Prä-Olympia-Chaos: Ein Känguru für die Australier

Skandal um die Unterkunft des australischen Sportlerteams: Die Unterkunft ist heruntergekommen, die Toiletten und die Duschen funktionieren nicht zuverlässig, die Stromleitungen sind marode. So könnten sich die Sportler nicht voll auf den Sport konzentrieren, kritisierte die Leiterin der australischen Olympischen Delegation. Die Sportler warten jetzt im Hotel darauf, dass die Unterkunft noch bis Mittwoch bezugsfertig wird. Prinzip Hoffnung.

Für Rio ist die Beschwerde ein Angriff auf den Carioca-Stolz: Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio, konterte statt mit Professionalität mit Ironie und machte sich arrogant über die Australier lustig: “Unseres Olympiadorf ist viel schöner als eures (in Sydney) war”, so Paes. Er würde den Australiern aber auch “ein Känguru besorgen”, um sie glücklich zu machen. Die Haltung symbolisiert die grundsätzliche Einstellung der Stadt: Es wird schon schiefgehen – wer sich beschwert, ist selbst schuld.

Die kubanischen Athleten sind bisher noch abgelegener untergebracht, bis sie Anfang August in das Olympische Dorf umziehen: In einem Hostel in Rios Nordzone, in dem sich auch Rio2016-Freiwillige günstig einquartiert haben. Bisher ohne Beschwerden.

Express-Entführung eines Australiers

Am Samstag wurde außerdem ein Jiu-Jitsu-Kämpfer aus Neuseeland auf dem Weg vom Training nach Rio de Janeiro von Männern in Polizeiuniform gestoppt und dazu gezwungen, am Geldautomaten ein “Bußgeld” abzuheben – eine klassische Expressentführung, wie sie auch in Ländern wie Bolivien oder Mexiko vorkommt. In Brasilien sind solche Expressentführungen von Touristen aktuell noch kein Massenphänomen. Ob es sich tatsächlich um kriminelle Polizisten oder Kriminelle in Polizeiuniform handelte, ist noch nicht bestätigt – Fake-Polizisten setzen in Rio immer wieder falsche Verkehrsstopps auf, um Autofahrer auszurauben.

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Wassereimer statt Feuerwehr: Brand in Favela in Rios Nordzone

Gefährlicher Brand: In einer Favela in der Nähe der Station Estação Vicente de Carvalho in der Nordzone von Rio hat sich ein Feuer heute gefährlich und rasant schnell ausgebreitet – durch das trockenene Gras auf der Berghöhe und die enge Bebauung des Hügels erreichte das Feuer schnell auch Strommasten und mehrere Häuser.

Fotos: BuzzingCities

Fotos: BuzzingCities

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Eine Feuerwehr war nicht in Sicht – stattdessen versuchten Anwohner, neben deren Häusern das Feuer brannte, eigenständig mit Wassereimern zu löschen.

Brände in Favelas sind lebensgefährlich: Immer wieder kommen Favelabewohner ums Leben. In São Paulo haben mehrere Großbrände Hunderte Familien obdachlos gemacht, weil Feuer auf ganze Favelasiedlungen übergriffen. Die dichte Bebauung führt dazu, dass sich Feuer schnell ausbreiten. Feuerpräventionsmaßnahmen wie Brandschutzwände? Meistens Fehlanzeige. Und in vielen Favelas, in denen oft nur eine oder wenige Hauptverkehrsstrassen mit dem Auto zugänglich sind, hat die Feuerwehr gar keinen Zugang oder muss Brände zu Fuß löschen – wenn sie überhaupt (rechtzeitig) kommt.

Die marode Infrastruktur fördert die Ausbreitung der Brände – und ist mit den heruntergekommenen Leitungen selbst ein potentieller Brandherd. In vielen Favelas hängen die Stromleitungen in dicken Kabelbündeln über der Straße. In der Favela Rocinha in Rio de Janeiro standen mehrfach Stromleitungen in Brand. Die brennenden Stromkabel und -masten stürzen zum Teil ein, direkt in Gassen und Straßen.

Ein anderes Problem: In vielen Favelas verbrennen Anwohner zum Teil ihren Müll einfach vor dem Haus, manchmal nur wenige Meter neben den Häusern – selbst in der Favela Rocinha, wo es inzwischen mehrere Müllsammelplätze entlang der Hauptstraße gibt und die Müllabfuhr inzwischen auch in der Favela gut funktioniert.

BuzzingCities Lab at TACIT FUTURES conference

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Borders, technology, a lot of data on humans, money, goods and debates on the tracking of movements: BuzzingCities Lab will be part of the TACIT FUTURES conference by Berliner Gazette and Volksbühne in Berlin in autumn 2016.

“Borders and infrastructure enable or disable the movement of humans and goods, data and money. Hence both are sites at which the future of human togetherness is shaped – fostering equality or aggravating inequality. So, who is actually taking decisions about the control of movement and thus about the future of society? Can the futures that are hidden at these sites – can these tacit futures become a democratic project?

PUBLIC TALKS with Konrad Becker, Jennifer Kamau, Brian Massumi, Guillaume Paoli, Gayatri Chakravorty Spivak, Marcus Staiger, and many more.

WORKSHOPS with artists, researchers, activists and programmers from more than twenty countries on issues such as: “Industries of prediction and margins of freedom”, “The politics of borders and money moves”, “Traces of movement and the question of rights”, “Care culture, drone war and mass mobility” and “Co-working, platform activism and refugees”.”

Cidade Olimpica: Beautification des Hafenviertels mit Street Art

Ein Street Art-Künstler, der mit seinem Team täglich von 8 bis 20 Uhr sprayen muss, damit das Kunstwerk bis zu den Olympischen Spielen fertig wird: Mit 2000 Spraydosen und 1500 Liter Farbe lässt Eduardo Kobra alias “Kobra” im Hafenviertel von Rio de Janeiro knallbunte, charakterstarke Portraits entstehen.

Statt der fünf olympischen Ringe prangen fünf charakterstarke Gesichter an den Wänden des renovierten Viertels, die auch das schwarze und das indigene Erbe Brasiliens repräsentieren sollen. “Das Bild feiert die Union der Rassen, der Völker, der Religionen”, so der Künstler aus Sao Paulo.

Ein bisschen Utopie, ein bisschen Resistance-Charme für das heruntergekommene Hafenviertel, das im Kontext der Megaevents komplett renoviert wurde.

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Fotos: BuzzingCities