favela getourt, und haben uns die Stimmung in mehreren Bars angesehen.

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Kein Herumgegröle, stattdessen nette, kleine Runden, mit denen das WM-Gucken Spaß gemacht hat. Nur ein Böller hat uns während eines Interviews fast einen Hörsturz beschert. Julia war mit dem kanariengelben Neymar-Trikot im Favela-Look – viele trugen Fußball-T-Shirts, inklusive zahlreicher Mini-Neymars.
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Tränengas zum WM-Auftakt

Während das erste WM-Spiel innerhalb der Favela und auch in der Fanfest-Arena eine friedliche Feier war, kam es bei den Anti-WM-Protesten an der Copacabana und in der Lapa wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden.

Mindestens elf Personen wurden festgenommen, der Polizei zufolge mindestens fünf verletzt, davon vier Polizisten. Soziale Netzwerke berichten von mehreren verletzten Demonstrierenden, von denen einer ins Krankenhaus transportiert werden musste. Die Polizei hat wieder Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstrierenden eingesetzt. Auch der Favelareporter Betinhoo Casas Novas, der die Proteste fotografiert hat, wurde im Getümmel verletzt, konnte aber danach weiterfotografieren.

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