Kampf den Mücken

Sie verstecken sich unter dem Schreibtisch und schlagen dann hinterhältig zu: Fiese Mini-Mücken, für die das feucht-schwüle Klima gerade ein Paradies sein muss. Doch in der Favela kann ein Mückenstich nicht nur lästig, sondern gefährlich sein – mit dem brasilianischen Sommer bricht die Zeit der Dengue-Epedemien wieder an.

Die Tigermücken, die den Virus übertragen, vermehren sich in stehendem Wasser, auch in Müll (wovon es hier genug gibt). 180.000 Brasilianer haben sich allein in den ersten Monaten des Jahres schon mit dem Virus infiziert.

Unser Kollege Philipp Lichterbeck hat für den Tagesspiegel aufgeschrieben, warum die Dengue-Infektionen vor allem die Favelas trifft – und wie ein Deutscher im Complexo da Maré zusammen mit lokalen Organisationen versucht, dagegen anzukämpfen:

“Sie (die NGO Redes da Maré) hat rund 20 Jugendliche aus dem Armenviertel ausgesucht und sie als „Little Dengue Docs“ mit 450 Fragebögen durch die Maré geschickt, um herauszufinden, was die Menschen über Dengue wissen. Die Hälfte hatte keine Ahnung. „Manche glauben, man könne sich über die Luft oder verdorbenes Essen anstecken“, sagt der 16-jährige Lucas Oliveira.”

Prävention ist die beste Möglichkeit, um die Mücken bzw. ihre Stiche zu vermeiden, wie dichte Kleidung oder Mückenspray, die Ausrottung aller selbst so kleinen Wasserstellen. Das Moskito-Netz, das wir extra wieder aus Deutschland angeschleppt haben, aber gerade doch nicht einsetzen, hilft leider gar nicht, weil die Dengue-Überträger-Mücken tagaktiv sind. Wir wünschen uns die Eidechsen zurück, die wir in unserer alten Wohnung hatten und die überall herumkrabbelten – sie sollen ja angeblich Mückenlarven und ausgewachsene Mücken fressen. (Update: Gestern tauchte tatsächlich eine dieser weißen, fast durchsichtigen Eidechsen auf, und wollte vom Fenster, über den Schreibtisch nach drinnen klettern – wir haben sie dann doch rausgeworfen, nicht, dass sie ins Bett krabbelt wie die ganzen Riesenkäfer und wir sie noch erdrücken).

Kay Fochtmann, der auch mal in der Rocinha gewohnt hat, hat uns von seinem Erlebnis berichtet, wie es sich anfühlt, sich in Brasilien mit Dengue anzustecken:

“40 Grad Fieber bei 40 Grad Außentemperatur – es gibt angenehmeres. Und jeden Tag in die UPA rennen, zwei Stunden warten bis man begrüßt wird, dann wird fix Blut abgenommen, das wird untersucht, nach zwei weiteren Stunden bekommt man Audienz beim Doc, ne weitere Stunde vergeht, bis man dann drankommt und seine Kochsalzlösungsinfusion bekommt. Insgesamt so 6 Stunden, die man fröstelnd bei 14 Grad überstehen muss. Brasilianische Klimaanlagen, ihr wisst… Als ich mich nach ner Decke erkundigte, fragte die Schwester wo ich herkomme. “Deutschland? Da brauchst du doch keine Decke! Ihr seid doch Kälte gewöhnt!” mit einem Lächeln wurde mein Wunsch ignoriert, auch meine Antwort, dass ich bei Kälte in Deutschland angemessen gekleidet bin, ließ sie so kalt wie die Temperatur der Klimaanlage.”

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2 thoughts on “Kampf den Mücken

  1. Ja, Vorsicht, Vorsicht, ihr beiden. Mich hatte es damals erwischt. 40 Grad Fieber bei 40 Grad Außentemperatur – es gibt angenehmeres. Und jeden Tag in die UPA rennen, zwei Stunden warten bis man begrüßt wird, dann wird fix Blut abgenommen, das wird untersucht, nach zwei weiteren Stunden bekommt man Audienz beim Doc, ne weitere Stunde vergeht, bis man dann drankommt und seine Kochsalzlösungsinfusion bekommt. Insgesamt so 6 Stunden, die man fröstelnd bei 14 Grad überstehen muss. Brasilianische Klimaanlagen, ihr wisst… Als ich mich nach ner Decke erkundigte, fragte die Schwester wo ich herkomme. “Deutschland? Da brauchst du doch keine Decke! Ihr seid doch Kälte gewöhnt!” mit einem Lächeln wurde mein Wunsch ignoriert, auch meine Antwort, dass ich bei Kälte in Deutschland angemessen gekleidet bin, ließ sie so kalt wie die Temperatur der Klimaanlage.. 😉

  2. Das hört ja traumhaft an, also albtraumhaft! Das Moskitonetz ist inzwischen aufgespannt, und funktioniert ganz gut, aber man kann ja nicht die ganze Zeit mit Kapuzenpullover und langen Hosen hier drinnen sitzen… Und bist du jetzt immerhin immun?! Die Krankenstation wollten wir auch nochmal besuchen – aber natürlich nicht SO. Liebe Grüße!

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