Tägliche Schüsse: “Dort, wo es knallt”

Seit einigen Wochen kommt es in der Rocinha immer wieder zu Schusswechseln, doch so nah wie heute waren die Schüsse hier oben noch nie. Zwei Dächer von unserem Haus entfernt tauchte sogar auf einmal ein Polizist auf der Terrasse auf. Ein anderer Polizist wurde O Globo zufolge wurde bei den heftigen Schießereien angeschossen und schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht, auch zwei Anwohner wurden angeschossen.

Schusswechsel, Polizeisirenengeheul, Geräusche von Verfolgungsjagden durch die Favela – seit Montag vergangener Woche wird die Rocinha fast täglich zum Schauplatz von Schießereien – zwischen den rivalisierenden Fraktionen der Drogengang “Amigos dos Amigos” (ADA), den UPP-Polizisten (Unidade de Polícia Pacificadora) und den Polizisten der Schocktruppe (Batalhão de Choque).

  • Am Montag sowie Dienstag fanden Schießereien statt.
  • Am vergangenen Mittwoch war es während des Fußballspiels um den brasilianischen Meister zu einer Schießerei gekommen, die Lage beruhigte sich dann aber relativ schnell – Bewohnern zufolge soll es sich um einen Schusswechsel zwischen Gangmitgliedern gehandelt haben, die gerade intern um die Macht ringen.
  • Am Donnerstagmorgen hatten deshalb bereits mehr UPP-Polizisten als sonst in der Rocinha patroulliert, nachmittags war eine Kolonne von sieben schwarzen, gepanzerten Wagen der Schocktruppe Batalhão do Choque durch die Favela gerollt – mit dem Einsatz wollten die staatlichen Sicherheitskräfte Präsenz zeigen. Um Mitternacht herum kam es erneut zu ausgedehnten Schießereien – eine Patrouille war im Beco do Máscara, in der Rua 3 von Gangmitgliedern überrascht worden, ein Polizist wurde dabei in Gesicht und Hände geschossen.
  • Freitag ebenso.
  • Inzwischen finden die Schießereien auch tagsüber statt – etwa am Montag, gegen 10 Uhr und 17 Uhr.
  • Gestern gab es Schießereien während des heftigen Gewitters – “Es regnet Kugeln”, oder “Kugelregen”, so die Zustandsbeschreibung in den sozialen Netzwerken.
  • Heute, in der Nacht des 6. Dezember erneut (siehe oben). Ein Polizist und zwei Bewohner angeschossen.
  • Nachtrag: Hatten uns gerade (7. Dezember, 8:45 am) über einen ruhigen Morgen gefreut, als wieder minutenlang Schüsse krachen. Jetzt Polizeiauto-Geräusche unten am Berg. Auf die Frage, wo in der Rocinha sie wohnen würden, antworten einige Favelabewohner über Facebook schon “Vietnam” oder “Dort, wo es knallt”.

Man wartet schon fast auf die täglichen Schießereien. Die Auseinandersetzungen scheinen immer heftiger zu werden, trotz – oder teils auch gerade wegen – extrem hoher Polizeipräsenz. Ein Einwohner kommentierte kürzlich, die Rocinha sei “gesetzloses Gebiet”, vor allem im oberen Teil der Favela patrouilliere die Polizei kaum.

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