Rocinha trauert: Neunjähriges Mädchen ermordet

In der Rocinha wurde Samstagnacht ein Mädchen von einer Feier entführt und ermordet – die Community ist geschockt.

 

Das Foto von der Beerdigung teilen Favelabewohner in den sozialen Netzwerken: Der Körper mit weißen Blumen bedeckt, ein schmales Gesicht, an Schläfe und um den Mund Spuren der Gewalt – viele Kommentatoren aus der Favela wünschen dem Täter die Todesstrafe, oder dass ihm die Hand abgehackt werde, mindestens.

Samstagnacht wurde die neunjährige Rebeca Miranda Carvalho dos Santos aus der Rocinha gegen 21 Uhr von einer Feier entführt, in einer kleinen Gasse vergewaltigt und erwürgt, die Leiche mit Ziegeln abgedeckt. Eine grausame Tat – Favelabewohner sagen, dass so etwas in der Rocinha noch nie zuvor geschehen sei.

Die Mutter des Mädchens hatte erst vermutet, dass der Täter nicht aus der Favela stammt – da niemand den Mann erkannt habe, der das Mädchen entführte. Zudem würden seit der Befriedung der Favela und der Installation der Befriedungspolizei (UPP) viele Fremde durch die Favela laufen. Inzwischen geht die Familie aber davon aus, dass ein Favelabewohner die Kleine ermordet hat. Der Onkel des Mädchens sagte zur brasilianischen Zeitung O Globo, dass der Täter sich ausgekannt habe, wusste, wo er das Mädchen hinführen könnte, wo er die Leiche verstecken könnte.

Die für die Rocinha verantwortliche UPP-Kommandantin Pricila Azevedo geht davon aus, dass es sich nicht um eine Gelegenheitstat, sondern um ein geplantes Verbrechen handelt. Die Bilder von Überwachungskameras werden ausgewertet, auch Befragungen der anderen Kinder, die auf der Feier anwesend waren, sollen zur Identifikation des Mörders beitragen. Ersten Hinweisen zufolge soll es sich um einen jungen Mann zwischen 20 und 30 Jahren handeln, eine Kappe und ein Schuh wurden am Tatort gefunden.

Die Leiche des Mädchens wurde gestern auf dem Friedhof São João Batista beigesetzt. Favelabewohner forderten auf Transparenten Gerechtigkeit und die Bestrafung des Täters. Für viele Favelabewohner ist der Mord ein Anlass, die Arbeit der UPP in der Rocinha erneut anzuzweifeln. Der Vorwurf: Die Polizeipräsenz könne keine Sicherheit für die Bewohner garantieren – als die Drogenbanden noch regierten, habe es weniger Kriminalität gegeben. Aber lässt sich eine Sexualstraftat durch die Angst vor Bestrafung tatsächlich verhindern?

Für die Polizei wäre ein Fahndungserfolg dringend notwendig: Das Image der UPP der Rocinha ist stark angeschlagen, spätestens seit der Favelabewohner Amarildo nach einer Massenfestnahme in der Rocinha verschwunden ist – und möglicherweise von Polizisten umgebracht wurde.

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